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Von alten und neuen Freunden
04.07.2003









Seit Tagen berichten die österreichischen Zeitungen darüber: der frühere irakische Außenminister Naji Sabri soll sich in Österreich aufhalten.

So schreibt der Standard, daß noch in Baghdad befindliche Verwandte Sabris der Zeitung die Telephonnummer eines Mobiltelephons übergeben habe, unter der Sabri zu erreichen sei. Hierbei handelt es sich nach Aussage der Zeitung um eine österreichische Telephonnummer, die auf den "Namen der Ehefrau eines Botschaftsangehörigen zugelassen" sei. Aha.

Anscheinend war die Redaktion dann aber doch diskret genug, die Nummer nicht einfach anzurufen, zumindest wird dies in dem Artikel nicht erwähnt.

Das österreichische Innenministerium sagte, man könne keinen richterlichen Beschluß zur Überprüfung der Rufnummer erhalten, da "gegen Naji Sabri in Österreich nichts vorliegt". Nun könnte man sich die Frage stellen, ob Österreich auch bei einem illegal eingereisten Ostafrikaner so reagieren würde.

Sabri, der sich nicht auf der amerikanischen Liste der meistgesuchten Iraker befindet, hat gute Beziehungen zu dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ). Personen aus dessen Umgebung als auch Sabris Verwandte sollen gesagt haben, daß die USA Sabri gern einen Posten in der irakischen Übergangsverwaltung geben würden.

Sabri war allerdings, wie bei seinem Posten als Außenminister auch gar nicht anders möglich, Mitglied und nach Aussage von Irakern auch fanatischer Anhänger der Baath-Partei. Der Partei, deren "fanatische Überbleibsel" nach amerikanischer Lesart für die immer häufiger und immer stärker werdenden Angriffe auf US-Soldaten im Irak verantwortlich sind.

In Baghdad gibt es nun Gerüchte, daß Sabri einer derjenigen war, die schon vor dem Fall Husseins mit den USA kooperiert hatten und dafür Vergünstigungen erhielten, unter anderem auch Reisen ins Ausland und eine neue Identität.

Immerhin schreibt der Standard, daß es "entsprechende Andeutungen von mit der Sache befassten Personen in Wien" gäbe, daß die USA sehr wohl wüßten, wo Sabri sich aufhält und auch mit ihm in Kontakt stünden.

Zusammenfassend kann man also sagen, daß es außer einigen Gerüchten wenig Beweise für die Behauptung gibt, zumindest dürfte sie aber geeignet sein, daß österreichische Ansehen etwas zu beschädigen. Der Schritt, dem Land vorzuwerfen, die Kriegsverweigerung wäre nur aus dieser tiefen Freundschaft heraus entstanden, ist zumindest naheliegend.

Auf der anderen Seite besteht natürlich die Möglichkeit, daß Sabri in Österreich nicht nur seinen alten Freund Jörg Haider besuchen möchte, sondern auch seine neuen amerikanischen.

Oder es handelt sich um eine sehr geschickt inszenierte Aktion, bei der die Amerikaner nur gewinnen konnten. Durch das Verbringen Sabris nach Österreich als Belohnung für seine "Kooperation" könnten sie so in der Lage gewesen sein, aus einer weiteren Zusammenarbeit Sabris wie auch aus einer Ablehnung ihren Nutzen zu ziehen.

Oder sind die Meldungen vielleicht doch eher erste Anzeichen für ein ernstes Sommerloch in der österreichischen Presselandschaft?




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