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Nachrichten, die man nicht überall findet.




"Wir können kein Risiko eingehen"
29.06.2003









Die britische BBC-Korrespondenten Tristana Moore berichtete am Samstag vom Tod eines 11 Jahre alten irakischen Jungen im Irak.

Muhannad hatte zusammen mit seiner 13-jährigen Schwester Sabrina an der Straße zwischen Baghdad und Basra gestanden.

Dann war er vor den Augen seiner Schwester auf einen der hier häufig vorbeikommenden amerikanischen Militärkonvois zugelaufen, um den Soldaten etwas zu verkaufen und wurde überfahren.

Die Soldaten hielten nicht an.

Die Reporterin fand Sabrina neben der Leiche ihres Bruders an der Straße stehend, als sie selbst auf dem Weg Richtung Süden war.

10 Minuten, nachdem Moore einen amerikanischen Soldaten gebeten hatte, Hilfe zu rufen, kamen Offiziere der Militärpolizei. Mittlerweile hatte eine größere Menge Iraker begonnen, sich an dem Ort anzusammeln und den Tod des Jungen zu beklagten.

Die Reporterin hörte, wie sich Soldaten in schußsicheren Westen und mit feuerbereiten Waffen unterhielten. Sie waren wegen der Situation besorgt und nervös.

"Wir können kein Risiko eingehen", sagte ein Soldat zu ihr. Im Gespräch mit ihr sagte er, daß sein Name Al war, er aus New York kam und eine Familie mit drei Kindern hatte.

"Ich bin seit fünf Monaten im Golf und ich bin all das leid. Wir sind jetzt zu Zielen geworden. Ich möchte nur noch zurück zu meiner Familie", sagte er, während er die sie umgebende Menge beobachtete.

Nach kurzer Zeit begannen die Angehörigen des Jungen, die Amerikaner zu beschuldigen.

"Ich dachte, sie wären hergekommen um uns zu beschützen und uns Sicherheit zu geben", sagte die Mutter Muhannads. "Statt dessen gibt es Tod und noch mehr Leid."

Der Übersetzer der Journalistin, Wissam, war ebenfalls wütend. "Warum haben die Amerikaner nicht angehalten, als sie merkten, daß sie ein Kind überfahren hatten?"

Die Antwort auf diese Frage dürfte in Als erstem Satz liegen. Auch der Fahrer des Fahrzeugs, durch das der Junge getötet worden war, wollte vermutlich kein Risiko eingehen.

Die Furcht vor jedem Iraker ist in den häufig gerade mal 20 Jahre alten amerikanischen und britischen Soldaten mittlerweile anscheinend so groß geworden, daß für Menschlichkeit kein Platz mehr bleibt.

Vermutlich war es ein Unfall. Vermutlich hatte der Fahrer einfach nur Angst, in einen Hinterhalt zu geraten. Und doch werden wieder mehrere dutzend Iraker den Glauben an ihre "Befreier" verloren haben.




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