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Alt genug zum Sterben

Britische "Kindersoldaten"

03.02.2007  






Einem Bericht des Scotsman vom Samstag zufolge hat Großbritannien durch die Entsendung von minderjährigen Soldaten in den Irak gegen ein von Großbritannien ratifiziertes Protokoll der Vereinten Nationen zum Schutz von Kindern verstoßen.

Demnach hat das britische Verteidigungsministerium zugegeben, daß 15 britische Soldaten im Alter von 17 Jahren in den Jahren 2003 und 2004 in den Irak entsandt worden sind.

Das von Großbritannien am 24. Juni 2003 ratifizierte "Freiwillige Protokoll zur Konvention über die Rechte des Kindes über die Einbeziehung von Kindern in bewaffneten Konflikten" fordert die Unterzeichnerstaaten in Artikel 1 auf, "alle durchführbaren Maßnahmen" zu ergreifen, um sicherzustellen, daß keine Mitglieder ihrer Streitkräfte, die jünger als 18 Jahre sind, an Feindseligkeiten beteiligt werden.

Es ist nur zu offensichtlich, daß eine Entsendung in den Irak hierzu in klarem Widerspruch steht. Das britische Verteidigungsministerium entschuldigte dies mit nicht vollständig vermeidbaren "Fehlern" und dem "Druck" auf Einheiten vor der Entsendung.

"Unglücklicherweise sind diese Prozesse nicht unfehlbar und der Druck auf Einheiten vor der Entsendung hat bedeutet, daß es eine kleine Zahl von Fällen gab, in denen Soldaten unbeabsichtigterweise vor ihrem 18. Geburtstag im Irak eingesetzt wurden", so das britische Verteidigungsministerium. Angesichts der Tatsache, daß sich auch die Verwaltung des britischen Militärs zweifellos schon vor Jahren von Karteikarten getrennt und auf computergestützte Datenbanken umgestellt hat, kann dies nur als ein sehr verzweifelter Versuch einer Ausrede bezeichnet werden. Wären tatsächlich "alle durchführbaren Maßnahmen" ergriffen worden, um eine Entsendung von Minderjährigen zu verhindern, wäre dies ohne Zweifel niemals geschehen. Letztlich liefert das britische Verteidigungsministerium allerdings selbst in einem Nebensatz eine weitaus einleuchtendere Erklärung, wenn es von "Druck" auf Einheiten vor ihrer Entsendung spricht.

Tatsächlich betrifft das Problem, genügend "freiwilligen" Nachwuchs für den Militärdienst zu finden, keineswegs nur die USA, sondern ebenso auch Großbritannien. So verließen im vergangenen Jahr 14.000 Soldaten das britische Militär, während nur 12.000 Menschen sich zum Dienst verpflichteten. Dies führt denn auch, wie auch in den USA, zu immer massiveren Anwerbemethoden, die zunehmend auf möglichst junge - und damit beeinflußbare - Menschen abzielen. Im Rahmen des britischen Informationsfreiheitsgesetz freigegebenen Informationen zufolge hat sich die Zahl von Besuchen in schottischen Schulen zum Zwecke der Anwerbung von Rekruten im vergangenen Jahr mehr als verzehnfacht. Während es im Schuljahr 2003/2004 14 solche Besuche gab, waren es im Schuljahr 2005/2006 153 solche Besuche.

Da das Mindesteintrittsalter in das Militär in Großbritannien bei nur 16 Jahren liegt, kann es kaum verwundern, daß dementsprechend auch minderjährige Soldaten in dem von Großbritannien mitgeführten völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak eingesetzt wurden - und möglicherweise werden. Angesichts der zahllosen wissentlichen Lügen zur Vorbereitung dieses Krieges und der noch weitaus zahlreicheren dabei verübten Kriegsverbrechen kann es kaum verwundern, daß auch dieses UN-Protokoll von Großbritannien verletzt wurde. Es ist kaum zu erwarten, daß dies - über die „Entschuldigung“ des Verteidigungsministeriums hinaus - irgendwelche Folgen nach sich ziehen wird.

Hier zeigt sich allerdings auch, mit welcher Doppelmoral das britische Militär behandelt wird. Während es in Großbritannien Jugendlichen unter 18 Jahren weder gestattet ist, Alkohol noch Zigaretten zu kaufen - offensichtlich, um ihre Gesundheit vor "unklugen Entscheidungen" zu schützen - und sie ebensowenig wählen dürfen, so ist es ihnen doch jederzeit freigestellt, sich bereits im Alter von 16 Jahren für den Militärdienst zu verpflichten. Eine Entscheidung, die mit zunehmender Wahrscheinlichkeit tödlicher als Rauchen oder Trinken ist.



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