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Die Freiheit, sich anzupassen
07.07.2003









Am Sonntag veröffentlichte die Welt am Sonntag einen Artikel des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa über die derzeitige französische Diskussion freier Religionsausübung an Schulen.

Der französische Premierminister hatte kürzlich angekündigt, ein Gesetz einbringen zu wollen, daß es verbieten würde, in staatlichen Schulen Kleidung zu tragen, die einen religiösen oder politischen Charakter hat. Die Diskussion entzündete sich an mehreren Fällen, in denen moslemische Schülerinnen sich geweigert hatten, ihre Kopftücher abzunehmen.

Versucht Llosa zu Beginn des Artikels noch, sich als Liberalen darzustellen und die französische Diskussion und das französische Demokratieverständnis im allgemeinen lobt, zeigt sich bei genauerem Hinsehen recht schnell, wie sehr ihm die Freiheiten der Menschen am Herzen liegen. Nämlich nur so lange, wie sie mit ihm einer Meinung beziehungsweise Weltanschauung sind.

Er versucht in dem Artikel, einen Verbindung zwischen der freien Religionsausübung einer einzelnen Person - hier dem Tragen eines Kopftuchs (das im Text auch schon mal zu einem Schleier mutiert) - und der Trennung von Staat und Kirche in westlichen Demokratien herzustellen, da es sich ja schließlich um staatliche Schulen handelt.

Llosas Meinung nach ist das Tragen von Kopftüchern nur ein Einstieg:

"Der Appell an ‚Kultur und Identität' wird eindeutig überstrapaziert. Denn wenn man sich erst einmal auf dieses Argument eingelassen hat, ist ein gefährlicher Präzedenzfall für die Anerkennung auch anderer Praktiken und kultureller Merkmale geschaffen, die angeblich ebenso ‚essenziell' für eine Kultur sind: zum Beispiel arrangierte Hochzeiten, die von den Eltern ausgehandelt werden, Polygamie oder sogar Klitorisbeschneidungen", schreibt er und sieht "das Mittelalter bald wieder auferstehen."

Den islamischen Glauben bezeichnet er als "das verwirrte und demagogische Denken", das "eine ernste Bedrohung für die Zukunft der Freiheit." darstelle.

Die Ängste, die es zum Thema Einwanderung in Euopa gibt, sieht er als "ebenso abwegig wie unberechtigt" an und verlangt von Einwanderern, sich in Sitten und Gebräuchen und natürlich auch der Ausübungsweise ihrer Religion - deren Ausübung er selbstverständlich nicht verbieten will - anzupassen.

Llosa sieht im Tragen von Kopftüchern - offenbar aber nur, wenn es sich auch um moslemische Frauen handelt, bei alten Damen christlichen Glaubens stört ihn die Kopfbedeckung anscheinend nicht - eine Bedrohung von "Menschenrechten und dem Grundsatz von Freiheit und Toleranz".

Hier ein kleiner Auszug aus der Europäischen Menschenrechtskonvention:

§ 9 Gedanken- Gewissens - und Religionsfreiheit
(2) Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekennen, darf nur Einschränkungen unterworfen werden, die gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind für die öffentliche Sicherheit, zum Schutz der öffentlichen Ordnung, Gesundheit oder Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer.

Der Artikel schließt mit den Worten "Im Namen der Freiheit muss das islamische Kopftuch in den öffentlichen Schulen Frankreichs verboten werden."

Bleibt abzuwarten, ob es einen zweiten Artikel Llosas geben wird, der in einem weiteren Plädoyer für die Trennung von Staat und Kirche darauf pocht, daß auch jegliche christliche Symbolik aus staatlichen Schulen und anderen Einrichtungen entfernt wird. Seiner Logik zufolge müßten dann wohl auch alle Parteien, die das Wort "Christ" in der Bezeichnung führen, verboten werden.

Die Einschränkung von durch die Verfassung garantierten Freiheiten, um die Freiheit zu schützen ist ebenso absurd und muß ebenso scheitern wie die Führung von Kriegen, um den Frieden zu erhalten.




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