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Der unmögliche Zufall

Bereits das vierte Unterseekabel beschädigt

04.02.2008  






Es gibt Ereignisse, die es wert sind, daß über sie berichtet wird, obgleich bisher kaum handfeste Informationen vorliegen was praktisch zwangsläufig zu Spekulationen führt. Ein solches Ereignis ist zweifellos die Tatsache, daß innerhalb nur weniger Tage gleich vier verschiedene Unterseekabel, die große Teile des Mittleren Ostens und Asiens mit Telephon- und Internetverbindungen versorgen, unterbrochen worden sind.

Es begann am Mittwoch der vergangenen Woche, als zwei Kabel, die im Mittelmeer vor Ägypten zu der italienischen Stadt Palermo verlaufen, unterbrochen wurden. Dies führte zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen bei der Telephon- und Internetkommunikation im Mittleren Osten und Westasien. Bei den Kabeln handelte es sich um das Europa-Asien-Kabel der britischen FLAG Telecom und das SEA-ME-WE 4 der Sri Lanka Telecom, zwei voneinander völlig unabhängiger Unternehmen.

Am Freitag dann gab FLAG Telecom bekannt, daß ein weiteres Kabel, das im Persischen Golf ein weiteres Kabel, das die Vereinigten Arabischen Emirate mit Oman verbindet, unterbrochen worden ist. Offenbar am gleichen Tag - auch wenn diese Information erst am Sonntag an die Öffentlichkeit gegeben wurde ist nach Angaben des in Qatar beheimateten Unternehmens Q-Tel ein viertes Kabel, das Qatar mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbindet, ausgefallen. Die Website ArabianBusiness.com berichtete unter Berufung auf "inoffizielle Informationen", dieser Ausfall stehe im Zusammenhang mit einer fehlerhaften Stromversorgung.

Hinsichtlich der ersten beiden Ausfälle hatten zahlreiche Medien berichtet, sie seien höchstwahrscheinlich von Schiffen verursacht worden, die aufgrund eines Sturms nicht den Hafen anlaufen konnten und deshalb vor der Küste im Mittelmeer vor Anker gegangen seien. Dies wurde am Sonntag allerdings seitens des ägyptischen Verkehrsministeriums in einer Erklärung vehement bestritten, wie die Khaleej Times berichtete. Man habe Aufnahmen von an der Küste installierten Videokameras ausgewertet und dies habe ergeben, daß zum Zeitpunkt des Ausfalls der beiden Kabel keinerlei Schiffe in dem fraglichen Gebiet gewesen seien. Ohnehin handele es sich dabei um Sperrgebiet.

Soweit die bisher bekannten Fakten.

Bei genauerer Betrachtung scheinen die auf zahlreichen Websites geäußerten Vermutungen, die Kabel seien von den USA oder Israel als Vorbereitung eines Angriffs auf den Iran durchtrennt worden, wenig wahrscheinlich auch wenn Israel zu den wenigen nicht von den Störungen betroffenen Ländern gehört. Einerseits ist gerade das Internet so konstruiert, daß es im Falle des Ausfalls einer Verbindung auch weiterhin funktioniert wenn auch mit Einschränkungen und andererseits hat eine Verbindung nach außen sicherlich nicht die höchste Priorität angesichts eines Angriffs eines anderen Landes. Informationen über den Angriff an Medienvertreter zu übergeben wäre auch mit langsamen Verbindungen oder auf Umwegen immer noch möglich, während ein solches Abschneiden von der Außenwelt die konkrete Verteidigungsfähigkeit praktisch gar nicht beeinflussen dürfte.

Denkbar wäre natürlich ebenso, daß die Verbindungen unterbrochen wurden, um so eine Verlagerung von Kommunikation auf Satellitenverbindungen zu erreichen, um diese dann abhören zu können. Auch dies erscheint allerdings weitaus komplizierter als die Installation der entsprechenden Technik an einem Verbindungspunkt der Kabel und auch ungleich auffälliger.

Auch eine gezielte Sabotage an FLAG Telecom-Kabeln und der Kappung von Kabeln anderer Unternehmen um dies zu verschleiern erscheint angesichts des notwendigen technischen Aufwands, um dies so unauffällig wie geschehen durchführen zu können, wenig glaubwürdig.

Bliebe am Ende noch die sicherlich kaum realistischere Variante, daß der Roman "Der Schwarm" des Autors Frank Schätzing doch geradezu prophetische Züge besitzt und es sich hierbei um die "erste Angriffswelle" auf die Nervenbahnen der Kommunikationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts handelt.

Was auch immer der wahre Grund für die Ausfälle von bisher vier auf dem Meeresboden verlaufenden Kommunikationskabeln ist, bloßer Zufall dürfte von allen Möglichkeiten die unwahrscheinlichste sein. So sagte den auch Vineet Kumar, ein Sprecher von Flag Telecom, daß es noch nie vorgekommen sei, daß zwei Kabel des Unternehmens in der Region zur gleichen Zeit ausgefallen seien. Die beiden Kabel der anderen Unternehmen erwähnte er dabei noch gar nicht.



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