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"Ich würde diese Entscheidungen wieder treffen"

Ansichten - nicht nur eines - US-Soldaten

17.03.2007  






Am Sonntag wird die Sendung "60 Minutes" des US-Fernsehsenders CBS ein bereits im vergangenen Oktober geführtes Interview mit einem US-Soldaten ausstrahlen, in dem er sagte: "Was ich an jenem Tag tat, die Entscheidung, die ich fällte, ich würde diese Entscheidungen heute wieder treffen."

Bei diesem Soldaten handelt es sich allerdings keineswegs um einen beliebigen US-Soldaten, der vielleicht von seiner Entscheidung berichtet, sich für den Dienst im US-Militär zu melden. Vielmehr handelt es sich dabei um Feldwebel Frank Wuterich, der derzeit wegen der Ermordung von 18 irakischen Zivilisten in der Stadt Haditha am 19. November 2006 vor einem Militärgericht steht.

Dem CBS-Bericht zufolge wurden an jenem Tag insgesamt 21 Zivilisten getötet. Als das Massaker im vergangenen Sommer bekannt wurde, war noch von 24 getöteten Zivilisten die Rede. Wuterich ist CBS zufolge wiederum nur wegen des Todes von 18 Zivilisten angeklagt worden, andere Berichte sprechen weiterhin von einer Anklage wegen des Todes von 24 Zivilisten, noch andere von nur 13 Fällen.

Während die genauen Fakten Wuterichs Anklage betreffend also alles andere als klar sind, herrscht doch weitgehende Einigkeit über die Ereignisse jenes Samstags im November 2005. Es begann damit, daß die Patrouille von Wuterichs Einheit von Marineinfanteristen mit einer Bombe angegriffen wurde, wobei der Hauptgefreite Miguel Terrazas getötet wurde. Wuterich selbst erschoß daraufhin 5 unbewaffnete Männer, die aus einem Auto in der Nähe ausgestiegen waren.

Wuterichs Darstellung zufolge liefen die Männer vor den Soldaten weg, statt "wie üblich" mit erhobenen Händen stehenzubleiben, was er als ausreichenden "Beweis" dafür ansah, daß sie für die Explosion verantwortlich gewesen waren. "Außerdem waren sie Männer im militärfähigen Alter in dem Auto. Das einzige Fahrzeug, das einzige Ding, das draußen war, das irakisch war, waren sie. Sie waren hundert Meter von der Bombe entfernt. Das waren die Dinge, die mir durch den Kopf gingen, bevor ich den Abzug betätigte. Das war positive Identifizierung", so Wuterich in dem Interview.

Anschließend führte er den Angriff gegen zwei Häuser an. Das erste Haus wurde mit Erlaubnis eines Vorgesetzten angegriffen, weil die Soldaten "glaubten", es seien von dort zwei oder drei Schüsse auf sie abgefeuert worden. Die US-Marineinfanteristen warfen Wuterich zufolge eine Granate in ein Zimmer, sprengten die Tür und feuerten anschließend in das Zimmer um alle Überlebenden zu töten. "Man kann nicht zögern, eine Entscheidung zu treffen", so Wuterich. "Zögern ist gleichbedeutend mit getötet werden, entweder man selbst oder seine Leute ... Das ist es, was wir tun. So sind wir ausgebildet worden." In diesem Haus wurden 3 Frauen und 9 Kinder von den US-Soldaten getötet, was Wuterich auch sah. Trotzdem setzte er den Angriff auf ein Nachbarhaus fort, weil er eine offene Hintertür sah und "annahm", daß der "Scharfschütze" hierdurch zum Nachbarhaus geflohen war.

"In meiner Verantwortung als Gruppenführer liegt es, sicherzustellen, daß keiner meiner restlichen Leute starb ... und zu dem Zeitpunkt waren wir noch beim Angriff, also nein, ich glaube nicht", daß er den Angriff hätte abbrechen sollen, sagte er in dem Interview. "Wir durchkämmten das Haus ziemlich ähnlich, bereiteten die Zimmer mit Granaten vor, gingen hinein und eliminierten die Bedrohung und griffen die Ziele an."

Die in jenem Haus getöteten "bedrohlichen Ziele" waren ein Mann, 2 Frauen und 4 Kinder im Alter zwischen 2 und 14 Jahren.

"Wir klärten diese Häuser so, wie sie geklärt werden müssen", so Wuterich.

"Es gibt nichts, das ich möglicherweise sagen könnte, um den Tod dieser Frauen und Kinder wiedergutzumachen und ich bedaure, daß es an jenem Tag passiert ist", sagte er, bestand aber andererseits weiterhin darauf, daß er wieder so handeln würde.

"Was ich an jenem Tag tat, die Entscheidung, die ich fällte, ich würde diese Entscheidungen heute wieder treffen", sagte er. "Dies sind Entscheidungen, die ich in einer Gefechtssituation traf und ich glaube, daß ich diese Entscheidungen treffen mußte."

Entscheidungen, die zum Tod von 24 Zivilisten - und keinem einzigen irakischen Widerstandskämpfer - führten.

Noch weitaus bemerkenswerter als Wuterichs Aussagen - schon damals war sicherlich auch für ihn absehbar, daß ein Verfahren gegen ihn eröffnet werden würde - sind allerdings die im Forum der Website military.com zu der entsprechenden Meldung offenbarten Ansichten der überwältigenden Mehrheit der dort Kommentare schreibenden Personen. Diese lassen - mit wenigen Ausnahmen - keinen Zweifel daran, daß das US-Militär nicht nur hinter Wuterichs Vorgehen, sondern auch seinen Aussagen steht. Dies geht so weit, daß Forumsteilnehmer fordern, Wuterich nicht nur freizusprechen, sondern ihm außerdem einen Orden zu verleihen.

Einmal mehr läßt die Reaktion der Forumsteilnehmer erahnen, wie sich US-Soldaten im Irak üblicherweise verhalten und für wie bindend sie die Genfer Konventionen halten.



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