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Briten entdecken kamerafreie Zone
30.07.2003









Großbritannien dürfte weltweit das Land mit der größten Anzahl an Überwachungskameras sein. Und doch gibt es immer noch Bereiche, die bisher nicht überwacht werden.

Wer hier jetzt an Toiletten denkt, wird enttäuscht sein. Das East Brighton College ist schon im Jahr 1999 auf die Idee gekommen, Kameras in den Toiletten der Schüler zu installieren, um heimliches Rauchen zu verhindern.

In Großbritannien sind derzeit über 2 Millionen Überwachungskameras installiert, für die die Regierung insgesamt geschätzte 10 Milliarden Euro ausgegeben hat.

Nach wie vor lassen sich aber immer noch neue Bereiche finden, in denen Kameras installiert werden können.

Auf der jährlichen Hauptversammlung der britischen Lehrervereinigung "Professional Association of Teachers" (PAT) wurden nun Forderungen geäußert, alle britischen Klassenzimmer mit ans Internet angebundenen Webcams zu überwachen.

Auf diese Weise soll den Eltern die Möglichkeit gegeben werden, das Verhalten ihrer Kinder in der Schule zu "überprüfen".

Der Lehrer Simon Smith sagte: "Schlechtes Benehmen in den Klassen ist im ganzen Schulsystem ein großes Problem, mit dem die Lehrer allein fertig werden müssen. Wenn die Schüler wüßten, daß ihre Eltern sehen können, wie sie sich benehmen, würden sie es sich zweimal überlegen, den Unterricht zu stören."

Das einzige vorgebrachte Gegenargument war offenbar, daß Pädophile ebenfalls auf die Bilder zugreifen könnten. Dies sei aber durch einen Passwortschutz zu verhindern, so Smith.

Dabei wird nicht auf das soziale Problem eingegangen. In vielen Familien müssen beide Elternteile arbeiten, so daß sie keine Möglichkeit haben, das Verhalten ihrer Kinder stundenlang über das Internet zu beobachten. Außerdem können sich auch in Großbritannien längst nicht alle Familien einen Internetzugang und den dazugehörigen Computer leisten.

Auch die Beinträchtigung der Bürgerrechte wird nicht beachtet. Eine Schule dürfte zwar als "halböffentlicher Raum" gelten, das heißt aber nicht, daß eine ständige optische Überwachung und damit verbundene mögliche Aufzeichnung zulässig ist.

Der bei den Kindern einsetzende Gewöhnungseffekt an eine ständige Überwachung wäre aus der Sicht von Bürgerrechtlern sicherlich auch alle andere als wünschenswert.

Der Einsatz von Überwachungskameras in Großbritannien hat bisher nicht zu einem Rückgang der Kriminalität geführt, insbesondere im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, die keine flächendeckende Überwachung nutzen.

Trotzdem ist nicht zu erwarten, daß dem Vorstoß der Lehrervereinigung nennenswerter Widerstand entgegengebracht werden wird.




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