www.Freace.de


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Briefe aus Guantanamo Bay
07.07.2003









Die USA haben die ersten sechs Gefangenen ausgewählt, die vor ein Militärtribunal in dem Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba gestellt werden sollen. Den beiden britischen Staatsangehörigen wurde "angeboten", ihre Schuld einzugestehen und dafür "nur" eine 20-jährige Haftstrafe statt der Todesstrafe zu erhalten.

Einer dieser beiden Briten ist der 35 Jahre alte Moazzam Begg. Der britische Sunday Herald berichtete am Sonntag über einige Briefe, die Begg nach Hause geschrieben hat, seine Haftbedingungen und die Umstände seiner Verhaftung.

Begg, dessen Frau Sally mit seinen vier Kindern - sein jüngster Sohn, Ibrahim, wurde während seiner Gefangenschaft geboren - jetzt wieder in Großbritannien lebt, zeigt sich in seinen Briefen, von denen offenbar eine Vielzahl ihr Ziel gar nicht erreicht und der Rest von Militärzensoren geprüft wird, zunehmend hoffnungslos.

In einem Brief an seine Frau schreibt er: "Die letzten paar Wochen waren deprimierender als sonst, besonders seit der Geburt unseres Sohnes... die Zeit vergeht so langsam... Ich weiß immer noch nicht, was mit mir passieren wird, wohin es geht und wann - selbst nach all dieser Zeit."

"Es gibt hier viele Regeln, die das Warten nicht einfacher machen. Das Essen ist seit fünfeinhalb Monaten das gleiche und die meiste Zeit habe ich Hunger."

Unter der Schwärzung durch einen Zensor ist der Satz zu lesen "Mir wird klar, daß ich einen großen Preis zahlen muß für all die Fälle, wo ich undankbar war, ganz besonders Dir gegenüber."

Die Haftbedingungen in dem amerikanischen Lager sind von Beginn an in der Kritik. Die Gefangenen werden in kleinen Käfigen gehalten, die sie nur unzureichend vor den Elementen schützen und haben nur selten die Möglichkeit, diese zu verlassen, um sich etwas zu bewegen. Häufig sind sie gefesselt und ihre Augen verbunden.

In einem Brief erzählt er von den Tieren, mit denen sie sich die Käfige teilen müssen, Skorpionen, Käfern, Mäusen und auch Kamelspinnen, die zwar nicht giftig, dafür aber umso größer sind und Geschwindigkeiten von über 15 Stundenkilometern erreichen.

Beggs Vater Azmat betont, daß sein Sohn kein Terrorist ist. Sein Sohn, der früher einen Buchladen in Birmingham besessen hatte, hatte mehrere Jahre an einer jüdischen Schule verbracht und hat noch immer viele jüdische Freunde.

In 2001 reiste er mit seiner Familie nach Kabul, da er vom Schicksal der afghanischen Bevölkerung so bewegt war, um dort eine Schule aufzubauen und die Menschen mit Wasserpumpen zu versorgen, berichtete sein Vater.

Als der Angriff auf Afghanistan im Oktober 2001 begann brachte er sich mit seiner Familie nach Islamabad in Pakistan in Sicherheit. Dort wurde er im Januar 2002 von pakistanischen Polizisten und CIA-Mitarbeitern verhaftet, in den Kofferraum eines Wagens gesteckt und nach Kabul in Afghanistan gebracht, wo er fast ein Jahr in einem fensterlosen Kellerraum verbrachte.

Er wurde verhaftet, weil sein Name auf der Photokopie einer Überweisung stand, die in einem Al-Quaida-Übungslager gefunden worden war.

Begg, der in seinen Briefen immer seine Unschuld beteuert, droht in dem Verfahren vor dem Militärtribunal, das sich nicht den üblichen Verfahrensregeln unterwerfen muß, die Todesstrafe.




Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail