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Angriff in Samarra
01.12.2003









Nach US-Angaben wurden am Sonntag in der irakischen Stadt Samarra 54 Iraker durch US-Soldaten getötet, die zeitgleich zwei amerikanische Militärkonvois angegriffen hatten. Außerdem seien 25 weitere Angreifer gefangengenommen worden.

Diese Darstellung kann aus mehreren Gründen nur als Propaganda angesehen werden.

Den vorgeblichen massiven Verlusten auf Seiten der Angreifer stehen nach Angaben des US-Militärs nur 5 verletzte US-Soldaten gegenüber, von denen sich keiner in Lebensgefahr befindet. Oberstleutnant William MacDonald von der 4th Infantry Division berichtete aber auch, daß die Konvois mit selbstgebauten Sprengsätzen, Mörsern, Panzerfäusten und Sturmgewehren angegriffen worden sind. Angesichts der angeblich extrem großen Zahl von Angreifern - nach MacDonalds Aussage war dies der bisher schwerste Angriff auf seine Einheit - und den dabei eingesetzten Waffen dürfte es praktisch unmöglich sein, daß keine US-Soldaten getötet wurden.

Wie AP am Montag berichtete, bestreiten Anwohner der Stadt die große Zahl der Opfer. Ihren Angaben zufolge wurden höchstens 8 bis 9 Iraker bei den Kämpfen getötet.

Darüberhinaus haben die amerikanischen Soldaten offenbar - wie dies bei Angriffen auf sie häufig geschieht - in Panik ziellos um sich geschossen. Dabei wurden auch schwere Waffen wie die Kanonen von Panzern eingesetzt. Sechs zerstörte Fahrzeuge waren vor dem Krankenhaus zu sehen, nach Augenzeugenberichten wurden dort Menschen beschossen, die Verletzte einliefern wollten. Auch ein nur wenige Minuten zuvor evakuierter Kindergarten ist von mehreren Panzergranaten getroffen und beschädigt worden.

Daß ausgerechnet in diesem Chaos eine verläßliche Zählung der getöteten Gegner erfolgt sein soll - zumal diese nach offiziellen Angaben gar nicht gezählt werden - scheint kaum glaubhaft.

Festzustehen scheint nur, daß zwei amerikanische Konvois in verschiedenen Stadtteilen Samarras, 100 Kilometer nördlich Baghdads, von irakischen Widerstandskämpfern angegriffen worden sind.

Nach Angaben von Anwohnern begannen die Soldaten daraufhin, wild um sich zu schießen, was viele Bewohner wiederum dazu brachte, ebenfalls zu den Waffen zu greifen.

"Zivilisten haben auf die Amerikaner zurückgeschossen", sagte der 30-jährige Ali Hassan, der in dem Kampf von einem Schrapnell verwundet wurde. "Sie behaupten, wir seien Terroristen. Also gut, wir sind Terroristen. Was erwarten sie, wenn zwischen uns herumfahren?"

Hier zeigt sich eine zunehmende Frustration der Iraker gegenüber dem Vorgehen der US-Soldaten.

Ein weiterer Aspekt der amerikanischen Darstellung läßt entweder noch grundlegendere Zweifel an den Vorfällen aufkommen oder stellt ein starkes Indiz für sehr schwerwiegende Sicherheitsprobleme des US-Militärs im Irak dar.

Nach Aussage des US-Militärs ereigneten sich die Angriffe auf die beiden Konvois völlig unabhängig von einander, einer im Westen der Stadt und einer im Osten, aber trotzdem "zeitgleich". Dies würde entweder eine genaue Kenntnis der Fahrtrouten und der Zeitpläne der Konvois oder eine sehr große Zahl von Hinterhalten entlang den vermuteten Fahrtrouten voraussetzen.

Da die zweite Möglichkeit mehr als unwahrscheinlich ist, müssen die Angreifer entweder tiefgreifende Kenntnisse besessen haben oder die Darstellung des US-Militärs entspricht nicht der Wahrheit.





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