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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Posthume Beförderungen
29.12.2003









Die posthume Beförderung von Soldaten ist nicht ungewöhnlich, wenn sie bei einem Einsatz getötet wurden, dies dürfte auf praktisch jede Armee zutreffen.

Aus naheliegenden Gründen werden dabei aber nur getötete Soldaten der eigenen Armee befördert.

Eine Meldung des US-Central Command vom Montag läßt nun aber einmal mehr darauf schließen, daß die USA auch hier Neuland betreten, indem sie auch getötete Kämpfer des irakischen Widerstands posthum "befördert".

Bei einem Einsatz in der nordirakischen Stadt Mosul am Sonntag, bei dem ein nicht näher genanntes Gebiet innerhalb der Stadt abgeriegelt und die darin befindlichen Häuser von US-Soldaten durchsucht wurden, wurden die Soldaten beim Eindringen in ein Haus von drei Männern mit Schußwaffen und einer Granate angegriffen.

Angesichts der Tatsache, daß die Soldaten anscheinend mit massiver Gewalt zurückgeschlagen haben - das Haus geriet in Folge des Gefechts in Brand und mußte gelöscht werden - ist wenig verwunderlich, daß die drei Männer getötet wurden.

Bemerkenswert ist aber, daß die getöteten Männer posthum zu "vermutlichen Mitgliedern der Terroristengruppe Ansar al-Islam" - der wiederum eine Zusammenarbeit mit Al-Qaida vorgeworfen wird - befördert wurden, ohne daß hierfür Beweise oder auch nur Indizien genannt oder gar vorgelegt wurden.

Der naheliegende Gedanke, daß die Bewohner des Hauses sich nur gegen die Eindringlinge verteidigen wollten, wurde dabei offenbar nicht in Betracht gezogen.

Da sicherlich nur Terroristen die Anwesenheit von Terroristen überhaupt ertragen können, mußten die restlichen Bewohner des Hauses - tatsächlich gab es Überlebende - ebenfalls Terroristen sein und wurden gefangengenommen und der irakischen Polizei übergeben.

Im einzelnen wurden ein Mann, zwei Frauen und drei Kinder - oder, je nach Sichtweise, sechs Terroristen - gefangengenommen. Zwei Soldaten wurden ebenfalls verwundet, befinden sich aber nicht in Lebensgefahr.

Bei genauerem Hinsehen stehen die genannte Erfolge - bei der Mission sind nach US-Angaben 2 Abschußvorrichtungen für Panzerfäuste (RPG), 11 Panzerfäuste, 8 Granaten, 2 AK-47 mit 1.100 Schuß Munition, eine Maschinenpistole, umgerechnet 30.000 US-Dollar in irakischen Dinars sichergestellt worden - vermutlich nicht in direktem Zusammenhang mit der Durchsuchung dieses Hauses, zumindest geht dies nicht aus der US-Meldung hervor. Außerdem seien "neun religiöse Bücher mit gegen die Koalition gerichtetem Inhalt" gefunden worden, sicherlich ein weiterer schlagender Beweis dafür, daß es sich um Terroristen handelte.

Nun mag es durchaus sein, daß die getöteten Männer Mitglieder von Ansar al-Islam waren und selbst wenn nicht, war es kaum eine gute Idee, das Feuer zu eröffnen - sofern zumindest dieser teil der amerikanischen Darstellung der Wahrheit entspricht - als die Soldaten in das Haus eindrangen. Andererseits ist diese Reaktion angesichts der anhaltenden Gesetzlosigkeit im Irak nachvollziehbar.

In jedem Fall aber ist die Gefangennahme der Frauen schon fragwürdig, die der Kinder aber selbstt durch die "Beförderung" der getöteten Männer - darunter höchstwahrscheinlich ihre Väter - nicht zu rechtfertigen.





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