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Lieber Gerhard!

Ein ganz persönlicher, öffentlicher Brief zur Landtagswahl in Niedersachsen mit Anlage an Gerhard Schröder

26.01.2008  


Hans-Joachim Selenz




Du bist gerade mal wieder dabei, Dich in den aktuellen Wahlkämpfen zu Wort zu melden. Erinnerst Du Dich? Es war vor ziemlich genau 10 Jahren. Der 9. Januar 1998. Ebenfalls Wahlkampf in Niedersachsen. Gemeinsam mit Alfred (Tacke) fuhren wir nach Düsseldorf zur WestLB. Dort war ein Treffen mit Friedel Neuber angesetzt. Kurzfristigst! Der "Pate", wie der WestLB-Chef auch genannt wurde, war zugleich Aufsichtsratsvorsitzender von Babcock und Preussag. Und dort, bei der Preussag in Hannover, brannte es lichterloh. Am Vortag, dem 8. Januar 98, hatte der Preussag-Vorstand gegen meine Stimme als Chef des Stahlunternehmens "Deine" Stahlwerke verkauft (VS-Protokoll 11 13). Noch dazu ins Ausland. An die Voest Alpine nach Österreich.

Du hattest den Stahlwerkern in Salzgitter allerdings noch am 24. November 1997 in die Hand versprochen, Entscheidungen über die Werke in Peine, Salzgitter und Ilsenburg gäbe es nur in Abstimmung mit der Landesregierung, also mit Dir. Du hattest sogar in Richtung Düsseldorf gedroht. "Wer den Wind in dieser Region sät, wird den Sturm des Widerstandes aus der Region ernten." Die Stahlwerker waren begeistert. Deine Sprüche klangen immer gut. Selbst wenn sie hohl waren. Du bist ein begnadeter Schauspieler. Doch nun waren Deine Stahlwerke weg. Basta! Hinter der Intrige steckte NRW-Kollege Rau. Der wollte Dir im Landtagswahlkampf in Niedersachsen vorsätzlich schaden. Bei SPD-Häuptlingen seit jeher ein beliebtes Spiel. Kollege Rau favorisierte einen anderen. Er wollte Oskar Lafontaine als SPD-Kanzlerkandidaten. Der hatte Rau angeblich versprochen, seine Kandidatur zum Bundespräsidenten zu unterstützen. Das wiederum konntest Du Dir - zumindest damals - noch nicht vorstellen. Dazu kanntest Du Raus unsägliche Historie zu genau. Für die Durchführung der Intrige benutzte Rau seine Landesbank, die WestLB. Der gehörte die Preussag in Hannover. Die hatte gerade mal 2,5 Milliarden DM in der Bilanz verschoben. Davon allein 1,5 Milliarden DM im Anlagenbau bei der siechen Tochterfirma Noell.

Ohne das Stahlunternehmen, das war klar, hättest Du keinen Stich bekommen. Die Stahlarbeiter hätten Dir stattdessen "die Stahlbarren ins Fenster geschmissen", wie Bodo Hombach sagte. Die Stahlwerke mußten also wieder her. Und zwar ganz schnell. In Neubers Büro ging es dann tatsächlich überaus flott. Als Preussag-Vorstand hatte ich wegen der 2,5 Milliarden-Manipulationen am 7. Januar 1998 eine Sonderprüfung beantragt*. Durch einen zweiten unabhängigen Wirtschaftsprüfer mit bilanzrechtlicher Assistenz. Schriftlich. Mit diesem Brief an Kollegen Frenzel hast Du Neuber "überzeugt". Er verkaufte das Unternehmen nochmals. Diesmal an Niedersachsen und die NordLB. Alternativ wären wegen der Milliarden-Bilanzfälschungen die Staatsanwälte angerückt. Das konnte sich Neuber nicht leisten. Daher wurden die Stahlwerke in nicht einmal 24 Stunden zweimal verkauft. Einmal offiziell durch den Vorstand. Das zweite Mal quasi "sizilianisch". So etwas hat es bei einem Großunternehmen - weltweit - weder vorher noch nachher je gegeben.

Mit den Stahlwerken im Rücken hast Du die Wahl am 1. März dann locker gewonnen. Nach dem Börsengang Deiner Salzgitter AG im Juni wurdest Du als "ausgewiesener Wirtschaftsexperte" im Herbst 1998 gar Kanzler dieser Republik. Deine Feindschaft zu Lafontaine blieb. Selbst bei unserer Moskau-Reise vom 18. bis 19. Februar 1999 war er für Dich einfach nur Luft. Die kriminellen Betrugsvorgänge bei der WestLB hast Du indes schnell vergessen. Keine 4 Jahre später kollabierte Babcock. Dorthin hatten Neuber und meine Ex-Kollegen Frenzel und Feuerhake den Milliardenmüll im Anlagenbau der Preussag verschoben. Der Babcock-Konkurs brachte 5 Milliarden Euro Finanzschaden. Zehntausende Beschäftigte verloren ihren Job. Das alles hättest Du verhindern können, wenn Du mitgeholfen hättest, den Betrug vor Gericht zu bringen. Am 19. Oktober 98 hatte ich als Chef der Salzgitter AG die Landesregierung über die Betrugsvorgänge innerhalb der Preussag und über die Rau-Historie informiert. Schriftlich! Neuber und Rau sind nun tot. Jetzt will die Staatsanwaltschaft Düsseldorf meinen Ex-Kollegen Feuerhake vor Gericht stellen. Wegen schwerer Untreue. Immerhin. Angesichts der schweren Schuld, die Du durch Deine Untätigkeit auf Dich geladen hast, gebe ich Dir einen guten Rat. Mach nie wieder Sprüche zu Wirtschaft und Justiz oder gar zu Fragen jedweder Moral. Halt einfach den Mund und schäm Dich.

Beste Grüße Dein Hans-Joachim - anbei zu Deiner Erinnerung mein Schreiben vom 7. Januar 98*



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