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Aus allen Rohren

Propagandafeldzug gegen den längst besiegten Feind DDR

01.10.2007  






Die Liste von Fällen, in denen die DDR in letzter Zeit in äußerst kritisch Licht dargestellt wird, wird immer länger. Von vorgeblich neu aufgetauchten Dokumenten, die ebenso vorgeblich den "Schießbefehl" belegten über die vorgebliche Unterstützung der RAF durch die Staatssicherheit ("Stasi") bis hin zu dem am Sonntag und Montag von der ARD ausgestrahlten zweiteiligen Spielfilm "Die Frau vom Checkpoint Charlie" - mit immer neuen Mitteln wird versucht, die DDR in einem möglichst negativen Licht erscheinen zu lassen.

Vor Beginn dieses Artikels eine Warnung an jene, die sich "Die Frau vom Checkpoint Charlie" ansehen wollen, ohne bereits Kenntnis von entscheidenden Handlungsteilen zu haben: in diesem Text werden sich zwangsläufig einige Spoiler finden.

Es wäre sicherlich nicht besonders erwähnenswert, wenn ein weiterer Spielfilm historische oder andere Fakten ignoriert, damit "die Geschichte funktioniert". Bei dieser Koproduktion von UFA, MDR, ARD Degeto, BR, RBB und arte hingegen wird öffentlich immer wieder betont, in "Die Frau vom Checkpoint Charlie" werde "die Geschichte der Jutta Gallus erzählt."

Tatsächlich allerdings weicht die Handlung in zahlreichen entscheidenden Punkten von der Geschichte der wahren Jutta Gallus ab. Gallus hatte 1982 mit ihren beiden Töchtern Claudia und Beate versucht, aus der DDR zu fliehen, wurde dabei allerdings verhaftet und anschließend inhaftiert. Die Bundesrepublik Deutschland kaufte sie rund zwei Jahre später wie damals üblich frei und sie kam in die BRD - allerdings ohne ihre Töchter. Um auch deren Ausreise aus der DDR zu erreichen, protestierte sie 1984 wochenlang mit einem Schild vor dem Checkpoint Charlie in Berlin, sprach mit dem Papst, kette sich vor der KSZE-Konferenz in Helsinki an. 1988 schließlich durften ihre beiden Kinder aufgrund von von ihnen gestellten Ausreiseanträgen die DDR verlassen.

Schon die in dem Film genannte Motivation Gallus' zur "Republikflucht" entspricht nicht im entferntesten der Wahrheit. In dem Film will Gallus - beziehungsweise "Sara Bender", wie die von Veronica Ferres gespielte Rolle dort heißt - aus der DDR fliehen, weil man ihr die Ausreisegenehmigung in die BRD zu ihrem bei einem Autounfall verletzten Vater verweigert. Dieser war demnach gerade auf dem Weg zu ihrer Hochzeitsfeier mit ihrem langjährigen Freund "Peter Koch". Als ihr Vater im Krankenhaus stirbt, entschließt Bender sich, einen Ausreiseantrag zu stellen, der erwartungsgemäß abgelehnt wird, so daß sie sich zur Flucht entschließt, an der sich "Peter" nicht beteiligen will.

Gallus war zu jenem Zeitpunkt gerade vom Vater der beiden Kinder geschieden. Als ihr neuer Lebensgefährte sich entschloß, in die BRD zu fliehen, entschied sie sich, ihm zu folgen. Die Flucht scheiterte auch nicht, weil ein Verwandter die Fluchtpläne verriet, sondern weil ihr in dem rumänischen Grenzort Severin - die Flucht sollte über Jugoslawien erfolgen - ihre Handtasche mit allen Papieren gestohlen wurde. Es gelang ihr zwar, sich in der westdeutschen Botschaft Ausweispapiere zu erschleichen, das Auswärtige Amt in Bukarest, das ihr daraufhin Ausreise-Visa ausstellen sollte, wurde aber mißtrauisch und sie wurde verhaftet.

Auch die Unterbringung ihrer Töchter bei einer Pflegefamilie nach ihrer Inhaftierung entspricht nicht den Tatsachen. Vielmehr wurden Claudia und Beate kurzfristig in einem Heim untergebracht, lebten dann aber bei ihrem Vater, dem das Sorgerecht für die Kinder übertragen wurde.

Ein weiteres Kapitel in dieser "Geschichte der Jutta Gallus" schlägt die vorangegangenen aber mit Leichtigkeit. Um "für ihre Rechte zu demonstrieren" reist Sara Bender - ob dieser Rollenname eine Anspielung auf die verbogenen Fakten sein soll, wird ein Geheimnis der Drehbuchautorin bleiben - nach Helsinki zur KSZE-Konferenz. Dort soll sie dann von eben jenem Peter, den sie Jahre zuvor heiraten wollte - er ist in Wahrheit Mitarbeiter der Stasi und damit offenbar auch der Verräter der Fluchtpläne - in eine Falle gelockt und getötet werden. Unnötig zu erwähnen, daß nichts dergleichen in Wahrheit geschehen ist. Zu jenem Zeitpunkt - Jutta Gallus hatte aufgrund ihrer diversen Protestaktionen schon einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit erlangt - wäre ihre Ermordung ohnehin alles andere als eine gute Idee gewesen, wäre doch umgehend klar gewesen, in welcher Richtung die Täter zu suchen gewesen wären.

Und auch das Wiedersehen mit den beiden Kindern fand nicht medienwirksam am Checkpoint Charlie statt, sondern in einer Anwaltskanzlei. Erwähnenswert ist sicherlich auch noch, daß die beiden Mädchen bekannte Darsteller in der Fernsehserie "Geschichten übern Gartenzaun" und der Fortsetzung "Neues übern Gartenzaun" waren. Die Ausreiseanträge der beiden Mädchen, aufgrund derer ihnen 1988 die Ausreise gestattet wurde, hätte nach Recht der DDR von ihnen gar nicht gestellt werden dürfen, da sie zu jenem Zeitpunkt noch minderjährig waren.

Man mag nun einwenden, daß dies eine Folge des von Jutta Gallus aufgebauten Drucks und der Tatsache, daß die Staatsführung der DDR zu jenem Zeitpunkt bereits ganz andere Probleme hatte, war, das in dem Film von der DDR gezeichnete Bild läßt allerdings keinerlei Zweifel daran aufkommen, daß es sich bei der DDR einzig und allein um ein brutale und verbrecherische Diktatur handelte. Die Häufung, mit der derzeit solche Vorwürfe gegen diesen längst besiegten "Feind" auf allen möglichen Ebenen vorgebracht werden, ist sicherlich bemerkenswert. Der Gedanke, daß dies kaum zufällig zu einem Zeitpunkt geschieht, da der deutsche Sozialstaat diesen Namen zunehmend nicht mehr verdient und Menschen auf den Gedanken kommen könnten, sich eingehender mit den Grundideen des Sozialismus' zu befassen, ist zweifellos naheliegend.





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