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Antichristen im Bundestag?
03.07.2003









Die Frankfurter Rundschau stellte am Mittwoch die Frage, ob die Berichterstattung in den Medien den Antisemitismus unterstützt oder sogar selbst antisemitisch ist.

Wie so oft wird in dem Artikel Kritik an der israelischen Politik und den israelischen Politikern mit Antisemitismus gleichgesetzt, auch ein Hinweis auf Möllemann darf dabei nicht fehlen.

Auch ein Telepolis-Artikel vom Donnerstag über einen britischen Professor, der die Bewerbung eines israelischen Studenten ablehnte, weil dieser in der israelischen Armee gedient hatte und der Professor "sehr große Schwierigkeiten mit der Art, in der Israelis sich wegen des Holocaust aufs hohe moralische Ross setzen und dann den Palästinensern grobe Menschenrechtsverletzungen zufügen, weil diese in ihrem eigenen Land leben wollen" hatte, bezieht eindeutig Position.

In dem Ablehnungsschreiben des Professors schreibt dieser: "Sie werden schon ein passendes Labor finden, wenn Sie sich weiter umsehen." In der Reaktion hierauf fragt die Telepolis-Autorin Michaela Simon: "Wo sollte dieses ‚passende Labor' sein, in einem Ghetto vielleicht?"

Dem Professor wird also unterstellt, daß er den Studenten - und vermutlich auch alle anderen Israelis - am liebsten im Ghetto sehen würde. Nicht nur, daß ihm unterstellt wird, Antisemit zu sein, es wird auch noch der Bogen zu den Verbrechen der Nazis gespannt.

Scheint es nicht eher unwahrscheinlich, daß es zu einer vergleichbaren Empörung gekommen wäre, wenn der Vorfall vor einem Jahr passiert wäre und der Student ehemaliges Mitglied der Republikanischen Garden Saddam Husseins gewesen wäre?

Dabei könnte man sich auch die Frage stellen, warum ein Kritiker Chinas nicht Antibuddhist, ein Kritiker der indischen Politik nicht Antihinduist und ein Kritiker Italiens - gerade angesichts der aktuellen Diskussion über Berlusconis Nazi-"Witz" - nicht Antichrist genannt wird. Und dann wäre da als ganz heißer Anwärter für die Bezeichnung Antimoslem noch der eine oder andere Politiker, der den moslemischen Staat, Afghanistan, angegriffen hat.

Machen es nicht vielleicht auch gerade diese immer wieder hervorgeholten Vorwürfe, die jegliche Kritik am Verhalten eines Staates mit einer Abneigung gegenüber der dort vorherrschenden Religion zu erklären versuchen, nahezu unmöglich, zu einem funktionierenden Miteinander zu finden?

Sicherlich gibt es Antisemitismus. In Deutschland ebenso wie in anderen Ländern. Und ebenso gibt es Haß gegen Moslems, Hindus, Christen und alle möglichen anderen Religionen und Abstammungen. Haß, der häufig aus Unkenntnis und Unverständnis der anderen Kultur entstanden ist. Und dieses Unverständnis läßt sich am besten durch Dialog beseitigen, was aber durch derart grundsatzideologische Konfliktbewältigung erschwert wird.

Gerade in einem Land, in dem die Trennung von Kirche und Staat im Grundgesetz verankert ist, sollte dieser Grundsatz auch für die Beziehungen zu anderen Ländern und ihren Menschen gelten.

Vermutlich werden jetzt einige Antisemiten jubeln und einige Prosemiten brüllen.

Beide sollten diesen Artikel ein weiteres Mal lesen.




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