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Senegal und die freie Wirtschaft
19.06.2003


Maxine Frith

http://news.independent.co.uk/world/africa/story.jsp?story=416827







Zur Mittagszeit essen Millionen von Menschen ihr Nationalgericht: Thieboudienne, eine Mischung aus Reis, Fisch, Tomaten, Zwiebeln und Erdnußöl.

Die Zutaten des einfachen Gerichts sind überall in dem Land reichlich vorhanden, aber ortsansässige Produzenten der Zutaten werden durch Importe billigerer, subventionierter Produkte aus Europa um ihren Lebensunterhalt gebracht.

Die Bauern im Senegal haben nicht die Maschinen und die Technologie, um konkurrieren zu können. Das führt dazu, daß Staaten wie der Senegal in einen Teufelskreis geraten, in dem billige Importe Menschen um ihren Arbeitsplatz bringen und sie so in die Armut treiben, so daß sie noch abhängiger von ausländischen Hilfen werden.

Drei Viertel der 10 Millionen Menschen im Senegal leben von der Landwirtschaft und Fisch ist das Hauptexportgut. 600.000 Menschen arbeiten in der Fischerei, aber diese Arbeitsplätze sind jetzt bedroht.

Ohne Geld für Schulen und Krankenhäuser verkaufte die senegalesische Regierung letztes Jahr die Fischfangrechte an ihren fischreichen Gewässern im Atlantik an die Europäische Union. Es gibt Befürchtungen, daß die Rechte für Garantien von Hilfslieferungen verkauft wurden.

Einheimische Fischer sollten ausschließliche Nutzungsrechte innerhalb einer 6-Meilen-Zone haben, die aber von den EU-Fischfängern immer wieder verletzt wird. Ibrahim Gueye, ein Fischer, sagte "Die Fische werden immer weniger. Früher brauchten wir nur ein paar Stunden zu fischen. Jetzt bleiben wir häufig für zwei oder drei Tage oder noch länger draußen. An manchen Tagen kommen wir ganz ohne Fische zurück."

Auch die Reisproduktion wird durch subventionierte Importe aus Asien und den USA behindert. Eine Maßnahme, die den Bauern kostenlosen Dünger zur Verfügung stellte, wurde durch die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds gestoppt. Im Flußtal des Senegal sind 240.000 Hektar für den Reisanbau vorgesehen, aber nur 10.000 Hektar werden aufgrund der Subventionen auch tatsächlich genutzt.

Mamadou Niang ist ein 36-jähriger Reisbauer mit vier Kindern. Sein Einkommen reichte letztes Jahr nur für fünf Monate und so mußte er anfangen, seine Ziegen zu verkaufen. "Ich baue seit 16 Jahren Reis an, aber ich weiß nicht, wie lange ich noch damit weitermachen kann" sagt er.

Der örtliche Imam, der zuhörte, sagte: "In unserem Dorf geht es allen so wie Mamadou."

Als staatliche Industrie waren die für Erdnußöl fest und wurden von der Regierung garantiert. Letztes Jahr zwand die Weltbank die Industrie aber zur Privatisierung und billigere Importe von französischem Sonnenblumenöl unterbieten die einheimischen Produzenten.

Auch die Tomatenzüchter werden durch billigere italienische Importe aus dem Geschäft gedrängt. Südeuropäische Tomatenzüchter erhalten jährlich Subventionen in Höhe von 380 Millionen Euro von der EU.

Selbst der Zwiebelanbau ist im Senegal zu einem Problem geworden. Im Land gezogene Zwiebeln sind von guter Qualität, während die Importe aus Holland häufig von europäischen Supermärkten abgelehnte Ware ist. Aber die holländischen Waren haben den Markt überflutet und schlagen die einheimische Konkurrenz.

Jeder vierte im Senegal lebt von weniger als einem US-Dollar am Tag. Nach Aussage von Oxfam, einer unabhängigen Hilfsorganisation verlieren die Entwicklungsländer auf jeden US-Dollar, den sie an Hilfen bekommen, zwei durch unfairen Handel.

Andrew Pendleton von Christian Aid sagte: "Das Problem ist, daß diese Leute nicht gelehrt oder ermuntert werden oder es auch nur zugelassen wird, daß sie an einem gerechten Wettbewerb teilnehmen. Das ist ein Rezept für eine Katastrophe für tausende von senegalesischen Erzeugern.

Reiche Länder, einschließlich der britischen Regierung, sagen, daß Entwicklungsländer wie der Senegal ‚freien und gerechten Handel' brauchen, um sie aus der Armut zu befreien. Aber im Moment werden die armen Länder gezwungen, ihre Märkte für Importe zu öffnen - von denen viele aus Ländern kommen, in denen den Produzenten große Subventionen gezahlt werden - während sie daran gehindert werden, ihre eigenen Industrien und Landwirtschaften zu unterstützen."








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