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USA verhandeln mit Taliban
14.06.2003









Wie die Asia Times am Samstag berichtete http://www.atimes.com/atimes/Central_Asia/EF14Ag01.html, ist es aufgrund der fortgesetzten und schwerer werdenden Kämpfe in Afghanistan zu Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban gekommen.

Einer pakistanischen Quelle zufolge soll auf der pakistanischen Luftwaffenbasis Samungli in der Nähe von Quetta ein Treffen zwischen Repräsentanten des pakistanischen Geheimdienstes ISI, des amerikanischen FBI und Führern der Taliban, wegen derer von den USA angeschuldigten Unterstützung Osama bin Ladens Afghanistan angegriffen worden war, gekommen sein.

Der Quelle zufolge wurden den Taliban vier bedingungen gestellt, bevor es zu einer Aussöhnung kommen könnte, die vermutlich dazu führen würdem daß sie einen Teil der Macht in Kabul übernehmen würden:

- Mullah Omar darf nicht oberster Führer der Taliban bleiben.

- Alle pakistanischen, arabischen und anderen ausländischen Kämpfer, die momentan in Operationen gegen die internationalen Streitkräfte in Afghanistan verwickelt sind, müssen das Land verlassen.

- Alle gefangengehaltenen amerikanischen und internationalen Soldaten müssen freigelassen werden.

- Afghanen, die derzeit im Ausland leben, insbesondere in den USA und Großbritannien, müssen die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung durch Wahlen erhalten, ungeachtet der Tatsache, daß viele von ihnen die afghanischen Sprachen nicht beherrschen.

Die Taliban lehnten den ersten Punkt erwartungsgemäß rundheraus ab, zeigten sich bei den anderen Punkten aber verhandlungsbereit. Bei diesem ersten Kontakt kam es zwar zu wenig Fortschritten, weitere Treffen sind aber zu erwarten, auch wenn hierüber nichts bekannt ist.

Der Grund für das Treffen ist sicherlich die wachsende Zahl von Angriffen auf amerikanische und andere Soldaten. Nadelstichartige Anschläge gehören in vielen Teilen des Landes mittlerweile zum Tagesbild dazu und in dem Gebiet um Kandahar im Süden kommt es sogar zu offenen Konfrontationen.

Menschen zufolge, die sich mit den afghanischen Widerstandsbewegungen auskennen, ist die, die in den letzten 1 Jahren nach dem Fall der Taliban entstanden ist, ungefähr vier Mal so stark wie die, die die Sowjets fast ein Jahrzehnt lang bekämpft hat.

Die ehemalige Regierung der Taliban, die sich nach der Kapitulation über das Land verteilt hat, wird von der einflußreichsten Macht in Afghanistan unterstützt, den Geistlichen und den Studenten. Seit der Zeit des Widerstands Anfang der 80er gegen die sowjetische Invasion haben sie die Widerstandskämpfer unterstützt, die gegen die Besatzer im Land vorgingen.

Nach der Vertreibung der Sowjets ergriffen die religiösen Taliban die Macht.

Nach seiner Rückkehr aus seinem iranischen Exil hat der berühmte Kriegsherr Gulbbudin Hekmatyar sich nun der Widerstandsbewegung angeschlossen. Seine Hezb-i-Islami Afghanistan (HIA) ist die bestorganisierte Streitmacht in Afghanistan und seine Teilnahme hat den Widerstand entscheidend gestärkt. Viele hohe Posten der Regierung in Kabul sind mit ehemaligen Mitgliedern der HIA besetzt, die, obwohl sie gegen die Taliban waren, loyal der islamischen Sache gegenüber und antiamerikanisch sind. Auch viele Provinzgouverneure und höchste Beamte sind frühere Kommandeure der HIA. In den Augen der Amerikaner sind sie zwar verdächtig, es ist aber aufgrund ihres großen Einflusses nicht möglich, sie zu entfernen.

Durch dieses große Maß an Unterstützung für den Widerstand bleibt die Lage für die Besatzer kritisch. Afghanistanexperten nach sind es Situationen wie diese, in denen es in der afghanischen Armee zu Aufständen gegen ausländische Verwalter kommt.

Aber das ist noch nicht das Ende der Probleme. Über zwei Millionen afghanische Flüchtlinge sind nach UN-Angaben in das Land zurückgekehrt. Viele von ihnen gehörten während und nach der sowjetischen Besatzung zu kommunistischen Fraktionen.

Momentan ist Kabul in zwei große Fraktionen gespalten. Auf der einen Seite die amerikafreundliche des Präsidenten Hamid Karzai, auf der anderen Seite die rußland- und iranfreundliche der Nordallianz, vertreten durch den Verteidigungsminister General Qasim Fahim. Die Lager arbeiten zwar derzeit zusammen, versuchen aber beide, ihre Machtposition auszubauen, damit sie im Oktober bei der Schaffung der "loya jirga" [große Versammlung] die Macht komplett übernehmen können.

Unter dem Aspekt ist jeder heimkehrende "kommunistische Genosse" wichtig, denn sollte die Nordallianz eine kritische Masse erreichen wäre es keine Überraschung, wenn ihre Anführer sich zu einer Allianz mit der Widerstandsbewegung entschließen sollten.








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