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Der Tod eines Journalisten
19.08.2003









Nachdem die näheren Umstände der Erschießung des Reuters-Kameramanns Mazen Dana bekannt geworden sind, scheinen nur noch zwei mögliche Erklärungen für den Vorfall zu existieren.

Wie beispielsweise der britische Independent berichtete, hatte sich der Panzer, von dem Dana erschossen wurde, bis auf 30 Meter genähert, bevor er das Feuer eröffnete und ihn mit 2 (ersten Berichten zufolge) bis 6 (Danas Fahrer zufolge) Schüssen tötete.

Nach US-Angaben handelte es sich um eine "Verwechslung": der Schütze soll geglaubt haben, daß Dana eine Panzerfaust abfeuern wollte.

Nicht nur, daß die Verwechslung eines Kameramannes mit einem Angreifer mit einer Panzerfaust auf diese Entfernung praktisch ausgeschlossen sein dürfte, die Soldaten wußten auch, daß sich Journalisten dort aufhielten, weil sie zuvor eine Drehgenehmigung erhalten hatten. Auch war Dana nicht der einzige Journalist, der sich dort aufhielt. Eine ganze Reihe von Reportern war gekommen, um über den Angriff auf das Gefängnis Abu Ghurayb, bei dem mindestens 6 Menschen getötet und 60 verletzt worden waren, zu berichten.

Wie ist dieser Vorfall nun zu erklären? Entweder, die US-Soldaten sind noch nervöser und schießwütiger, als dies bisher schon angenommen wurde, oder es handelte sich um eine gezielte Handlung.

Sollte es sich nicht um eine vorsätzliche Ermordung gehandelt haben, wäre der Vorfall sicherlich ein weiteres Indiz, daß weiterhin eine große Zahl irakischer Zivilisten irrtümlich von US-Soldaten getötet wird, da die Umstände in diesem Fall wesentlich eindeutiger gegen eine Bedrohung durch Dana sprachen, als dies bei der Mehrzahl der Begegnungen irakischer Zivilisten mit US-Soldaten der Fall sein dürfte.

Eine gezielte Tötung hingegen scheint unwahrscheinlich. Angesichts der voraussehbaren Reaktion der Medien müßte hierfür ein triftiger Grund vorgelegen haben. Nun wäre es sicherlich denkbar, daß beispielsweise der Angriff mit Mörsern auf das Gefängnis gar nicht stattgefunden hat sondern sich stattdessen eine Revolte der Gefangenen ereignet hat, was verschwiegen werden soll. Ein Angriff irakischer Widerstandskämpfer scheint zumindest unwahrscheinlich, da die eingetretenen Folgen - eine große Zahl getöteter und verletzter Gefangener - absehbar war.

Allerdings ließen sich hierfür kaum Belege durch Außenaufnahmen des Gefängnisses finden und Dana war auch nicht der einzige Journalist vor Ort, so daß bei dieser Zielsetzung weitere Journalisten hätten getötet werden müssen.

Auf der anderen Seite hat der Tod des Vaters von vier Kindern dazu geführt, daß die Berichterstattung über den Angriff auf das Gefängnis praktisch eingestellt wurde, ohne daß nähere Informationen bekannt wurden.




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