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Die andere Seite
07.12.2003









In jedem - zumindest in jedem fairen - Gerichtsverfahren ist es zwingend erforderlich, beide Seiten anzuhören, um so ein möglichst gerechtes Urteil fällen zu können.

In den "westlichen" Medien und auch der Politik wird dieses Grundprinzip hinsichtlich den als "Islamisten" bezeichneten Menschen fast völlig außer Acht gelassen.

Häufig wird über "fundamentalistische Islamisten" berichtet, indem die gleichen Beschuldigungen wie schon in der Vergangenheit wiederholt werden, offenbar ohne, daß diese tatsächlich überprüft wurden.

Das neu veröffentlichte Buch "Wir sind ´fundamentalistische Islamisten´ in Deutschland" der beiden Brüder Yavuz und Gürhan Özoguz, die auch die Betreiber der Website Muslim-Markt sind, kann dabei helfen, einen Blick auf die "andere Seite" zu werfen.

Beide Männer sind Musterbeispiele für das, was häufig als "strenggläubige Moslems" bezeichnet wird, sind sich dieser Rolle auch durchaus bewußt und versuchen nicht im geringsten, dies zu verbergen.

Hierdurch ermöglichen sie durch die - größtenteils sehr persönlichen Berichte und Kommentare - die von beiden abwechselnd verfaßt wurden, einen Einblick in die Gedanken und Gefühle von - insbesondere diesen "strenggläubigen" - Moslems, gerade auch im Hinblick auf "westliche" Gesellschaften.

Wie nicht anders zu erwarten, wird in dem Buch nicht mit Kritik an den USA als auch an Israel gespart, hierbei aber stark darauf geachtet, nicht den "Boden der Verfassung" zu verlassen. Die Verfassungstreue beider Männer, der Website und weiterer mit ihnen im Zusammenhang stehender Organisationen wird mehrfach in dem Buch betont, hierfür sind aber sicherlich auch sehr negative Berichterstattungen in der Presse und vereinzelte "Zusammentreffen" mit dem Verfassungsschutz verantwortlich.

Einige der in dem Buch vertretenen Ansichten und religiösen Grundsätze dürften von den meisten "liberal" denkenden Menschen als die Freiheit des Einzelnen beschränkend abgelehnt werden, dies dürfte aber ebenfalls auf die Ansichten und religiösen Grundsätze von katholischen Nonnen und buddhistischen Bettelmönchen zutreffen.

Der letzte große Aufschrei ging durch die Medien, nachdem die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi von Yavus Özoguz in einem Forum scharf angegriffen wurde. Dies dürfte nicht nur eine Folge ihrer kritischen Haltung der derzeitigen iranischen Regierung gegenüber und ihrer eher liberalen Einstellung sein, sondern auch ihrer engen Verbundenheit mit dem früheren Schah-Regime zu verdanken sein.

Durchzogen ist das Buch von Aufrufen zum Dialog. Diese richten sich zwar auch an Moslems, aber offenbar vorrangig an die Hauptzielgruppe des Buchs, Anders- und Nichtgläubige.

In weiten Teilen ist das Buch geeignet, das Weltbild des einen oder anderen Lesers zumindest stark zu irritieren, so beispielsweise durch eine vollständig abgedruckte Ansprache des iranischen Imams Chamenei, der in den Medien üblicherweise als "fundamentalistisch", wenn nicht sogar "extremistisch" (zu den Anführungszeichen sei die Lektüre des - leicht zynischen - Abschnitts "Begriffswirrwarr" empfohlen) dargestellt wird.

"Die Logik der USA heute ist, daß man die Welt mit Waffen kontrollieren muß. Sie sagen, wir haben Macht, wir haben die Waffen, die Welt zu zwingen, das zu akzeptieren und zu tun, was wir wollen. Aber sie irren sich. Es geht nicht. So etwas ist nicht möglich. Solche Personen [gab es] in der Geschichte der Welt und auch in unserer Zeit, die glaubten, unverletzbar zu sein, glaubten, mit Gewalt und Bajonetten über das eigene Volk und fremde Völker regieren und diese ausnutzen zu können", so Chamenei in der Rede.

Abgeschlossen wird das Buch mit einem vollständigen Abdruck der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, allein dies schon sicherlich unerwartet, solange man sich nicht von dem üblichen Bild des "fundamentalistischen Islamisten" getrennt hat.


Y. & G. Özoguz: Wir sind "fundamentalistische Islamisten" in Deutschland





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