www.freace.de
Impressum

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Britische Biowaffenforschung

Forschungslabor Porton Down soll massiv ausgebaut werden

19.07.2007  






Einer kurzen Meldung der britischen Times vom Montag zufolge ist ein Bauantrag für den Bau einer hochmodernen Forschungseinrichtung für biologische Kampfstoffe auf dem Gelände der Forschungseinrichtung Porton Down des britischen Militärs gestellt worden.

Dort sollen "Speziallaboratorien" um "die Gefahr biologischer Kriegsführung zu bekämpfen und Impfstoffe für biologische Bedrohungen und tödliche Krankheiten zu entwickeln", so die Meldung. Einige der hochrangigsten Forscher Großbritanniens sollen für die Einrichtung gewonnen werden. Wenn dem Bauantrag stattgegeben wird - woran kaum ein Zweifel bestehen dürfte - soll die Forschung in zwei Jahren beginnen.

"Es wird helfen, die terroristische Bedrohung zu bekämpfen und außerdem jeden Ausbruch tödlicher Krankheiten", so ein Sprecher.

Tatsächlich dürfte die "terroristische Bedrohung" allerdings kaum mehr als ein Deckmantel für andere Interessen an der Erweiterung der Forschungskapazitäten auf dem Bereich der biologischen Kriegsführung sein. So sagte selbst der damalige deutsche Bundesinnenminister Otto Schily - der sicherlich nicht wegen der Verharmlosung der "terroristischen Bedrohung" in Erinnerung ist - im Jahr 2003 gegenüber der Zeit: "Bei Pocken sehen wir keine Gefahr. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass aus russischen Labors Pockenviren abhanden gekommen sind. Aber wir haben keinerlei Kenntnisse, dass etwa die Al-Qaida-Netzwerke irgendetwas mit Pocken zu tun haben." Trotzdem waren damals für 100 Millionen Euro neue Impfstoffe gegen Pocken bevorratet worden, was mit keiner anderen, möglicherweise als biologische Waffe einsetzbaren Krankheit geschehen ist. Die einzige in den vergangenen Jahren tatsächlich terroristisch eingesetzte Krankheit ist Milzbrand ("Anthrax"). Und obgleich es sich bei den im Jahr 2001 in Briefen verschickten Milzbranderregern sogar um ausdrücklich "waffenfähige" Sporen handelte, wurden nur wenige Menschen getötet. Betrachtet man die schwerwiegenden technischen Probleme - "Biowaffen" können keineswegs "in der Waschküche" hergestellt wrden, wie dies so gern behauptet wird - bei der Herstellung, Lagerung und Anwendung biologischer Kampfstoffe, so kann dies sicherlich kaum verwundern.

Darüber hinaus ist auch in den USA bereits ein Impfstoff gegen Milzbrand entwickelt worden - auch wenn dieser nicht unerhebliche Nebenwirkungen haben soll.

Letztlich scheint es also, daß nach dem Wegfall der Argumentationsschiene des "Kalten Krieges" nun auch in Großbritannien mithilfe der "terroristischen Bedrohung" erneut "vorbeugend" an neuen biologischen Kampfstoffen geforscht werden soll. Schon früher wurde die Entwicklung neuer biologischer Waffen damit begründet, daß diese auch vom "Gegner" entwickelt werden könnten und nur so die Möglichkeit bestehe, Gegenmittel oder Impfstoffe zu entwickeln. Dies kann allerdings kaum als etwas anderes denn einen Vorwand zur Entwicklung neuer Biowaffen bezeichnet werden, ist die Zahl möglicher "Neuentwicklungen" doch praktisch unbegrenzt groß, was die Entwicklung eines Gegenmittels für von "der anderen Seite" entwickelte biologische Waffen ohne deren Kenntnis praktisch unmöglich macht. Andererseits ist die Entwicklung von Impfstoffen und Heilmitteln für selbstentwickelte biologische Waffen aber keineswegs sinnlos, können diese doch praktisch nur so auch wirklich eingesetzt werden, da andernfalls die eigenen Truppen massiv gefährdet würden.

In Porton Down sind jahrzehntelang höchst gefährliche Experimente mit biologischen Kampfstoffen an "Freiwilligen" durchgeführt worden, wobei mindestens einer dieser Freiwilligen, der damals 20 Jahre alte Ronald Maddison, zu Tode kam. Maddison hatte sich in dem Glauben für Experimente zur Verfügung gestellt, bei der Suche nach einem Heilmittel für Erkältungen zu suchen. Tatsächlich tropften ihm die Forscher den chemischen Kampfstoff Sarin auf die bloße Haut. Erst im vergangenen Jahr erhielt seine Familie eine Entschädigung in Höhe von 100.000 britischen Pfund (etwa 150.000 Euro). Die Zahl jener, die später an durch diese Experimente ausgelöste Krankheiten starb, ist völlig unbekannt. Rund 350 ehemalige britische Soldaten strengten im vergangenen September eine Sammelklage gegen das britische Verteidigungsministerium wegen bei den Experimenten erlittenen Gesundheitsschäden an.

Daß das britische Verteidigungsministerium nun diese Forschungseinrichtung massiv ausbauen will, kann nur als äußerst düsteres Vorzeichen gewertet werden.





Werbung:


Zurück zur Startseite





Impressum

contact: E-Mail

PAGERANK SEO