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Bechtel, Fremont und bin Laden

Jane Mayer

http://www.newyorker.com/talk/content/?030505ta_talk_mayer





Damals, als Amerikaner noch diskutierten, ob es eine legale Grundlage für einen Präventivschlag gegen den Irak gab, wurden wenige Argumente so genau geprüft wie die Behauptung der Bush-Administration, daß es geheime Verbindungen zwischen Ak Quaida und dem Irak gäbe. Bei der CIA brüteten Analysten über Satellitenaufnahmen. Im Finanzministerium durchsiebten Experten Steuerunterlagen. Bei der National Security Agency hörten arabisch-sprechende Experten Telephongespräche ab. Aber, selbst nachdem Außenminister Colin Powell seine ganze Glaubwürdigkeit in seiner Rede vor den Vereinten Nationen verwandt hatte, blieben Zweifel an der Triftigkeit der behaupteten Verbindungen zwischen Saddam und Osama bestehen.

Nun, es gibt eine neue und beweisbare Verbindung, aber es ist nicht die Art, an die die Bush-Administration gedacht hatte. Tatsächlich wird sie eher die Spekulationen der Verschwörungstheoretiker anheizen als sie zur Ruhe zu bringen. Der Geldfluß scheint - wenn auch auf einigen Umwegen - von dem Geschäft des Wiederaufbaus des Iraks in das Vermögen Osama bin Ladens zu führen. Bin Ladens verzweigte Familie, eine wachsende, außerordentlich wohlhabende saudi-arabische Dynastie, ist ein wesentlicher Geldgeber einer Beteiligungsgesellschaft, die von der Bechtel Group of San Francisco gegründet worden war. Bechtel sit auch die Firma, die von der US-Regierung vor kurzem den ersten Multi-Millionen-Dollar-Auftrag erhielt, den vom Krieg zerstörten Irak wieder aufzubauen. In einem geschlossenen Bieterverfahren wurde Bechtel von der United States Agency for International Development ausgewählt, um wichtige Teile der irakischen Infrastruktur, unter anderem die Straßen, Schienen, Flughäfen, Krankenhäuser und Schulen sowie die Strom- und Wasserversorgung wieder aufzubauen. In der ersten Phase der Vetrags wird die US-Regierung Bechtel fast 35 Millionen US-Dollar zahlen, Experten sagen aber, daß die Kosten in den nächsten eineinhalb Jahren höchstwahrscheinlich 680 Millionen erreichen werden.

Als der Auftrag vor zwei Wochen vergeben wurde erwähnte die Regierung nicht, daß Bechtel immer noch eine Beziehung zur bin Laden-Familie unterhält. Die bin Laden-Familie hat einen Anteil in Höhe von 10 Millionen US-Dollar an der Fremont Group, ein Unternehmen mit Sitz in San Francisco, das früher Bechtel Investments hieß, was bis 1986 eine Tochtergesellschaft von Bechtel war. Eine Sprecherin der Firma bestätigte, daß die Bechtel-Familie Haupteigentümerin der Fremont Group ist. Und eine Liste der Aufsichtsratsmitglieder zeigt eine deutliche Überschneidung. Fünf von Fremonts acht Aufsichtsratsmitgliedern haben bei Bechtel den gleichen Posten inne. Ein Aufsichtsratsmitglied bei Fremont, Riley Bechtel, ist Verwaltungsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender der Bechtel Group ud Mitglied der Bush Administration: er wurde dieses Jahr in den präsidentiellen Ausfuhrrat berufen. Darüber hinaus arbeitet George Shultz, Außenminister der Reagan-Regierung, als Vorstandsmitglied bei Fremont als auch bei der Bechtel Group, wo er früher als Präsident gearbeitet hat und heute noch als Berater tätig ist.

Rick Kopf, Anwalt der Fremont Group, der etwa elf Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten verwaltet, bestätigt, daß die bin Laden-Familie vor dem 11.9. ungefähr 10 Millionen US-Dollar in einen privaten Fonds der Fremont Group investiert hat. Er merkte an, daß die bin Laden-Familie ihren Anteil seit dem nicht mehr erhöht hat, verweigerte aber die Preisgabe weiterer Details über ihre Verbindung mit dem Unternehmen. Auch weigerte er sich, den Ursprung oder die Art der Beziehung zwischen der bin Laden und der Bechtel-Familie, die beide Vermögen mit gigantischen Bauprojekten in der arabischen Welt verdient hatten, zu besprechen. Die Fremont Group wird bei dem Puzzle offensichtlich nicht mithelfen. Wie Kopf sagte: "Besitzverhältnisse sind Privatangelegenheit und werden nicht offengelegt."

Weitere interessante Wirtschaftsverknüpfungen der US-Administration gibt es hier.








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