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Fahrerflucht im Irak
09.12.2003









Die Vermutung, daß die Besatzung eines amerikanischen Panzers nicht aussteigt, weil sie mit ihrem Panzer in einer engen Straße den Lack eines geparkten Fahrzeugs zerkratzt haben, liegt auf der Hand und mag angesichts der "Gefährdungslage" im Irak sogar verständlich sein.

Aufgrund der in anderen Bereichen gezeigten Rücksichtslosigkeit gegenüber den Bürgern des Iraks und anhand einiger vereinzelter Berichte derartiger Vorfälle drängt sich ebenfalls die Vermutung auf, daß die Soldaten auch im Fall von ernsten Schäden oder sogar verletzten und getöteten Menschen wenig motiviert sind, den Betroffenen zu helfen oder auch nur anzuhalten.

Der arabische Sender Al-Jazeera berichtete am Dienstag über einen solchen Fall.

Abd al-Razzaq al-Lami wurde zusammen mit seinem Auto von einem amerikanischen Panzer überrollt und getötet, als er am Straßenrand im Baghdader Stadtteil Sadr City stand und darauf wartete, daß ihm jemand Benzin für sein liegengebliebenes Fahrzeug brachte.

"Der Panzer zerquetschte das Auto und ihn. Er starb sofort. Die US-Soldaten in dem Panzer haben nicht einmal angehalten, um zu sehen, was passiert war. Sie haben ihn einfach am Boden zurückgelassen", erzählte sein Bruder, Jasim al-Lami.

Höchstwahrscheinlich wäre dies unter normalen Umständen nur eine weitere Zahl in der von den USA nicht einmal geführten Statistik von getöteten Irakern.

Dieser Fall war aber anders, da es sich bei dem Getöteten um einen shiitischen Geistlichen gehandelt hat. Er war der Leiter der al-Rahman-Moschee in dem Stadtteil und war in der Gemeinde sehr beliebt.

Dies hat dazu geführt, daß hunderte von Demonstranten vor einem Hotel im Baghdad demonstrierten, das von vielen Journalisten genutzt wird. So erhielt die Nummer letztlich einen Namen.

Ein anderer Geistlicher, Hasan al-Lami, zeigte sich ebenfalls wütend. "Er war ein sehr angesehener und einflußreicher Mann und jeder hier ist wütend darüber, was passiert ist. Shiitisches Blut kann nicht billig vergossen werden, die Amerikaner müssen das verstehen", sagte er.

Tatsächlich ist der Vorfall sicherlich kaum geeignet, die Bewohner von Sadr City, die den amerikanischen Besatzern mehr oder weniger feindlich gegenüberstehen, für die US-Soldaten einzunehmen.

Der Vorfall - sicherlich nur einer von vielen - zeigt deutlich, wie wenig Respekt die US-Soldaten vor irakischem Leben haben.





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