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Tote an Grenzen
14.08.2003









Die private Initiative "Arbeitsgemeinschaft 13. August" hat zum Jahrestag des Baus der Berliner Mauer eine neue Statistik zur Zahl der Toten an der innerdeutschen Grenze veröffentlicht.

Der Arbeitsgemeinschaft zufolge sind 1.008 Menschen in der Zeit zwischen 1946 und 1989 im Zusammenhang mit der Grenze ums Leben gekommen sind, hierzu zählen auch Unfälle und Selbstmorde. Auch wurden Todesfälle mitgezählt, wenn die Flucht über ein anderes Land wie beispielsweise Bulgarien erfolgen sollte. Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft sind 270 Menschen durch Gewalteinwirkung an der "Mauer" getötet worden.

Angesichts der bedrückenden Zahl von 1.008 Menschen, die ums Leben gekommen sind, wird leider eine andere, noch wesentlich bedrückendere, aber auch unbequemere Zahl vergessen.

Die Organisation UNITED hat Anfang des Jahres eine Studie (Adobe Acrobat-Datei) veröffentlicht, die 3.777 Menschen dokumentiert, die im Zeitraum zwischen 1993 und 2003 an den europäischen Grenzen gestorben sind.

Während die von der Arbeitsgemeinschaft genannte Zahl als relativ zuverlässig angesehen werden kann, dürfte die Zahl der Menschen, die an europäischen Grenzen ums Leben gekommen sind, allerdings noch wesentlich höher liegen, da die UNITED-Liste nur aus Presseberichten erstellt worden ist.

Selbst im direkten Vergleich zeigt sich aber schon, wie tödlich die europäischen Grenzen auch ohne Selbstschußanlagen sind. Während durch die Grenze zur DDR jährlich im Durchschnitt 24 Menschen ums Leben gekommen sind, sind es an der europäischen Grenze - ausgehend von der zu niedrigen Zahl von 3.777 Menschen - 378 jedes Jahr, also mehr als einer pro Tag.

Diese Menschen sind zwar nicht gestorben, weil sie aus einem Land fliehen wollten sondern in ein Land, der Grad der Verantwortlichkeit ist aber zumindest ähnlich, auch wenn an der europäischen Grenze weniger Menschen durch direkte Gewaltanwendung Staatsbediensteter getötet worden sind.

Diese Toten lassen sich allerdings nicht in den Verantwortungsbereich eines anderen, undemokratischen Landes, das nicht mehr existiert, verdrängen.




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