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Neusprech
17.08.2003









Die Bezeichnung "Koalition" für die Besatzungsmächte im Irak scheint mittlerweile einen derart negativen Beigeschmack bekommen zu haben, daß es Zeit für eine neue Formulierung wurde.

In einem kurzen Bericht über einen Kampf in der Nähe von Basra, bei dem ein dänischer Soldat und zwei Iraker getötet wurden - es ist dabei übrigens nicht klar, ob es sich bei den Irakern auch um die Angreifer handelte - hielt AFP nun am Sonntag die Bezeichnung "internationale Stabilisierungskräfte" ("international stabilisation force") für angebrachter.

Diese Bezeichnung, die gedanklich an die SFOR-Soldaten in Bosnien anknüpfen soll, ist zwar auch schon früher gelegentlich in Presseberichten verwandt worden, dies ändert aber nichts daran, daß der völkerrechtswidrige Angriff und die nachfolgende Besatzung des Iraks hierdurch in einen "Befreiungs- und Befriedungskrieg" umgedeutet werden soll.

Das Ausmaß, das die verbale Wirklichkeitsanpassung der Regierungen schon angenommen hat, ist schon erschreckend, das Hauptproblem ist aber, daß die Medien diese sinnverändernden Formulierungen fast immer völlig unkritisch übernehmen.

Wie in George Orwells "1984" wird mehr und mehr die Sprache in eine für Regierungen und Unternehmen positivere Richtung verändert.

Gleichgültig, ob von "Kollateralschäden" gesprochen wird, wenn "getötete Zivilisten" gemeint sind, von "einem Zwischenfall in einem Kraftwerk", wenn "der Austritt großer Mengen radioaktiven Materials" gemeint ist, von "drei verletzten Soldaten", wenn diese in Wirklichkeit so schwer verletzt sind, daß zwei von ihnen im Krankenhaus sterben und dem dritten beide Beine amputiert werden oder "Liquiditätsprobleme" eigentlich "Zahlungsunfähigkeit" meinen - immer wird dies eingesetzt, um einen negativen Begriff so weit umzuformen, bis er möglichst positiv klingt oder zumindest nicht mehr so stark wahrgenommen wird.

Obwohl dies durchaus auch schon von den Medien erkannt worden ist und hierüber eine ganze Reihe von Artikeln existiert, ändert sich trotzdem nichts am Verhalten der Medien.

Sicherlich ist es nicht immer einfach, eine derartige Manipulation zu bemerken und eine treffendere Formulierung zu finden, aber gerade bei der Umwidmung der Besatzungsmächte in die "Koalitionsstreitkräfte" und schließlich zu "internationalen Stabilisierungskräften" sollte dies so auffällig und eindeutig sein, daß es von den Medien eben nicht akzeptiert wird.




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