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Menschen zweiter Klasse
26.08.2003









Ein Newsweek-Artikel vom vergangenen Freitag ist ein weiteres Beispiel für die immer stärker werdende "America first"-Stimmung in den USA.

Der Autor Christopher Dickey zeigt sich zwar besorgt über Berichte, die durchblicken lassen, daß Menschen, die sich in US-Gefangenschaft befinden und als Terroristen oder "feindliche Kämpfer" betrachtet werden gefoltert werden, um an Informationen zu gelangen, aber nur so lange, wie es sich dabei um US-Bürger handelt.

Er geht ausgiebig auf den Fall des US-Bürgers José Padilla ein, der vor fast eineinhalb Jahren verhaftet und als "feindlicher Kämpfer" bezeichnet wurde, weil er verdächtigt wurde, einen Anschlag mit einer "schmutzigen Bombe" zu planen, allerdings ohne daß hierfür wirklich stichhaltige Beweise vorlägen.

Seit seiner Verhaftung wurde er - wie alle anderen "feindlichen Kämpfer" auch - weder angeklagt noch wurden ihm die anderen Rechte, die einem Angeklagten zustehen, gewährt. Der Autor bezeichnet es als "gruselig", daß Padilla nicht vor ein Gericht gestellt wird, weil er möglicherweise über die "Quellen und Methoden" seiner Befragungen sprechen könnte, ihm also niemals die Gelegenheit gegeben werden kann, darüber zu sprechen.

Noch "gruseliger" ist allerdings, daß Dickey anscheinend wesentlich weniger Probleme mit dieser Art der Behandlung von Kriegsgefangenen - auch wenn die USA sich standhaft weigern, ihnen diesen Status zuzuerkennen - hat, wenn es keine Bürger der Vereinigten Staaten sind und daß Newsweek bereit ist, dies zu veröffentlichen.

Nicht nur, daß Dickey Foltermethoden wie "die Macht, jegliche Körperfunktion, einschließlich des Schlafs zu gestatten oder zu verweigern" offenbar nicht einmal als "derb" ansieht - die "derben Methoden" werden schließlich erst angewendet, wenn der Gefangene trotz dieser Folter nicht bereit ist zu reden - er schwärmt auch von der "Magie", die die amerikanischen Vernehmungsbeamten bei "einigen der sehr bösen Täter von Al Qaida" geleistet hätten, was ein Grund dafür sei, daß "die Vereinigten Staaten heute ein bißchen sicherer als vor zwei Jahren sind."

Zwar spricht der Artikel einige Fakten an, die belegen, daß die USA außerhalb des eigenen Hoheitsgebietes Gefangene foltern und foltern lassen, die dahinterstehende Aussage, daß dies im "Kampf gegen den Terror" eine annehmbare Maßnahme ist, ist allerdings erschreckend.

Selbst die Tatsache, daß Menschen möglicherweise weitergefoltert werden, weil sie zwar die Wahrheit sagen, die Folterer diese aber nicht glauben oder andere Ergebnisse brauchen, ist nicht das, was Dickey "als einen freiheitsliebenden Amerikaner" am meisten beunruhigt, sondern nur die Tatsache, daß es sich auch gegen Amerikaner richten könnte.

Derartige Abstufungen im "Wert" eines Menschen lassen sehr unangenehme Erinnerungen wach werden.




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