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Mauerbau

Das Märchen von der Sicherheit

04.03.2007  






Es war einmal ein König, der lebte mit der Königin, ihren drei Töchtern - es grämte ihn sichtlich, daß die Königin ihm bisher noch keinen Thronfolger geschenkt hatte - und dem Hofstaat in einer Burg auf einem Berg, von wo aus er auf die Hauptstadt seines Landes und seine dort lebenden Untertanen hinabblicken konnte.

Nun war der König allerdings sehr vorsichtig - hinter vorgehaltener Hand nannten ihn seine Untertanen allerdings zumeist "paranoid" - und befürchtete ständig, daß er und sein von ihm so über alles geliebte Volk von Feinden angegriffen werden könnte. Zumindest sagte er das. Immer mehr seiner Untertanen glaubten allerdings, daß er dies nur sagte, um seine Untertanen in ständiger Angst vor Angriffen zu halten, so daß sie nicht allzusehr darüber nachdachten, daß der König durch ihre Arbeit in Saus und Braus lebte.

Und so kam es denn, daß der König immer neue Mauern und Wehrtürme um die Stadt errichten ließ. Dies führte allerdings auch dazu, daß immer weniger Menschen in die Stadt kamen, um dort Handel zu treiben. Dadurch verdienten die Menschen immer weniger Geld und konnten so auch ihre Steuern nicht mehr bezahlen.

Eines Tages dann ließ der König seinen Kanzler zu sich rufen und befahl ihm den Bau einer weiteren Stadtmauer.

"Mit allem Respekt, mein König, aber woher sollen wir die Steine nehmen? Die Staatskasse ist leer, wie Ihr wisst", erwiderte der Kanzler.

"Nun, so müssen denn meine Untertanen die Steine zur Verfügung stellen, geht es doch auch um ihre Sicherheit", sagte daraufhin der König.

"Aber mein Gebieter, dies taten sie doch schon für die letzte Mauer. In der ganzen Stadt gibt es kaum noch einen Stall, die Tiere stehen im Freien."

Langsam wurde der König ungehalten. "So kennt Ihr denn einen anderen Weg, meine Untertanen vor den Feinden zu schützen, Kanzler?"

Da der Kanzler sich nicht traute, den König darauf hinzuweisen, daß keine aktuelle Bedrohung des Landes bekannt sei und die Stadt außerdem durch die vorhandenen Wehranlagen mehr als ausreichend geschützt war und er auch keine andere Möglichkeit wußte, die Stadt noch besser zu verteidigen, senkte er den Kopf und sagte nur "Nein, mein König."

Und so kam es denn, daß die Untertanen des Königs wiederum Steine für den Bau einer Stadtmauer - noch höher und mächtiger als alle zuvor errichteten - liefern mußten. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als hierfür ihre eigenen Häuser niederzureißen, wollten sie nicht riskieren, als Spione hingerichtet zu werden, da sie den Bau der Mauer sabotierten.

Als die Mauer schließlich fertig errichtet war, blickte der König von seiner Burg auf eine Stadt, in der keine Häuser und nur einige wenige Zelte - die Unterkünfte der Arbeiter - standen. In Kürze würden aber auch sie die Stadt verlassen, so daß die Mauern nurmehr ein großes, leeres Gelände schützen würden.

Aber selbst jetzt erkannte der König nicht, daß er durch die immer neuen Maßnahmen zum Schutz der Stadt diese letzten Endes nur zerstört hatte.


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