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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Zahl der Zwischenfälle mit irakischen Zivilisten steigt
20.06.2003


Rémy Ourdan

http://www.lemonde.fr/article/0,5987,3218--324459-,00.html







Mohammed Salah zeigt sein blutbeflecktes weißes Hemd. "Das Blut unserer Märtyrer!", schreit er, "das Blut des irakischen Volkes!" Leute beginnen zu rufen. "Bush ist ein Mörder! Bush ist ein Mörder!" Die Menge bewegt sich vorwärts, zieht sich dann wieder zurück.

Die US-Soldaten richten die Mündungen ihrer Waffen auf die Demonstranten, dann heben sie sie wieder gen Himmel. Die Menge bewegt sich wieder vorwärts. Ein Mann wirft sich zu Boden und wirft eine Handvoll Staub in die Luft. "Unser irakischer Boden!", ruft er. "Der irakische Boden gehört den Irakern, nicht den Amerikanern!" Vor ein paar Tagen hatte eine der vielen Zeitungen, die in Baghdad nach dem Ende des Krieges gegründet worden sind, angekündigt, daß der amerikanische Verwalter Paul Bremer, der die Schließung des irakischen Verteidigungsministeriums angeordnet hatte, plante, jedem arbeitslosen Soldaten 50 US-Dollar als eine erste Zahlung zu geben.

Das Problem ist, daß die Zeitungen, aus Mangel an Nachrichten, jeden Morgen so etwas wie eine Sammlung der Gerüchte der Stadt veröffentlichen. Davon überzeugt, daß Mr. Bremer nicht 400.000 Militärfamilien über Nacht ihres Einkommens berauben kann und daß der Zahltag gekommen war, sind am 18. Juni 300 Männer zum Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Baghdad gekommen. Dort sagte ihnen ein höchst irritierter Offizier, daß sie "in zwei oder drei Tagen" zurückkommen sollten um nach Neuigkeiten zu fragen.

Die gekündigten Soldaten waren aufgebracht. Einige begannen, die US-Soldaten zu beleidigen. Die Spannungen stiegen an. Als ein amerikanischer Konvoi vor dem Palast ankam, wurde er umringt als er gezwungen war, durch die Menge zu fahren um zu seiner Basis zurückzukehren. "Sie haben Steine nach unseren Soldaten geworfen" sagte Major Scott Slaten. "Wir haben nur mit einigen Steinen gewunken" sagte Mohammed Salah. Die Diskussion, wer angefangen hat ist noch nicht beendet.

Was aber sicher ist, ist daß ein amerikanischer Soldat, eine Frau, Angst bekam. Sie feuerte Warnschüsse ab. Fast sofort danach zielte ein anderer Soldat auf die Menge. Zwei Männer gingen zu Boden: einer war sofort tot, der andere war schwer verwundet. Er starb kurz danach. Ihre Freunde trugen sie zur anderen Straßenseite, in den Schatten eines Baumes. Dann, als sie ihren Zustand sahen, brachten sie sie zurück zu den amerikanischen Soldaten damit sie behandelt wurden. Die Soldaten brachten sie direkt ins Militärkrankenhauses des Republikanischen Palastes.

Vorfälle zwischen amerikanischen Soldaten und Irakern, bewaffnet oder unbewaffnet, sind jetzt an der Tagesordnung. Und sie enden häufig tödlich. Von 51 Soldaten, die im Irak gestorben sind seit George W. Bush am 1. Mai den Krieg für beendet erklärte, sind 16 bei Zusammenstößen mit der Bevölkerung getötet oder von Milizen erschossen worden. Eine Stunde nach der Schießerei am Republikanischen Palast wurde ein Soldat getötet und ein weiterer verletzt. Ein Auto war an die Amerikaner mit geöffneten Fenstern herangefahren, dann wurden sie niedergeschossen.

Diese beiden Vorfälle scheinen angesichts der kurzen Zeitspanne zwischen ihnen keinen Zusammenhang zu haben. Nach Ansicht der US Army haben die Soldaten das Feuer "zur rechtmäßigen Selbstverteidigung" eröffnet. Wie Major Slaten kurz nachdem im Palast wieder Ruhe eingekehrt war, sagte: "Ein Stein kein viel Schaden anrichten..."

Das Unverständnis scheint komplett zu sein. Unter Saddam Hussein waren fast 10 Prozent der Bevölkerung in der Armee. Heute können diese Männer nicht begreifen, daß die Amerikaner, nachdem sie den Krieg so leicht gewonnen haben, die Soldaten und ihre Familien "bestrafen", indem sie ihnen die Gehälter und die Pensionen entziehen. Es stimmt, es waren nur 300 Demonstranten vor dem jetzt "Bremers Palast" genannten Hauptquartier, aber die Unzufriedenheit über die amerikanischen Streitkräfte greift um sich. "Wir waren die Armee des Iraks, nicht Saddams", sagt Mohammed Salah und fügt hinzu: "90 Prozent dieser Männer haben nicht gegen die Amerikaner gekämpft." Er tat es. Der Mann mit dem blutbefleckten Hemd war ein Offizier der Spezialtruppe der Republikanischen Garden, der Elitetruppe, die direkt unter dem Befehl von Saddam Husseins ältestem Sohn, Qusay, stand. Er sagt, er habe in Dora gekämpft, kurz nach dem Fall des Flughafens. "Dann hörten wir sehr bald auf zu kämpfen. Wir haben Baghdad den Amerikanern übergeben. Wir haben Saddam nicht verteidigt. Und so danken die Vereinigten Staaten es uns?"

Einige von Mohammeds Genossen können sich ein Grinsen aber nicht verkneifen... Einige der Demonstranten sagen, die Amerikaner würden für "die Hinrichtung" ihrer zwei Freunde mit Blut bezahlen müssen. "In der nächsten Nacht oder der übernächsten, wann auch immer, wir werden wiederkommen und einige Palastwachen erschießen" verspricht Ahmed. "Unsere Freunde werden gerächt werden. Die amerikanische Armee muß den Irak verlassen!"

Die Wiederkehr der Ruhe in einem durch die Hitze des Sommers gelähmten Baghdad ist nichts, worum sich die Männer sorgen. Für sie ist das, was zählt, die Erniedrigung durch die Besetzung des Landes, die Erniedrigung durch Arbeitslosigkeit, von Stromversorgung, die noch immer nicht wiederhergestellt ist, dem Kind, das nach Klimatisierung schreit, den Lebensmitteln, die zu Ende gehen. "Sei vorsichtig" warnt Mohammed. "Ein Mann, der zu weit erniedrigt wird kann gefährlich werden."








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