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AI beklagt Behandlung gefangener Iraker durch USA
30.06.2003









In einem am Montag veröffentlichten Bericht klagt Amnesty International die USA wegen vermutlicher Verletzungen internationaler Gesetze bei der Behandlung irakischer Gefangener an.

AI zeigte sich besorgt, daß hunderte gefangengenommer Iraker seit ihrer Festnahme, die teilweise schon zwei Monate zurückliegt, jeglicher Kontakt in die Außenwelt, einschließlich zu Angehörigen und Anwälten, verwehrt wird. Nur Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes haben Zugang zu den beiden Gefangenenlagern Camp Cropper auf dem Gelände des Flughafens von Baghdad und dem Abu Ghurayb Gefängnis.

Die Haftbedingungen könnten auf eine "grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung, die von internationalen Gesetzen untersagt ist" hinauslaufen, so AI.

AI berichtete von mehreren ehemaligen Gefangenen, die nach eigener Aussage unter den extrem schlechten Haftbedingungen gelitten hatten. Dazu zählte tagelange Unterbringung unter freiem Himmel ohne Schutz vor der Sonne, das Fehlen einer Möglichkeit für die Gefangenen sich zu waschen und das Verweigern einer Toilette.

Die Zwillingsbrüder Uday und Rafed Adel erzählten von der Zeit ihrer Gefangenschaft: "Sie befragten uns nicht und sie haben uns wie Tiere behandelt. In der ersten Woche durften wir uns nicht waschen und hatten nicht genug Wasser."

Nach 20 Tagen Gefangenschaft in Camp Cropper wurden sie ins Abu Ghurayb Gefängnis verlegt, obwohl man ihnen gesagt hatte, sie würden freigelassen werden. Dort wurden jeden Tag nur einige freigelassen, während der Rest nicht wußte, wie lange sie noch warten mußten. Am 12. Juni demonstrierten die Gefangenen gegen die Haftbedingungen und ihnen wurde versprochen, sie am nächsten Tag einzeln zu informieren, wie lange sie noch in Haft bleiben müßten. Am nächsten Tag durften sechs Männer gehen, die anderen erhielten aber wiedrum keine Informationen, was zu einer weiteren Demonstration führte. Die Wachen schossen daraufhin über ihre Köpfe. Ein Gefangener, Ala Jassem Saad wurde dabei in seinem Zelt erschossen und sieben weitere verletzt.

"Als Besatzungsmacht müssen die USA für die Einhaltung internationaler Menschenrechtsgesetze und Menschenrechtsstandards bei der Wiederherstellung von Recht und Ordnung im Irak, bei der Verhaftung, Inhaftierung und Befragung von Gefangenen sorgen und dafür Sorge tragen, daß Schußwaffen nur benutzt werden, wenn Leben in unmittelbarer Gefahr sind", so AI.

"Viele der am Flughafen gefangengehaltenen wurden fälschlich verhaftet und wieder freigelassen, nachdem sie mehrere Woche unter unmenschlichen Bedingungen in Gefangenschaft verbracht hatten. Was blieb waren Bitterkeit, Frustration und der Verlust des Vertrauens in die US-Justiz. Und da die Zahl der Verhaftungen steigt, steigt auch die Ungerechtigkeit", sagte Amnesty International.

AI berichtete weiter über eine ganze Reihe von Fällen, in denen aus Häusern, die von amerikanischen oder britischen Soldaten durchsucht worden sind, Geld gestohlen worden sein soll.

Im Fall von vier verhafteten Brüdern soll Bargeld und Wertsachen im Gesamtwert von 20.000 US-Dollar gestohlen worden sein. Der irakische Übersetzer, der bei der Durchsuchung anwesend war, sagte, er habe das Geld dem US-Leutnant übergeben, es wurde der Familie aber nicht zurückgegeben.

"Wenn eine neue Zukunft, in der Menschenrechte respektiert werden, gesichert werden soll, ist es von grundlegender Bedeutung, daß die gegenwärtige Regierung Transparenz und Verantwortlichkeit in allen Fällen von Menschenrechtsverletzungen, nicht nur in der Vergangenheit sondern auch in der Gegenwart, sicherstellt" fügte AI an.

Die in dem Bericht genannten Sorgen wurden am 26. Juni in einem Brief an Paul Bremer geschildert. Als erste Reaktion wurde von Seiten der amerikanischen Verwaltung zugesichert, daß die Haftbedingungen verbessert würden und Gefangene innerhalb von 72 Stunden Zugang zu einem Anwalt bekämen.




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