www.Freace.de


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Neue Lügen?
23.07.2003









Die Nachricht geht durch alle Medien. Die beiden bekanntesten - oder eher: berüchtigsten - Söhne Saddam Husseins, Uday und Qusay sind bei einem sechs Stunden andauernden Gefecht mit amerikanischen Soldaten getötet worden.

Tatsächlich?

Bei genauerem Hinsehen kommen doch einige Zweifel an dieser Aussage auf.

1. Der Kampf ereignete sich in der Stadt Mosul, im Norden des Iraks. Der Norden ist zum großen Teil in kurdischer Hand und die Kurden waren schon vor dem Sturz Saddam Husseins durch die USA seine Gegner. Angesichts der durch die USA ausgesetzten Kopfgelder von 15 Millionen US-Dollar für jeden der beiden Brüder - eine für westliche Augen schon riesige Summe, im Irak aber nahezu unvorstellbar - würde ein Versteck im Gebiet der Kurden zumindest nicht für die Intelligenz der beiden sprechen.

2. Das Haus, das als ihr Versteck bezeichnet wird, könnte auffälliger kaum sein. Es handelte sich um eine reich verzierte Villa an einer Hauptstraße, die durch den Kampf allerdings schwer beschädigt worden ist. Auch dies ist sicherlich keine gute Wahl, wenn man versuchen will, nicht aufzufallen.

3. Es scheint unwahrscheinlich, zumindest aber sehr unklug, daß beide Brüder sich am gleichen Ort versteckten. Nicht nur, daß sich hierdurch das ausgesetzte Kopfgeld praktisch verdoppelte, im Fall der Entdeckung wären auch beide gleichzeitig gefährdet. Saddam Hussein war dafür bekannt, geradezu paranoid auf seine Sicherheit zu achten, er soll teilweise mehrfach in einer Nacht die Unterkunft gewechselt haben. Es ist anzunehmen, daß seine Söhne von ihm gelernt haben.

4. Als die vier Leichen aus dem Haus transportiert wurden, wurden Journalisten daran gehindert, näher zu kommen, so daß es nicht möglich war, Photos zu machen. Es scheint unwahrscheinlich, daß dies aus Pietätsgründen geschah.

5. Es scheint von Beginn an das Ziel der Aktion gewesen zu sein, Uday und Qusay Hussein eben nicht lebend zu fangen. Das Angreifen mit 200 Soldaten ist sicherlich noch erklärbar, daß aber von Hubschraubern über 20 Raketen in das Haus gefeuert wurden zeigt die Prioritäten bei dem Gefecht.

Den Berichten nach haben sich die Belagerten nur mit Gewehren und Handfeuerwaffen verteidigt, es hätte also auch problemlos möglich sein sollen, das Haus mit gepanzerten Fahrzeugen zu umstellen und zu warten, bis sie herauskommen. Dies hätte erstens zu einer unzweifelhaften Identifizierung geführt und zweitens hätten sie dann vor ein Gericht gestellt werden können, was die Iraker sicherlich bevorzugt hätten.

6. Den Berichten zufolge sind die aus der Villa abtransportierten Leichen verkohlt, einerseits vermutlich durch einen Brand in dem Haus, andererseits aber wahrscheinlich auch durch die in das Haus gefeuerten Raketen. Eine Identifizierung durch bloßes Ansehen dürfte also schwierig sein. Aus diesem Grund sind auch DNS-Proben nach Washington geschickt worden, um eine Identifizierung vorzunehmen.

Nicht nur, daß diese Proben einige Stunden brauchen, bis sie in Washington ankommen, eine DNS-Untersuchung selbst dauert mindestens eine Woche. Selbst wenn man davon ausgeht, daß hier mit Hochdruck gearbeitet wurde, läßt sich die Analyse nicht so weit beschleunigen, da es sich zum großen Teil um chemische Reaktionen handelt, die eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Ein Experte eines Hamburger Unternehmens sagte gegenüber Freace, daß "eine Analyse innerhalb von knapp 10 Stunden" möglich wäre, da davon auszugehen sei, daß "diese Proben die höchste Priorität haben". Trotz anderslautender Aussagen ist eine eindeutige Identifizierung zum Zeitpunkt der "sicheren Bestätigung" durch die USA bereits vorgelegen haben könnte also zumindest sehr unwahrscheinlich.

Darüber hinaus ist nicht bekannt, woher die DNS-Vergleichsproben, die für eine Identifizierung benötigt werden, stammen. Nur Proben, die den beiden Brüdern absolut sicher zuzuordnen sind, würden überhaupt die Möglichkeit einer verläßlichen Analyse bieten.

7. Es wäre nicht das erste Mal, daß das US-Militär die Leiche eines hochrangigen Irakers "eindeutig" identifiziert, nur um einige Zeit später zu sagen, daß er vermutlich noch am Leben sei.

8. Auch der Zeitpunkt sollte die eine oder andere Augenbraue heben. Es kann natürlich auch einfach Glück sein, daß die beiden Söhne Husseins, denen unzählige Verbrechen vorgeworfen wurden - die von vielen Medien jetzt noch einmal genüßlich aufbereitet werden - gefunden wurden, als der Druck wegen gefälschter Beweise, die zum Irakkrieg führten, immer größer wurde und auch die Angriffe auf amerikanische Soldaten immer zahlreicher wurden. Zumindest hat dies jedenfalls dazu geführt, daß beide Themen - zumindest vorerst - praktisch aus der Berichterstattung verschwunden sind.

Es bleibt also abzuwarten, ob die USA noch weitere "Beweise" für den Tod der beiden Hussein-Söhne liefern.

Entgegen amerikanischen Berichten, daß bei dem Gefecht nur 4 US-Soldaten verletzt worden sind, berichtete Al-Jazeera, die vor Ort waren, daß 9 US-Soldaten getötet wurden.

Die amerikanische Hoffnung, daß durch ihren Tod der irakische Widerstand entscheidend geschwächt wird, setzt allerdings die Annahme voraus, daß die Widerstandskämpfer größtenteils Anhänger des Regimes Saddam Husseins sind.




Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail