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Spiel auf Zeit

Rußland verzögert iranischen Reaktor weiter

04.09.2007  






Einer Meldung der iranischen Nachrichtenagentur Fars News vom Samstag zufolge wird sich die Fertigstellung des iranischen Atomreaktors in Bushehr offenbar noch drastischer als bisher bereits bekannt verzögern. Grund hierfür sind einmal mehr Verspätungen des russischen Unternehmens Atomstroyexport, das mit dem Bau des Reaktors beauftragt ist.

Wie schon im März werden die Verzögerungen von russischer Seite erneut damit begründet, daß der Iran seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkomme. Dies wird von iranischer Seite massiv bestritten, vielmehr habe man über die Zahlungsverpflichtungen hinausgehend sogar schon Vorschußzahlungen geleistet.

Russische Beamte haben sich bereits dahingehend geäußert, daß sie eine Fertigstellung des Reaktors - und damit die Lieferung des Kernbrennstoffs - erst Ende des kommenden Jahres erwarten. Der Vertrag für den Bau der Anlage sieht hingegen die Fertigstellung noch in diesem Monat vor. Der Kernbrennstoff selbst wird üblicherweise sechs Monate vor Fertigstellung geliefert, was sicherlich schon ausreichend belegt, daß tatsächlich eine vollständige Fertigstellung des Reaktors vor Ende des kommenden Jahres kaum zu erwarten ist.

Auf den ersten Blick stellt sich hier zweifellos die Frage, welcher Seite Glauben zu schenken ist. Tatsächlich hat der Iran aber nicht nur ein massives Interesse an der Fertigstellung des Atomreaktors, gerade auch aufgrund der in den vergangenen Jahren - insbesondere auch infolge des völkerrechtswidrigen Angriffs der USA auf den Irak - exorbitant gestiegenen Ölpreises hat er auch die finanziellen Mittel, dies zu bezahlen.

Im derzeitigen Bauzustand ist der Reaktor ein problemloses Ziel für ein Bombardement. Wäre er bereits mit Uranbrennstäben ausgerüstet, würden diese bei einem Angriff höchstwahrscheinlich beschädigt oder zerstört und so eine große Menge stark radioaktiver Staubpartikel in die Atmosphäre gelangen. Je nach zum Zeitpunkt des Angriffs herrschender Windrichtung würden diese dann Israel, Rußland oder auch US-Verbündete wie Saudi-Arabien, Pakistan oder Kuwait erreichen. Sollte der Reaktor zum Zeitpunkt des Angriffs bereits aktiv sein, so wären die Folgen aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem GAU von Tchernobyl zu vergleichen.

Ein Blick auf die Landkarte verdeutlicht die geographische Nähe Rußlands zum Iran. Beide Lände sind Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres. Tatsächlich dürfte ein Angriff auf den Iran sogar im Interesse Rußlands liegen, würde dies doch die Öl- und Gaspreise weiter in die Höhe schnellen lassen.

Ähnliche Überlegungen scheinen auch die iranische Führung zu umtreiben, denkt man dort doch nach Aussage von Ali Aqbar Javanfeqr, Sprecher des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadi.-Nejad, bereits darüber nach, den Reaktor von einem anderen Auftragnehmer fertigstellen zu lassen - auch wenn dies angesichts der fortgeschrittenen Bauphase kaum einfach werden dürfte.

Während die US-Regierung unaufhaltsam auf einen Angriff auf den Iran zusteuert - die Parallelen zu den Vorbereitungen des Angriffs auf den Irak sind unübersehbar - hätte Rußland letztlich nur zwei Möglichkeiten, dies vielleicht zu verhindern. Einerseits die möglichst umgehende Fertigstellung und Inbetriebnahme des Reaktors in Bushehr, andererseits eine direkte Drohung mit Gegenschlägen seitens Rußlands für den Fall eines solchen Angriffs. Gerade der Fall des Angriffs auf den Irak hat gezeigt, daß sich die USA keineswegs von einer Ablehnung durch den UN-Sicherheitsrat von ihren Kriegsplänen abbringen lassen. Beide Möglichkeiten beinhalten aber derart massive Risiken für Rußland, bieten aber - abseits von Überlegungen moralischer Grundwerte - kaum die Chance auf einen Gewinn für Rußland, daß die erneuten Verzögerungen nur allzu konsequent erscheinen.

Dieses russische Spiel auf Zeit andererseits garantiert sogar zusätzliche Gewinne, dehnt es doch die Zeit, in der der Iran versucht, sich durch Waffenkäufe vor einem US-Angriff zu schützen, deutlich aus.





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