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Über dem Gesetz VI

Zahllose US-Soldatinnen werden von "Kameraden" vergewaltigt

06.04.2008  






Ein bereits am Montag von der Los Angeles Times veröffentlichter Artikel zeigt einmal mehr, wie weit US-Soldaten offenbar über dem Gesetz stehen. Demnach ist die Gefahr für US-Soldatinnen bei weitem größer, von "Kameraden" vergewaltigt zu werden, als bei Kampfhandlungen getötet zu werden - während die Gefahr für die Täter, eine empfindliche Strafe zu erhalten, äußerst niedrig ist.

Jane Lakes Harman, Mitglied des US-Repräsentantenhauses, berichtet darin von einem Besuch im West Los Angeles Gesundheitszentrum für Veteranen, der dazu führte, daß ihr "der Mund offenstand", nachdem sie mit anwesenden Veteraninnen und Ärzten gesprochen hatte. Ärzte hatten ihr berichtet, daß 41 Prozent der dort behandelten Veteraninnen innerhalb des US-Militärs Opfer sexueller Übergriffe geworden sind und 29 Prozent aussagten, während ihrer Dienstzeit vergewaltigt worden zu sein.

"Eine Rekrutin wird mit vorgehaltenem Messer niedergehalten und in ihrer eigenen Kaserne mehrfach vergewaltigt. Die Angreifer verdeckten ihre Gesichter, aber sie erkannte sie an ihren Uniformen, sie waren ihre Kameraden. Während einer gynäkologischen Routineuntersuchung wird eine Soldatin von ihrem Militärarzt angegriffen und vergewaltigt. Eine andere junge Soldatin, wird, während sie noch versucht, sich an ein Leben in einem Kriegsgebiet zu gewöhnen, von ihrem kommandierenden Offizier vergewaltigt. Aus Angst um ihr Ansehen innerhalb der Einheit hat sie das Gefühl, sie könne sich nirgendwo hinwenden. Dies sind wahre Geschichten und traurigerweise keine Einzelfälle. Frauen, die im US-Militär dienen, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit von einem Kameraden vergewaltigt, als daß sie durch Feindeinwirkung im Irak getötet werden", so Harman in dem Artikel.

Im Finanzjahr 2007 wurden einem kürzlich vorgelegten Bericht der Abteilung des US-Verteidigungsministeriums für die Verhinderung von und die Reaktion auf sexuelle Übergriffe insgesamt 1.357 Fälle gemeldet, in denen ein Mitglied des US-Militärs Opfer einer Vergewaltigung geworden ist. Dies schließt zwar auch männliche Angehörige des Militärs ein, andererseits dürfte die Dunkelziffer der Vergewaltigungen nicht zuletzt aufgrund des Korpsgeistes noch weitaus höher liegen. Im Finanzjahr 2006 betrug die Gesamtzahl der Frauen im aktiven Militärdienst der USA 201.575. Allein von der genannten Zahl ausgehend, wurden also fast 0,7 Prozent oder rechnerisch jede 149ste - von ihnen im Finanzjahr 2007 vergewaltigt. Im Jahr 2006 wurden einer FBI-Statistik zufolge insgesamt 92.455 Fälle von Vergewaltigung registriert. Damit wurden in jenem Jahr 0,03 Prozent der Gesamtbevölkerung Opfer einer Vergewaltigung. Dieses offensichtliche Mißverhältnis bleibt auch bestehen, wenn man die Gesamtzahl der US-Soldaten von etwa 1,4 Millionen zugrundelegt. Bei einer Vergewaltigungsquote wie in der Gesamtbevölkerung von 0,03 Prozent hätte die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen nur bei 420 statt der tatsächlich gemeldeten 1.357 liegen dürfen.

Harmans Erkenntnisse decken sich vollständig mit bereits in der Vergangenheit erschienenen Berichten. Im März des vergangenen Jahres berichtete das Magazin Salon über die allgegenwärtige Gefahr von US-Soldatinnen im Irak, von US-Soldaten vergewaltigt zu werden. Damals erzählte die 21 Jahre alte Stabsgefreite Mickiela Montoya, die 2005 im Irak war, daß sie dazu übergegangen war, ständig ein Messer bei sich zu haben. "Das Messer war nicht für die Iraker", sagte sie. "Es war für die Kerle auf meiner Seite."

"Es gibt nur drei Arten von Frau, die einen die Männer im Militär sein lassen: eine Zicke, eine Nutte oder eine Lesbe", so Montoya weiter. "Dieser Typ dort sagte mir, er glaube, das Militär schicke Frauen dorthin, um den Kerlen einen Augenschmaus zu liefern, um sie bei Verstand zu halten. Er sagte, in Vietnam hätten sie Prostituierte gehabt, um zu verhindern, daß sie durchdrehen, aber sie haben keine im Irak. Also haben sie stattdessen Soldatinnen."

Die 23-jährige Jennifer Spranger berichtete, daß es praktisch unmöglich sei, sexuelle Übergriffe innerhalb des US-Militärs zu melden. "Mein Gruppenführer bot mir bis zu 250 US-Dollar dafür, daß ich ihm einen runterholte. Er stellte am Anfang immer sicher, daß wir draußen allein waren und er hörte nicht auf, mich um Sex zu bedrängen. Wenn das jemand mit meiner Tochter täte, würde ich ihn töten wollen. Aber man paßt nicht hinein, wenn man darum eine Welle macht. Du verpfeifst jemanden, du bist im Arsch. Du wirst ein Einzelgänger sein, bis sie dich schließlich hinausdrängen." Das Klima innerhalb des Militärs sei hinsichtlich von Whistleblowern ist derart drastisch, daß sogar Spranger selbst und zahlreiche andere Frauen Frauen, die eine Vergewaltigung meldeten, als unfähige Verräter ansahen. Man müsse selbst damit klarkommen und die Klappe halten, dachten sie damals. Erst nach ihrer Rückkehr änderte sich diese Einstellung langsam und wandelte sich in Wut.

Bereits im Januar 2006 sagte US-Oberst Janis Karpinski aus, daß mehrere US-Soldatinnen im Irak an Austrocknung gestorben seien, weil sie es trotz der Hitze dort vorzogen, ab Nachmittag nichts mehr zu trinken, um so sicherzustellen, daß sie nicht in der Nacht die Latrine aufsuchen müßten. Diesen Vorwurf hatte sie schon zuvor im September 2004 in einem Interview erhoben. "Es gab keine Lampen in der Nähe ihrer Einrichtungen und so waren Frauen im Dunkel der Nacht doppelt leichte Ziele", sagte sie. Viele hätten es so geschafft, nicht vergewaltigt zu werden, einige seien allerdings an Austrocknung gestorben. All dies sei aber auf Befehl ihrer Vorgesetzten und in letzter Instanz des damaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld systematisch vertuscht worden, so Karpinski. So habe der ehemalige Oberkommandierende des US-Militärs im Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, Karpinski zufolge auf dem Standpunkt gestanden: "Die Frauen wollten hier sein, also sollen sie jetzt mit den Gegebenheiten vor Ort fertigwerden." Auf seinen Befehl hin sei auch der Begriff "Austrocknung" aus einem Totenschein einer Soldatin entfernt worden.

Dieses Verhalten von US-Soldaten gegenüber ihren vorgeblichen "Kameradinnen" und die Tatsache, daß sie nur in den seltensten Fällen ernstzunehmende Strafen zu befürchten haben nur in 103 der im Finanzjahr 2007 gemeldeten Fällen führte dies im gleichen Jahr zu einem Kriegsgerichtsverfahren - läßt zweifellos einmal mehr erahnen, wie sie sich gegenüber irakischen Frauen verhalten. Es ist aber ebenso zweifellos auch eine weitere Erklärung für den Haß großer Teile der irakischen Bevölkerung auf die Besatzer.



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