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Eine Niere für die Freiheit

11.03.2007  






Wie beispielsweise die Los Angeles Times am Freitag berichtete, wird im US-Bundesstaat South Carolina derzeit über die Einführung eines Gesetzes nachgedacht, das es Strafgefangenen ermöglichen würde, Organe für eine Verkürzung ihrer Haftstrafe zu "verkaufen".

"Wir haben viele Menschen, die sterben, während sie auf Organe warten, also dachte ich an die Gefängnisinsassen", sagte der Senator Ralph Anderson, der die Gesetzesvorlage in das Parlament des Bundesstaates eingebracht hatte. "Ich glaube, wir müssen etwas tun, um sie zu motivieren. Wenn sie eine ordentliche Strafverkürzung erhalten, wenn sie früh herauskommen, das ist Motivation."

"Amerika hat eine schwere Krise in der Gesundheitsversorgung", so Anderson weiter. "Ich glaube, dies würde Geld sparen, die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern und eine ganze Zahl von Leben retten."

Während der ursprüngliche Gesetzentwurf nur "Spenden" von Knochenmarkzellen und blutbildenden Zellen vorsah, entschied das "Komitee für Gefängnisse und Strafrecht", an das der Gesetzentwurf zur Begutachtung verwiesen worden war, daß auch "Spenden" von Organen entsprechend entlohnt werden können sollen. Im Gegenzug soll die zu verbüßende Haftstrafe um bis zu 180 Tage vermindert werden.

"Es würde jeden mir bekannten ethischen Grundsatz verletzen, wenn ein Strafgefangener einen Vorteil daraus zöge, ein Organ zu spenden", sagte demgegenüber Lawrence Gostin, Jura-Professor an der Universität von Georgetown. "Es ist krass unethisch, wenn nicht gar ungesetzlich."

Tatsächlich steht dieser Gesetzentwurf in klarem Widerspruch zu US-Bundesrecht. Dieses untersagt es, Organspendern "Gegenleistungen" für ihre Spende zu geben. Die Verkürzung einer Haftstrafe um ein halbes Jahr kann zweifellos als "Gegenleistung" bezeichnet werden. Eine tatsächliche Verabschiedung dieses Gesetzes beziehungsweise dessen Bestand kann also - derzeit noch - als höchst unwahrscheinlich angesehen werden. Allein die Tatsache, daß ein solches Gesetz von einem Senator eines US-Bundesstaates eingebracht wird und dieses sogar von dem zuständigen Komitee befürwortet wird, zeigt allerdings, wie weit die USA bereits auf dem Weg zu menschenverachtenden "Spielen", wie sie von Stephen King in seinem Roman "Menschenjagd" (verfilmt als "Running Man") gekommen sind.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Voraussetzungen für die Einführung derartiger Gesetze auf Bundesebene geschaffen werden, kann "damit doch unzähligen Menschen geholfen werden". Ein weiterer Schritt könnte die zwangsweise "Spende" aller Organe von zum Tode Verurteilten sein. Die Vermutung, daß dies die Zahl der Todesurteile noch vergrößern würde, ist sicherlich naheliegend. Zu den Gladiatorenkämpfen des Alten Roms - oder eben der modernen, von King skizzierten Version - wäre es ab da nur noch ein kleiner Schritt.

Eine Gesellschaft, die es derart offen auch nur in Betracht zieht, die Notlage einiger ihrer Mitglieder so schwerwiegend auszunutzen, könnte kaum deutlicher machen, daß sie sich von jeglichen moralischen Grundsätzen verabschiedet hat. Es spricht hierbei Bände, daß Anderson bei der Aufzählung der möglichen "Vorteile" einer solchen Regelung als ersten die Einsparung von Geld nennt.



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