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"Da verlor ich das Bewußtsein"

Israel foltert weiter

07.05.2007  






Eine am Sonntag veröffentlichte Studie der beiden israelischen Menschenrechtsorganisationen B'Tselem und HaMoked belegt, daß die israelischen Sicherheitsbehörden entgegen einem Urteil des Obersten Gerichtshofs Israels weiterhin gewohnheitsmäßig palästinensische Gefangene foltert.

Im Jahr 1999 hatte der Oberste Gerichtshof Israels in einem Urteil entschieden, daß die israelischen Sicherheitsbehörden nicht das Recht haben, Gefangene zu foltern, um so an "Informationen" - der Wert derart erlangter "Informationen" dürfte spätestens seit den "Geständnissen" von "Hexen" während der spanischen Inquisition nicht mehr zur Diskussion stehen - zu gelangen. Für die Studie wurden insgesamt 102 ehemalige palästinensische Gefangene der israelischen Behörden befragt. Neun von ihnen verweigerten die Antwort und 20 weitere wurden nachträglich aufgrund der Verletzung nicht näher genannter Kriterien von der Studie ausgeschlossen, so daß letztlich die Erfahrungen von 73 Palästinensern die Grundlage für die Studie bilden. Hierbei wird zwischen "normalen Gefangenen" und "besonderen Gefangenen", die aufgrund einer gezielten Operation verhaftet und danach innerhalb von 48 Stunden verhört wurden, unterschieden.

Die überwiegende Mehrheit dieser 73 ehemaligen Gefangenen berichtete von zahlreichen Verletzungen ihrer Menschenrechte während ihrer Gefangenschaft. Hierzu zählten die Verweigerung von Treffen mit Angehörigen, Anwälten oder Angehörigen des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, die Einzelhaft in Zellen, die mehr Ähnlichkeit mit mittelalterlichen Kerkern haben, gezielter Schlafentzug und Erniedrigungen, beispielsweise durch Beschimpfungen, Bespucken und Leibesvisitationen. Die Befragten berichteten auch, daß ihnen anscheinend verdorbenes, zumindest "unidentifizierbares" Essen vorgesetzt wurde, so daß sie es häufig vorzogen, nichts zu essen.

Weiterhin wurden nicht nur die Gefangenen selbst bedroht, ihnen wurde auch gedroht, daß Familienmitglieder, insbesondere weibliche, nicht nur verhaftet, sondern anschließend auch sexuell mißbraucht werden würden.

17 der 73 Teilnehmer der Studie berichteten, daß sie während ihrer Gefangenschaft geschlagen wurden, 15, daß sie länger als 24 Stunden daran gehindert wurden, zu schlafen. Es gehörte offenbar nicht nur in diesen Fällen zum üblichen Vorgehen, daß Wachen in der Nacht mehrfach gegen die stählernen Zellentüren schlugen. 5 der Gefangenen berichteten, daß ihnen Handschellen derart eng angelegt wurden, daß dies Schmerzen verursachte und teilweise sogar die Blutzufuhr behinderte. 3 der Befragten berichteten, daß sie gezwungen wurden, sich auf den Zehenspitzen hinzuhocken, um schließlich durch Tritte oder Schläge umgestoßen zu werden. 5 der ehemaligen Gefangenen - immerhin sieben Prozent - schließlich sagten aus, daß sie in der "Bananen-Stellung" gefesselt wurden. Dabei wurden sie rücklings auf einen Stuhl oder eine Bank gelegt und ihre Hand- und Fußfesseln so miteinander verbunden, daß ihr Rücken massiv überstreckt wird.

"Einmal nahmen sie eine Kette und benutzten sie, um die Handschellen und Fußfesseln zu verbinden. Die Art, wie dadurch mein Körper gedehnt wurde, war unglaublich schmerzhaft. Dann hoben die Vernehmungsbeamten die Bank an beiden Enden an und ließen sie plötzlich fallen. Da verlor ich das Bewußtsein. Als ich wieder aufwachte war mein Gesicht naß, vermutlich, weil die Vernehmungsbeamten mich mit Wasser überschüttet hatten. Ich hatte unvorstellbare Schmerzen in der Leistengegend und im Unterbauch. Die Gegend war auch geschwollen. Dann brachten sie mich in die Klinik", erinnerte sich einer der palästinensischen Gefangenen.

Die Studie betont ausdrücklich die Glaubwürdigkeit dieser Aussahen aufgrund der Ähnlichkeit der Berichte und der Schlüssigkeit der einzelnen Berichte. Eine derart systematische Folterung von Gefangenen - der Anteil der Gefolterten straft jeden Entschuldigungsversuch durch "Einzelfälle" oder "verbrecherische Beamte" Lügen - stellt einmal mehr die so häufig aufgestellte Behauptung, bei Israel handele es sich um eine "westliche" Demokratie infrage - zumindest, solange man hier nicht die USA als Vorbild betrachten will.

Es ist unübersehbar, daß die Gefangenen mit allen Mitteln "gebrochen"werden sollen. Während die hierbei eingesetzten Methoden ebenso international wie auch durch israelische Gesetze verboten sind, führt dies aber keineswegs zu dem zu erwartenden internationalen Aufschrei. Auch hier zeigt sich eine bemerkenswerte Zurückhaltung gegenüber von israelischer Seite begangener Verbrechen.




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