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Iran gegen Todesstrafe
19.12.2003









Wie AFP am Mittwoch berichtete, hat sich der iranische Präsident Mohammad Khatami gegen die von US-Präsident George W. Bush für den früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein geforderte Todesstrafe ausgesprochen.

"Ich mag die Todesstrafe nicht, obwohl, wenn es einen Fall gibt, wo es eine Hinrichtung geben sollte, wäre der angemessenste Fall Saddam. Aber das würde ich mir nie wünschen", so Khatami gegenüber Journalisten.

"Wenn es einen Weg für einen Kriminellen gibt, dem zu entkommen, würde ich nicht auf seiner Hinrichtung bestehen", sagte er. "Ich hoffe, daß er ein faires Verfahren und ein gerechtes Urteil haben wird."

Dies wurde aber auch von ihm selbst bezweifelt, als er sagte: "Ich bezweifle irgendwie, daß Saddam ein vollständig unabhängiges und faires Verfahren bekommen wird, da er Dinge sagen würde, die den Leuten, die heutzutage gegen ihn sind, nicht gefallen würden."

Bereits am Montag hatte die iranische Regierung gefordert, daß Hussein vor ein internationales Gericht gestellt wird.

Der Iran wird sicherlich nicht zu Unrecht wegen seiner "großzügigen" Anwendung der Todesstrafe verurteilt. Wie Amnesty International in ihrem Jahresbericht für 2002 feststellten, wurden in dem Jahr mindestens 113 Menschen im Iran hingerichtet.

Andererseits wurden dem gleichen Bericht zufolge in den USA ebenfalls 69 Menschen hingerichtet. Diese Zahl ist zwar gerade im Hinblick auf die größere Bevölkerungszahl der USA - 290 Millionen in den gegenüber 68 Millionen im Iran - geringer, eine gewisse Seelenverwandschaft der Justizsysteme ist in dem Zusammenhang aber kaum zu leugnen.

Noch interessanter wird dies durch den Vergleich mit dem Vorjahr. Während die Zahl der Hingerichteten in den USA im Jahr 2002 gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent angestiegen ist, hat sie im Iran im selben Vergleich um 18,7 Prozent abgenommen.

Hier sei allerdings angemerkt, daß die Zahlen in beiden Ländern offenbar durchaus stark schwanken. So wurden in den USA im Jahr 2000 98 und im Iran 165 Menschen hingerichtet, in 2001 waren es in den USA 85 und im Iran 75 Menschen.

Gerade angesichts der Tatsache, daß bei der Invasion des Iraks unter Saddam Hussein und dem nachfolgenden Krieg gegen den Iran von 1980 bis 1988, bei dem der Irak nachhaltig durch die USA unterstützt worden ist, hunderttausende Iraner getötet wurden, ist die Forderung Khatamis sicherlich bemerkenswert.

Während der Iran gerade auch von George W. Bush als "Schurkenstaat" und "Reich des Bösen" angesehen wird, könnte sich hier also eine Entwicklung abzeichnen, die - im Gegensatz zur Entwicklung in den USA - zu mehr Menschenrechten führt.





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