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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Für die Menschen auf den Straßen ist es keine Befreiung sondern eine neue Kolonialmacht

Robert Fisk
http://argument.independent.co.uk/commentators/story.jsp?story=397925




Amerikas 'Befreiungskrieg' mag beendet sein, aber der irakische Krieg, um sich von der Amerikanern zu befreien fängt erst an.


Es geht schneller schief, als sich irgendjemand hätte vorstellen können. Die 'Befreiungsarmee' hat sich schon in eine Besatzungsmacht gewandelt. Die Shiiten drohen in einem eigenen 'Befreiungskrieg' die Amerikaner zu bekämpfen.

Nachts sind in Sadr City die shiitischen Barrikaden mit 14 Männern, bewaffnet mit automatischen Waffen, besetzt. Selbst die US-Marines in Baghdad sprechen über die Beleidigungen, die man ihnen entgegenschleudert. "Hau ab! Ich will dich nicht mehr sehen!" schrie gestern in Baghdad ein amerikanischer Soldat einen Iraker an, der sich einem Drahtzaun um eine Infanterieeinheit näherte. Ich sah die Wut im Gesicht des Mannes. "Gott ist größer! Gott ist größer!" erwiderte der Iraker.

"Fuck you!"

Die Amerikaner haben jetzt eine "Botschaft an die Bewohner von Baghdad" herausgegeben, ein Dokument, das in seinem Ton ebenso kolonialistisch wie unsensibel ist. "Bitte vermeiden sie es, ihre Wohnungen in der Zeit zwischen dem Abendgebet und dem Ruf zum Morgengebet zu verlassen. Während dieser Zeit bewegen sich sowohl mit dem ehemaligen Regime Saddam Husseins verbundene Terroristen als auch diverse kriminelle Elemente bekanntermaßen in den Straßen. Bitte verlassen sie ihre Wohnung nicht in dieser Zeit. Bitte nähern sie sich jederzeit nur mit äußerster Vorsicht militärischen Stellungen der Koalition..."

Jetzt also - ohne Elektrizität oder fließendes Wasser - befiehl man den Millionen von Irakern zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang in ihren Häusern zu bleiben. Eingesperrt. Es ist eine Art von Gefängnis. In ihrem eigenen Land. Vom Kommando der 1st US Marine Division geschrieben, ist es, außer dem Namen nach, eine Ausgangssperre.

"Wenn ich ein Iraker wäre und das lesen würde, würde ich ein Selbstmordattentäter werden", rief mir eine Frau zu. Und überall in Baghdad hört man das gleiche, daß die Amerikaner nur des Öls wegen gekommen seien und daß bald - sehr bald - eine Guerilla anfangen muß Widerstand zu leisten. Es besteht kein Zweifel, daß die Amerikaner diese Angreifer als "Überbleibsel" des alten Regimes oder als "kriminelle Elemente" bezeichnen werden. Aber das wird nicht stimmen.

Offiziere der Marines sprachen gestern in Baghdad mit einem militanten shiitischen Geistlichen aus Najaf um den Ausbruch von Kämpfen in der heiligen Stadt zu verhindern. Ich traf den Prälaten vor Verhandlungsbeginn und er sagte mir daß "sich die Geschichte wiederholt". Er sprach von der britischen Invasion von 1917, die für die Briten in einem Desaster endete.

Es gibt überall Zeichen des Zusammenbruchs. Und überall gibt es Zeichen, daß die amerikanischen Versprechen von "Freiheit" und "Demokratie" ignoriert werden.

Iraker fragen sich, warum die USA das gesamte irakischen Kabinett hat fliehen lassen. Und sie haben Recht. Nicht nur das Ungeheuer von Baghdad und seine zwei Söhne, Qusay und Uday sind verschwunden, auch der Vizepräsident Taha Yassin Ramadan, der stellvertretende Premierminister Tariq Aziz, Saddams persönlicher Berater Dr A. K. Hashimi, die Minister für Verteidigung, Gesundheitswesen, Wirtschaft, Handel, sogar Mohammed Saeed al-Sahaf, der Informationsminister, der, vor langer Zeit, bevor sich die Journalisten mit ihm angefreundet hatten, der offizielle Sprecher war, der während der Säuberungsaktionen nach Saddams Revolution die Liste der exekutierten "Brüder" verlies. Angehörige von Gefangenen hätten sich am liebsten vor jeder seiner Ansprachen unter Valium gesetzt.

Das ist, was die Baghdader wahrnehmen, und was alle Iraker in den großen Städten wahrnehmen. Nehmen sie den riesigen Sicherheitsapparat mit dem sich Saddam umgab, die Folterkammern und die Bürokratie, auf der sie begründet waren. Präsident Bush sagte, daß das Ziel die Durchsetzung der Menschenrechte im Irak wäre, daß die Schuldigen und die Kriegsverbrecher gefangengenommen und verurteil werden würden. Die 60 Hauptquartiere der Geheimpolizei in Baghdad sind leer, selbst der acht Quadratkilomer große Komplex des Hauptquartiers des irakischen Geheimdienstes.

Ich habe viele von ihnen besucht. Aber es gibt keinen Hinweis, daß auch nur ein einzelner britischer oder amerikanischer Untersuchungsbeamter an den Orten war um sich die Unmengen an Dokumenten dort anzusehen oder mit den ehemaligen Gefangenen zu sprechen, die an den Ort ihrer Folterungen zurückkehrten. Ist es Untätigkeit oder ist es beabsichtigt?

Nehmen sie die Qasimiyeh Sicherheitsstation am Tigris. Es ist eine schöne Villa, die einst einem im Iran geborenen Iraker gehörte, der in den 80ern in den Iran deportiert wurde. Es gibt einen kleinen Rasen und ein Gebüsch und anfangs nimmt man die drei großen Haken in jeder Decke oder die Tatsache, daß die Fenster mit Postern von Fußballspielern verklebt wurden, um die Räume vor neugierigen Blicken zu schützen, gar nicht wahr. Aber verteilt auf dem Boden, im Garten, auf dem Dachboden liegen die Akten dieses Ortes des Leidens. In ihnen steht beispielsweise, daß der Leiter der Folterkammer Hashem al-Tikrit war und sein Stellvertreter Rashid al-Nababy hieß.

Mohammed Aish Jassem, ein ehemaliger Gefangener, zeigte mir, wie er von Captain Amar al-Isawi, der glaubte, Jassem wäre Mitglied der religiösen Dawa-Partei, an die Decke gehängt worden war. "Sie haben mir die Hände so auf den Rücken gebunden und haben mich dann an meinen Handgelenken in die Luft gehoben. Sie benutzten eine kleine Winde um mich bis unter die Decke zu ziehen, um dann das Seil lockerzulassen, in der Hoffnung, ich würde mir beim Fall die Schulter brechen."

Die Haken in der Decke befinden sich genau vor Captain Isawis Schreibtisch. Mir wurde klar, was das bedeutete. Es gab nicht eine separate Folterkammer und ein Büro für die Schreibarbeiten. Das Büro war die Folterkammer. Während der Mann oder die Frau über ihm vor Schmerzen schrie unterschrieb Captain Isawi Papiere, telephonierte, rauchte - dem Inhalt seines Papierkorbs nach zu schließen - viele Zigaretten und wartete auf die Informationen, die er von seinen Gefangenen bekommen wollte.

Waren diese Männer Ungeheuer? Ja. Werden sie von dem Amerikanern gesucht? Nein. Arbeiten sie für die Amerikaner? Wahrscheinlich ja. Einige von ihnen warten wahrscheinlich in der Reihe der ehemaligen Sicherheitsleute, die sich jeden Morgen vor dem Palestine Hotel bildet um von der US-Marines-Einheit für zivile Angelegenheiten wiederangestellt zu werden.

Die Namen der Wächter des Qasimiyeh Folterzentrums in Baghdad stehen in den Papieren auf dem Boden. Sie waren Ahmed Hassan Alawi, Akil Shaheed, Noaman Abbas und Mohammed Fayad. Aber die Amerikaner haben sich nicht darum gekümmert. Und so können sich die Herren Alawi, Shaheed, Abbas und Fayad gerne bewerben, um für sie zu arbeiten.

Auf den Schreibtischen und in den Regalen liegen Gefangenenausweise. Was passierte mit Wahid Mohamed, Majid Taha, Saddam Ali oder Lazim Hmoud? Eine Frau im schwarzen Schador näherte sich dem alten Folterzentrum. Vier ihrer Brüder waren hierher gebracht worden und später, als sie fragte, was mit ihnen passiert sei, sagte man ihr, alle vier wären exekutiert worden. Man befahl ihr zu gehen. Sie sah niemals ihre Leichen oder konnte sie beerdigen. Ehemalige Gefangene erzählten mir von einem Massengrab in der Khedeer-Wüste, aber niemand, am allerwenigsten die neuen Besatzer Baghdads, versucht es zu finden.

Und die Menschen, die unter Saddam gelitten haben? Was sagen sie? "Wir haben nichts getan" sagte mir ein 40-Jähriger, zu dessen Aufgaben im Gefängnis es gehörte, das Schafott nach jeder Hinrichtung vom Blut und den Fäkalien der Gehenkten zu reinigen. "Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen. Warum haben sie uns das angetan?"

"Richtig, Amerika hat uns von Saddam befreit. Aber der Irak gehört uns. Unser Öl gehört uns. Wir werden unsere Nationalität behalten. Die Ameriakner müssen gehen."

Wenn die Amerikaner und die Briten die Natur der religiösen Opposition hier verstehen wollen, brauchen sie sich nur die Akten von Saddams Geheimdienst ansehen. Ich fand eine, Bericht Nr. 7481, datiert auf den 24. Februar diesen Jahres über den Konflikt zwischen Scheich Mohammed al-Yacoubi und Mukhtada Sadr, den 22-jährigen Enkel von Mohammed Sadr, der auf Saddams Befehl hin vor über zwei Jahrzehnten hingerichtet worden war.

Der Streit zeigt die Leidenschaft und die Entschlossenheit, mit der die shiitischen Führer sich sogar gegenseitig bekämpfen. Aber natürlich hat sich niemand die Mühe gemacht, das Material zu lesen oder auch nur danach zu suchen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs durchstöberten deutsch sprechende britische und amerikanische Geheimdienstoffiziere jedes Dokument in den tausenden von Gestapo- und Abwehrbüros in Westdeutschland. Die Russen taten in ihrem Gebiet das gleiche. Im Irak aber haben die Briten und Amerikaner die Beweise einfach ignoriert.

Es gibt in Baghdad sogar einen noch schrecklicheren Ort: das Hauptquartier des Geheimdienstes, ein von den USA bombardierter massiver, grauer Klotz und eine Reihe von Villen und Bürogebäuden, alle mit Akten, Papieren und Verzeichniskarten vollgestopft. Hier wurden Saddams besonderen politischen Gefangene hergebracht um sie zu befragen, wobei Strom eine wichtige Rolle spielte und hier wurde Farzad Bazoft, der Korrespondent des Observers zur Befragung hergebracht bevor man ihn dem Henker überstellte.

Das Gebiet zeichnet sich aus durch sorgfältig beschattete Wege, eine Krippe für die Familien der Folterer und eine Schule, in der ein Schüler einen englischen Aufsatz über Becketts "Warten auf Godot" geschrieben hat. Es gibt auch ein kleines Krankenhaus und eine Straße mit dem Namen "Freedom Street", Blumenbeete und Bougainvilleen. Es ist der gruseligste Ort im ganzen Irak.

Ich traf ungewöhnlicherweise einen irakischen Nuklearwissenschaftler, einen Kollegen des frühreren Leiters der irakischen Nuklearforschung, Dr. Sharistani, wie er auf dem Gelände umherging. "Das ist der letzte Ort, den ich je hätte sehen wollen und ich werde nie wieder hierher zurückkehren", sagte er mir. "Dies war der Ort des ultimativen Bösen in der Welt."

Die Sicherheitsleute in Saddams Regime waren in den letzten Stunden damit beschäftigt, Millionen von Dokumenten zu vernichten. Ich fand auf der Rückseite einer Villa einen großen Haufen von Abfallsäcken, jeder mit den Schnipseln von tausenden von Dokumenten vollgestopft. Sollte man sie nicht nach Washington oder London bringen um sie wieder zusammenzusetzen und ihnen so ihre Geheimnisse zu entreissen?

Selbst die unbeschädigten Akten enthalten Mengen an Informationen. Aber die Amerikaner hat es wiederum nicht interessiert - oder sie wollten es nicht - diese Papiere zu durchsuchen. Wenn sie es getan hätten, hätten sie die Namen dutzender hochrangiger Geheimdienstleute gefunden, viele davon in Glückwunschschreiben, die sie sich gegenseitig bei jeder Beförderung schrieben. Wo sind zum Beispiel Colonel Abdulaziz Saadi, Captain Abdulsalam Salawi, Captain Saad Ahmed al-Ayash, Colonel Saad Mohammed, Captain Majid Ahmed und all die anderen? Wir werden es vielleicht nie erfahren. Oder vielleicht sollen wir es auch nie erfahren.

Die Iraker haben recht, wenn sie die Amerikaner fragen, warum sie nicht nach diesen Informationen suchen, ebenso wie sie recht haben, wenn sie fragen, warum das ganze Kabinett Saddams - jeder einzelne von ihnen - entkommen ist. Die Gefangennahme von Abu Abbas, Saddams Halbbruder und alternder palästinensischer Terrorist, dessen letzter Akt der Gewalt 18 Jahre zurückliegt ist dafür eine lächerliche Entschädigung.

Und es gibt eine weitere Frage, die die Iraker stellen und auf die ich keine Antwort weiß. Am 8. April, drei Wochen nach Beginn der Invasion, ließen die Amerikaner vier 2000-Pfund Bomben auf die Baghdader Wohngegend Mansur fallen. Sie behaupten, sie hätten gedacht, Saddam würde sich dort verstecken. Sie wußten, daß sie dabei Zivilisten töten würden, denn es war kein, wie es ein CentCom-Mandarin nannte "risikofreies Unternehmen" (sic). Also ließen sie ihre Bomben fallen und töteten 14 Zivilisten in Mansur, die meisten von ihnen Angehörige einer christlichen Familie.

Die Amerikaner sagen, sie könnten nicht sicher sein, daß sie Saddam getötet hätten bis sie den Ort untersucht hätten. Aber das ist eine Lüge.Ich war vor zwei Tagen dort. Nicht ein einziger britischer oder amerikanischer Beamter war gekommen, um die Bombenkrater zu untersuchen. Als ich dort ankam lag ein Geruch von Fäulnis in der Luft und Familien versuchten, die Überreste eines Babys aus dem Schutt zu ziehen.

Kein amerikanischer Offizier hat sich für diese schreckliche Ermordung entschuldigt. Und ich kann ihnen versichern, daß das Baby, das man unter eine Plastikfolie legte definitiv nicht Saddam Hussein war. Hätte es sie gekümmert, sich diesen Ort anzusehen, wie sie behaupteten, hätten sie zumindest das Baby gefunden. Jetzt sind die Krater ein Pilgerort für die Menschen von Baghdad.

Dann sind da noch die Brände, die sowohl jedes Ministerium der Stadt - mit Ausnahme natürlich, des Innen- und des Ölministeriums - als auch Büros der UN, Botschaften und Einkaufszentren vernichtet haben. Ich habe insgesamt 35 ausgebrannte Ministerien gezählt. Und die Zahl steigt weiter.

Gestern besuchte ich das Ölministerium, das aufmerksam von US-Truppen bewacht wird. Einige von ihnen hielten sich Stoff vor das Gesicht um sich vor dem Rauch des danebenliegenden Ministeriums für landwirtschaftliche Bewässerung zu schützen. Kaum zu glauben, daß sie nicht gemerkt haben, als jemand das Nachbargebäude in Brand steckte, oder?

Dann sah ich drei Kilometer entfernt ein weiteres Feuer. Als ich dort ankam sah ich Flammen aus allen Fensters der Abteilung für Computerwissenschaft des Bildungsministeriums schlagen. Und genau daneben stand ein US-Marine an eine Wand gelehnt, der sagte, er würde ein nahegelegenes Krankenhaus bewachen und wüßte nicht, wer das Feuer neben ihm gelegt habe, denn "man kann ja nicht überall gleichzeitig hinsehen".

Ich bin mir sicher, daß mich der Marine nicht veralbert oder angelogen hat - sollten die Amerikaner mir nicht galuben, es war Corporal Ted Nyholm des 3rd Regiment, 4th Marines und ja, ich habe seine Verlobte Jessica in den Staaten angerufen um ihr zu sagen, daß er sie liebt - aber etwas läuft sehr falsch wenn man US-Soldaten befiehlt, einfach zuzusehen und nichts zu tun, wenn zahlreiche Ministerien von Mobs niedergebrannt werden.

Denn es gibt noch etwas gefährlichereres - und sehr beunruhigendes - an den Gruppen, die die Gebäude Baghdads, eingeschlossen die großen Büchereien und die Staatsarchive, anzünden. Denn es sind keine Plünderer. Die Plünderer kommen als erste. Die Brandstifter kommen später, häufig in blau-weißen Bussen. Ich folgte einem von ihnen nachdem seine Insassen das Handelsministerium in Brand gesetzt hatten und er raste aus der Stadt.

Die offizielle Erklärung für all die Plünderungen ist Rache - eine Erklärung, die immer dünner wird - und daß die Feuer durch "Überbleibsel von Saddams Regime" gelegt werden, zweifellos die gleichen "kriminellen Elemente", die sich auch in den Ausgangssperren der Marines wiederfinden. Aber die Menschen in Baghdad glauben nicht, daß Saddams frühere Unterstützer die Feuer legen. Und ich glaube es auch nicht.

Die Plünderer verdienen mit ihrem Tun Geld aber die Brandstifter müssen bezahlt werden. Die Passagiere in den Bussen werden eindeutig zu ihren Zielen gefahren. Wenn sie Saddam im Voraus bezahlt hätte, würden sie die Brände nicht legen. Im Moment seines Verschwindens würden sie das Geld einstreichen und die ganze Sache vergessen.

Also wer sind diese Leute, diese Armee von Brandstiftern? Ich erkannte gestern einen von ihnen, einen unrasierten Mann mittleren Alters in einem roten T-Shirt und als er mich das zweite Mal sah richtete er seine Kalaschnikow auf mich. Wovor hatte er Angst? Für wen arbeitete er? In wessen Interesse liegt es, die komplette Infrastruktur des Staates und sein ganzes kulturelles Erbe zu zerstören? Warum haben die Amerikaner das nicht verhindert?

Wie ich schon sagte, läuft in Baghdad etwas fürchterlich falsch und etwas geht vor, das es erforderlich macht, der Regierung der Vereinigten Staaten einige ernste Fragen zu stellen. Warum beispielsweise behauptete Verteidigungsminister Donald Rumsfeld letzte Woche, es gäbe keine großangelegten Plünderungen oder Zerstörungen in Baghdad? Seine Behauptung war eine Lüge. Warum machte er sie?

Die Amerikaner sagen, sie hätten nicht genug Männer, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen. Auch das ist nicht wahr. Wenn sie sie nicht haben, was machen dann die hunderten von Soldaten, die am Denkmal des Iran-Irak-Krieges stationiert sind, den ganzen Tag? Oder die hunderte, die in den Rosengärten des Präsidentenpalastes lagern?

Und so fragen sich die Menschen in Baghdad, wer hinter all der Zerstörung ihres kulturellen Erbes steckt, der Plünderung der archäologischen Schätze des Nationalmuseums, dem Niederbrennen der gesamten ottomanischen, königlichen und Staatsarchive, der Koranbibliothek und der Infrastruktur des Landes, von der wir behaupten, wir würden sie für sie schaffen.

Warum, fragen sie, haben sie immer noch keinen Strom und kein Wasser? In wessen Interesse ist es, wenn der Irak eingerissen, geteilt, verbrannt, seiner Geschichte beraubt und zerstört wird? Warum geben ihnen ihre so genannten Befreier Befehle für eine Ausgangssperre?

Und nicht nur die Menschen in Baghdad stellen diese Fragen, sondern auch die Shiiten von Najaf und Nasiriyah - wo am Mittwoch 20.000 Menschen gegen die Einsetzung einer Marionettenregierung protestierten. Jetzt gibt es Plünderungen in Mosul, wo Berichten zufolge tausende das Auto des proamerikanischen Gouverneurs anzündeten nachdem er versprach, daß die USA bei der Wiederherstellung der Stromversorgung helfen würde.

Es ist einfach für einen Reporter, den Untergang zu prophezeien, ganz besonders nach einem brutalen Krieg ohne internationale Legitimation. Aber im Mittleren Osten erwartet den Optimisten, insbesondere wenn es falsche Optimisten sind, die ölreiche Länder unter ideologischen Entschuldigungen, hochtrabenden Moralvorstellungen und unbewiesenen Beschuldigungen wie dem Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen angreifen, das Verhängnis. Also mache ich eine furchtbare Vorhersage: daß der amerikanische "Befreiungskrieg" vorüber ist. Der irakische Befreiungskrieg wird bald beginnen. Mit anderen Worten beginnt die wirkliche und furchterregende Geschichte erst jetzt.





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