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Kelly sagte seinen Tod voraus
22.08.2003









Der britische Waffenexperte David Kelly, der nach offizieller Darstellung Selbstmord begangen hat, hatte seinen Tod schon im Februar diesen Jahres vorausgesehen, berichtete Reuters am Donnerstag.

Dies wurde bei der Befragung des britischen Diplomaten David Broucher im Rahmen der Untersuchung der Umstände, die zu Kellys Tod geführt haben, enthüllt.

Kelly hatte irakischen Beamten im Februar im Rahmen der Waffeninspektionen zugesichert, daß "sie nichts zu befürchten hätten", wenn sie mit den Waffeninspektoren zusammenarbeiteten, so Broucher in seiner Aussage.

Auf Brouchers Frage, was passieren würde, falls der Irak trotz Kellys Zusicherungen angegriffen werden sollte, habe dieser geantwortet "Ich werde tot im Wald gefunden werden."

Broucher dachte seiner Aussage nach zu dem Zeitpunkt, daß es sich um eine Floskel handelte, mit der er möglicherweise aussagen wollte, daß er in dem Fall befürchten würde, von den Irakern angegriffen zu werden.

In der Befragung zog Broucher dann die Schlußfolgerung, daß dies möglicherweise ein Hinweis auf schon zu dem Zeitpunkt bestehende Planungen Kellys für einen Selbstmord gewesen sei, da er sich Brouchers Ansicht nach als Folge des Angriffs als "Lügner" gefühlt hätte und "seine Kontakte betrogen hätte, von denen manche aufgrund seiner Handlungen möglicherweise getötet wurden."

Die Schlußfolgerung Brouchers paßt nicht zum Ablauf der Geschehnisse. Sollte Kelly zu einem so frühen Zeitpunkt schon einen Selbstmord in Betracht gezogen haben, wäre mit Sicherheit davon auszugehen, daß der endgültigen Ausführung eine sorgfältige Planung vorausgegangen wäre.

Da der häufig als "Familienmensch" dargestellte Kelly aber weder einen Abschiedsbrief an seine Familie hinterließ noch in mehreren Emails, die kurz vor seinem Tod verschickt wurden, einen Hinweis auf einen bevorstehenden Selbstmord gab, scheint diese Deutung der Aussage falsch zu sein.

Auch die ursprüngliche Annahme Brouchers, daß er damit andeutete, er befürchte eine "Rache" durch Iraker ist unwahrscheinlich. Da er sich zum Zeitpunkt, als er diese Aussage machte, im Irak aufhielt und seine Ängste sich dann gegen die Iraker gerichtet hätten, dürfte die Formulierung "dann werde ich tot in der Wüste gefunden" wesentlich wahrscheinlicher sein.

Dies läßt noch Raum für eine weitere Möglichkeit, nämlich daß Kelly schon damals plante, im Falle eines - seiner Ansicht nah ungerechtfertigten - Irakkriegs Informationen an die Öffentlichkeit zu geben, die zeigten, daß es eben keinen Grund für einen Angriff gab.

Kelly, der in Berichten als ehrlich und prinzipientreu dargestellt wird, dürfte aufgrund seiner engen Beziehungen zur britischen Regierung - Mitte April hatte er ein Treffen mit dem britischen Verteidigungsminister Geoff Hoon zum Mittagessen - und zum britischen Geheimdienst schon im Februar Informationen gehabt haben, daß ein Angriff auf den Irak praktisch unvermeidlich war.

Kelly hatte jahrelang für die britische Forschungseinrichtung Porton Down, die sich mit der Erforschung chemischer und biologischer Waffen beschäftigte, als Leiter der Abteilung für Mikrobiologie gearbeitet.

Kelly, der außerdem fast 10 Jahre lang als Waffeninspektor im Irak gearbeitet hatte, dürften durch diese Arbeitsstellen und die daraus resultierenden Beziehungen eine Vielzahl an Informationen zugänglich gewesen sein, die geeignet wären, die britische Regierung zu kompromittieren.




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