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Norden, Süden, Westen, Osten

Deutsche Soldaten nach Afghanistan

07.02.2008  






Nachdem die seitens der USA geforderte Entsendung deutscher Soldaten in den Süden Afghanistans kürzlich geradezu empört abgelehnt worden ist, machte der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Jung am Mittwoch klar, wie diese "Ablehnung" in Wahrheit aussehen wird.

Hinsichtlich der Entsendung deutscher Soldaten nach Afghanistan wird seitens Politikern nie vergessen zu erwähnen, daß diese nur im Norden stationiert würden und nicht im "ümkämpften" Süden des Landes. Wie beispielsweise die Rheinische Post berichtete, faßte Jung die Aufgaben der nun zu entsendenden als auch der bereits in Afghanistan stationierten deutschen Soldaten mit "schützen, helfen, vermitteln und kämpfen" zusammen. Schon dies zeigt, daß die Soldaten auch jetzt schon keineswegs nur vor Ort sind, um Brunnen zu bohren, wie dies gern vermittelt wird.

Allein schon die Tatsache, daß die nun nach Afghanistan abzukommandierenden deutschen Soldaten dort die Rolle der bisher von norwegischen Soldaten gestellten "Quick Reaction Force" ("schnelle Eingreiftruppe") übernehmen werden, macht nur zu deutlich, daß es sich hier einzig und allein um einen Kampfverband handelt. Die QRF wird insbesondere eingesetzt, wenn andere Einheiten militärisch unter Druck geraten, kann aber auch aktiv gegen Widerstandskämpfer vorgehen.

Damit aber nicht genug, stellte Jung außerdem klar, daß die deutschen Soldaten der QRF auch "in anderen Landesteilen" eingesetzt werden können, wenn dies als erforderlich angesehen wird. "Wenn Freunde in Not sind, werden wir sie unterstützen", sagte er. Es dürfte wenig überraschend sein, sollte dieser Not- zum Regelfall werden, gleichgültig ob im Norden, Süden, Westen oder Osten. Erst vor einer Woche hatte die Washington Post berichtet, daß gleich zwei Lageeinschätzungen die Zukunft der Besatzer in Afghanistan düster darstellen.

"Täuschen Sie sich nicht, die NATO gewinnt in Afghanistan nicht", so der Bericht des Atlantic Council of the United States unter dem Vorsitz des pensionierten Generals James L. Jones, des Oberkommandierenden der NATO bis Sommer 2006. Auch an der zweiten Lageeinschätzung war Jones beteiligt. Diese wurde von der Afghanistan Study Group vorgelegt, zu deren Vorstand er gehört. In diesem Bericht heißt es, der "Fortschritt" in Afghanistan sei "ernsthaft bedroht von wieder anwachsender Gewalt, schwächer werdender internationaler Entschlossenheit, wachsenden regionalen Herausforderungen und einem zunehmenden Mangel an Vertrauen seitens der afghanischen Bevölkerung hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung ihres Landes." Beide Berichte kamen angesichts von Jones' Beteiligung sicherlich wenig überraschend zu dem Schluß, daß eine solche Entwicklung nur durch Maßnahmen der NATO also die Entsendung weiterer Truppen, die das Land noch weiter in Schutt und Asche legen verhindert werden könne.

Die Entsendung weiterer deutscher Soldaten nach Afghanistan unter dem Deckmantel einer Stationierung im "friedlichen Norden" kann nur als dreiste Lüge gegenüber der deutschen Bevölkerung und als mutwilliges Ignorieren der absoluten Mehrheit der Bevölkerung, die eben diese Entsendung ablehnt bezeichnet werden. Ohnehin kommt eine solche Diskussion allerdings schon Jahre zu spät. Auch die bereits in Afghanistan stationierten Soldaten sind schließlich auch an Kämpfen beteiligt von den im Süden des Landes eingesetzten deutschen Kampfflugzeugen des Typs "Tornado" und den deutschen Soldaten des "Kommando Spezialkräfte" (KSK), die insgeheim Seite an Seite mit US-Spezialeinheiten gekämpft haben und dies möglicherweise immer noch tun gar nicht zu reden.

Nun kann es kaum verwundern, daß die USA ein immer weiter wachsendes Interesse an der "Einbindung" einer möglichst großen Zahl von Soldaten aus möglichst vielen Staaten haben. Nichts ist schließlich so geeignet, eine zukünftige Kritik oder gar Verurteilung der USA wegen des Angriffskriegs gegen Afghanistan besser zu verhindern als eine möglichst breitgefächerte Beteiligung an eben diesem Krieg. Daß die deutsche Bundesregierung unter der Kanzlerin Angela Merkel nur allzu bereitwillig unterstützt, zeigt einmal mehr, wie weit sich Deutschland unter ihrer Führung den Bedürfnissen der USA unterordnet. Und genau aus diesem Grund ist kaum anzunehmen, daß dies die letzte deutsche "Verstärkung" für Afghanistan gewesen sein wird.



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