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11 Jahre für einen Mord

Haftstrafe eines US-Soldaten nachträglich reduziert

10.05.2008  






Einer beispielsweise von USA Today am Donnerstag veröffentlichten AP-Meldung zufolge ist die Haftstrafe eines US-Soldaten, der wegen der Ermordung eines irakischen Zivilisten zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, von seinem kommandierenden Offizier um 4 Jahre reduziert worden.

Wie hier bereits im Juni 2006 berichtet, waren US-Soldaten gegen 02:00 Uhr in der Nacht des 25. April 2006 zuerst in ein Nachbarhaus des Bruders des späteren Opfers Hashim Ibrahim Awad al-Zobaie in dem Ort al-Hamdania, wo er aufgrund seiner Behinderung "Hashim der Lahme" genannt wurde, eingedrungen. Dort hatten sie eine Schaufel und ein Strumgewehr des Typs AK-47 gefunden und mitgenommen. Anschließend drangen sie in das Haus des Bruders des 52 Jahre alten al-Zobaie ein, zerrten ihn auf die Straße, nahmen ihn fest und transportierten ihn ab. Kurze Zeit später hörte sein Bruder Schüsse außerhalb des Ortes.

In dem später von Unteroffizier Lawrence G. Hutchins, dem Leiter der acht Mann starken Einheit, unterzeichneten Bericht zum Tode al-Zobaies behauptete er, die Einheit habe "einen Mann gesehen, der am Straßenrand grub", woraufhin der Mann angegriffen und getötet worden sei. Bei ihm sei "eine Schaufel und ein AK-47" gefunden worden. Später kamen nach Angaben von al-Zobaies Familie US-Soldaten zu ihnen und boten ihnen Geld an, um jene "offizielle Version" zu bestätigen.

Am 3. August des vergangenen Jahres war Hutchins in einem Kriegsgerichtsverfahren schließlich des Mordes, der Verschwörung zum Mord, der Abgabe einer falschen offiziellen Erklärung und Diebstahls schuldig befunden und zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Ursprünglich war er auch des vorsätzlichen Mordes angeklagt gewesen, was bei einer entsprechenden Verurteilung zwangsläufig zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe geführt hätte, dieser Vorwurf wurde aber fallengelassen. Auch die anderen Mitglieder der Einheit waren ursprünglich wegen Mordes und Entführung angeklagt worden, fünf von ihnen erhielten im Rahmen eines Handels mit der Anklage im Tausch für ihre Aussagen aber Haftstrafen zwischen einem und acht Jahren. Die restlichen Mitglieder der Einheit wurden von den Vorwürfen freigesprochen und nur wegen geringerer Vergehen verurteilt. Sie kamen nach dem Ende des Verfahrens frei.

Selbst diese Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen "Mordes, der Verschwörung zum Mord, der Abgabe einer falschen offiziellen Erklärung und Diebstahls" erschien Hutchins' kommandierendem Offizier, Generalleutnant Samuel T. Helland nun aber offenbar zu hoch, nachdem er sich den Fall angesehen hatte. Daher reduzierte er die Haftstrafe auf 11 Jahre und degradierte Hutchins vom Unteroffizier zum Gefreiten wobei sicherlich bemerkenswert ist, daß dies nicht schon zuvor geschehen war.

Schon die Tatsache, daß al-Zobaie allein deshalb sterben mußte, weil Hutchins' Einheit einen "Erfolg" melden wollte, zeigt einmal mehr, wie wenig das Leben von Irakern in den Augen der US-Besatzer wert war und ist. Erneut bestätigt dies auch die Aussage des früheren US-Soldaten Jody Casey, der sagte, daß "man praktisch jeden töten konnte, den man wollte - es war so einfach. Man mußte nicht einmal losgehen und ein Loch graben oder irgendwas. Man mußte nur ein Bild schaffen. Man fährt morgens um drei die Straße entlang. Da ist ein Typ am Straßenrand, man erschießt ihn ... man wirft eine Schaufel hinterher."

Daß Hutchins' Gefängnisstrafe nun aber auch noch um über ein Viertel reduziert wurde, belegt unübersehbar, daß die Führung des US-Militär und damit ohne Zweifel auch die US-Regierung selbst dies keineswegs als "problematisch" oder gar verbrecherisch betrachtet. Handelte es sich hier nicht um die USA, hätte die stillschweigende Erklärung der Bevölkerung eines besetzten Landes praktisch zu Vogelfreien für die Besatzer zweifellos bereits zu unüberhörbaren Rufen nach der Einsetzung eines Kriegsverbrechertribunals geführt.



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