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Irakkrieg am 22. Juli gewonnen?
26.07.2003









Angesichts der Pressemeldungen könnte man glauben, daß der Irakkrieg am 22. Juli gewonnen wurde, weil zwei Menschen getötet wurden. Insgesamt wurden bisher bis zu 7782 irakische Zivilisten und eine unbekannte, aber angesichts der von der "Koalition" eingesetzten Waffen sicherlich um ein vielfaches höher liegende Zahl irakische Soldaten getötet.

Angenommen, bei den vom US-Militär als Uday und Qusay Hussein gezeigten Leichen handelt es sich tatsächlich um die beiden gefürchteten Söhne Saddam Husseins, bleiben doch einige Fragen offen und die Folgen sind vermutlich alles andere als die von den USA gewünschten.

Als erstes stellt sich die Frage, ob die USA wirklich geneigt waren, die beiden Brüder lebend in ihre Gewalt zu bringen. Über 200 Soldaten haben das Haus angegriffen, in dem sich 3 Erwachsene und ein 14-Jähriger aufhielten. Statt die gepanzerten Fahrzeuge für eine Belagerung des Hauses zu benutzen, wurde es mit allen verfügbaren Waffen, einschließlich mindestens 10 Panzerabwehrraketen, angegriffen, während den Personen nur Gewehre zur Verfügung standen.

Die USA sagten auf diesen Vorwurf, daß es angesichts der "sofortigen Gegenwehr bei dem ersten Erstürmungsversuch" des Hauses "offensichtlich keine andere Möglichkeit gegeben" habe.

Angesichts der im Vergleich nur äußerst leichten Bewaffnung der Menschen in dem Haus ist diese Äußerung mehr als nur zweifelhaft.

Aber was hätten die USA durch die Verhaftung der beiden Gesuchten gewinnen können? Das erklärte Ziel, sie "aus dem Verkehr zu ziehen" ist so ebenfalls erreicht worden. In einem Gerichtsverfahren hätten sie darüber hinaus die Rechtmäßigkeit des Angriffs und der Besetzung des Iraks anzweifeln können. Und die Informationen, die beide über die von den USA so gesuchten Massenvernichtungswaffen hätten geben können, wären nur interessant gewesen, wenn die USA selbst an die Existenz glaubt.

Im Nachkriegsdeutschland wurde peinlich genau darauf geachtet, daß die Verfahren gegen die Verbrecher des Dritten Reichs, die hundertfach mehr Tote zu verantworten hatten, nach rechtsstaatlichen Grundsätzen geführt wurden.

In den letzten Tagen zeigte sich US-Präsident Bush ebenso wie der britische Premierminister Blair höchst erfreut über den Tod der beiden Menschen. Kein Ausdruck des Bedauerns, weil 4 Menschen, darunter ein Kind, getötet worden sind oder weil es nun nicht mehr zu einem Gerichtsverfahren oder einer Befragung kommen kann, nur blanke Freude.

Die Aussage, daß beide Leichen jeweils "über 20 Schußwunden aufweisen" läßt auch Zweifel aufkommen, ob sie diese tatsächlich alle bei dem Kampf erlitten haben. Es dürfte sehr unwahrscheinlich sein, daß ein Mensch mit 15 Schußwunden noch in der Lage ist, weiterzukämpfen.

Hierbei fällt auch auf, daß bei dem dritten und letzten Vorstoß in das Haus, bei dem die Soldaten nach Berichten des US-Militärs von dem letzten Überlebenden, dem 14-jährigen Jungen, beschossen wurden und "gezwungen waren, ihn zu erschießen", keine US-Soldaten verletzt oder getötet worden sind.

Angesichts des wachsenden Widerstandes und zahlreicher bei Angriffen getöteter und verletzter US-Soldaten könnten derart "legitime Ziele" möglicherweise ein Ventil für die Frustration der amerikansichen Soldaten gewesen sein.

Am Samstag zeigte Reuters Bilder vom Beginn des Abrisses der Villa, in der die Menschen getötet worden sind. Dies könnte als Versuch gewertet werden, Beweise für eine absichtliche Ermordung der Menschen, nachdem sie sich ergeben hatten oder auf andere Weise nicht mehr in der Lage waren zu kämpfen, zu vernichten. Da sich der Besitzer der Villa, Scheich Nawaf al-Zaydan Muhhamad bisher anscheinend nicht über den Abriß beschwert hat, dürfte dies als weiteres Indiz gelten, daß er derjenige war, der den entscheidenden Hinweis gegeben hat.

Seine Nachbarn sind schon seit Tagen dieser Ansicht.

"Sie [Uday und Qusay] sind Iraker", sagte Waad Hamadi. "Wir hätten den Amerikanern nichts gesagt. Viele Leute sagen, daß er [Muhammad] derjenige ist, aber es gibt keine Möglichkeit für ihn, hierher zurückzukehren. Er ist ein Verräter."

Auch die "Restaurierung" der Gesichter der Toten - das Schließen von Wunden, das Rasieren und Frisieren - bevor unabhängigen Journalisten der Zugang gewährt wurde trägt sicherlich nicht zur Glaubwürdigkeit bei.

Ganz offensichtlich ist es den USA aber extrem wichtig zu belegen, daß Uday und Qusay Hussein tatsächlich tot sind. Es dürfte sehr unwahrscheinlich sein, daß, nachdem dies mit einem derart großen Medienspektakel versucht wurde zu belegen, hier ein Fehler eingestanden würde, selbst wenn sich Beweise für eine andere Identität fänden.

Wie News24 am Freitag berichtete, beginnen die ersten islamischen Geistlichen die beiden Brüder als "Märtyrer" zu bezeichnen, da sie die amerikanischen Invasoren bekämpft haben, so Scheich Maher Hammoud aus dem Libanon.

Am Samstag wurden erneut 3 amerikanische Soldaten bei einem Angriff getötet, die Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten US-Soldaten stieg damit auf 242.

Zumindest bisher hat der Tod der Brüder also keineswegs zu einer Schwächung des irakischen Widerstands, wie von den USA erhofft, geführt.




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