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Wie der Weg in den Krieg mit Lügen geebnet wurde

Raymond Whitaker
http://news.independent.co.uk/world/politics/story.jsp?story=400805





Die Vorbereitungen für den Einmarsch in den Irak um seine Massenvernichtungswaffen zu zerstören basierte auf ausgesuchten Geheimdienstinformationen, Übertreibungen, Nutzung als unbrauchbar bekanner Quellen und Fälschungen, berichtet The Indepentent.

Eine hochrangige englische Quelle sagte letzte Nacht, daß Geheimdienste auf beiden Seiten des Atlantiks sehr wütend darüber waren, daß Berichte, die an politische Führer gegeben worden waren, im Zuge der Kriegsvorbereitung komplett verdreht worden waren. "Sie ignorierten Geheimdiensteinschätzungen, daß der Irak keine Bedrohung darstellte", so die Quelle. Das Editorial einer Zeitung des Mittleren Ostens mit den Worten "Washington muß Beweise bringen. Wenn sie es nicht tun, wird die Welt für immer glauben, daß sie den Weg zum Krieg mit Lügen geebnet haben" zitierend, sagte er "Sie können Ihre eigenen Schlüsse ziehen".

Die UN-Waffeninspektoren, die den Irak erst kurz vor Kriegsbeginn verließen, suchten nach vier verschiedenen Waffenkategorien: nukleare, biologische, chemische Waffen und Raketen mit einer Reichweite von über 150 Kilometern. Sie fanden viele Beweise dafür, daß der Irak nicht kooperierte, aber keine, die die britischen und amerikanischen Behauptungen stützten, daß der Irak eine direkte Bedrohung für die Welt darstellte.

Nuklearwaffen betreffend, behauptete die britische Regierung, daß Saddam Husseins Regime versuchte, Uran von der Regierung Nigers zu bekommen. Die hierfür als Belege vorgelegten Briefe wurden später von der Internationalen Atomenergiebehörde als schlechte Fälschungen bezeichnet.

Chemiewaffen betreffend wurde von der CIA ein Bericht über die Wahrscheinlichkeit des Einsatzes von Chemiewaffen durch Saddam teilweise veröffentlicht. Die veröffentlichten Teile erweckten den Eindruck, als wäre die Gefahr groß, erst auf Druck von Senator Bob Graham, Leiter des Geheimdienstkomitees des Senats, wurde der ganze Bericht veröffentlicht, inklusive der Schlußfolgerung, daß die Wahrscheinlichkeit eines Chemiewaffeneinsatzes durch den Irak in der "vorhersehbaren Zukunft" "sehr gering" sei.

Biologische Waffen betreffend, teilte US-Außenminister Colin Powell dem UN-Sicherheitsrat im Februar mit, daß das irakische Regime bis zu 18 mobile Laboratorien besäße. Er schrieb die Information irakischen Deserteuren zu, ohne dabei zu erwähnen, daß die Informationen - inklusive eines Berichts über ein geheimes biologisches Labor unterhalb des Saddam Hussein Krankenhauses in Baghdad - wiederholt durch die UN-Waffeninspektoren widerlegt worden waren.

Raketen betreffend, zerstörte der Irak auf Aufforderung der UN seine al-Samoud-Raketen, obwohl bestritten wurde, daß sie eine größere als die erlaubte Reichweite hatten. Keine verbotenen Scuds wurden vorher oder seitdem gefunden, jedoch behauptete der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon, daß Scuds im Krieg abgefeuert worden seien. Es gibt keinerlei Beweise, daß tatsächlich Scuds abgefeuert worden sind.

Amerikanische Beamte bestreiten, daß die ganze Massenvernichtungswaffen-Kampagne nur Mittel zum Zweck war - eine "weltweite Show amerikanischer Macht und Demokratie", wie ABC News es in den USA formulierte. "Wir haben nicht gelogen", sagte mir ein Beamter. "Es war nur eine Sache des Nachdrücklichkeit." Amerikaner und Briten behaupten, der Irak würde jetzt systematisch nach Beweisen durchsucht werden, bisher sind aber keine gefunden worden, obwohl die vielversprechendsten Orte durchsucht worden sind und hochrangige Iraker wie der frühere Außenminister Tariq Aziz, Geheimdienstleiter und der vermutlich Zuständige für das vorgebliche irakische Chemiewaffenprogramm in US-Gewahrsam sind.

Robin Cook, der als Außenminister hochrangige Sicherheitsmeldungen bekommen hätte, sagte letzte Woche, daß "es schwierig ist zu glauben, daß Saddam die Möglichkeiten hatte, uns anzugreifen". Mr Cook war von seinem Posten zu Beginn des Krieges zurückgetreten, war aber immer noch als "Leader of the House" Mitglied des Kabinetts, als es die aggressiven Unterlagen veröffentlichte, um seinen Standpunkt zu untermauern.

Ein von Tony Blair im letzten Herbst veröffentlichter Bericht besagte, daß der Irak innerhalb von 45 Minuten chemische und biologische Waffen einsetzen könne, letzte Woche sagte Mr. Hoon allerdings, daß solche Waffen eventuell unentdeckt geblieben seien, weil sie demontiert und vergraben worden seien. Ein "Geheimdienstbericht" der Downing Street stellte sich später als aus drei akademischen Veröffentlichungen zusammengeschrieben heraus [die teilweise schon aus der Zeit des 1. Golfkriegs stammten]. "Man kann sich nicht die Rosinen aus den Beweisen picken, die den eigenen Standpunkt belegen und den Rest ignorieren. Das ist eine geheimdienstliche Kardinalregel", sagte ein ärgerlicher Offizier. "Und doch ist es genau das, was der Premierminister tut." Ein anderer sagte: "Was wir haben, sind nur ein paar leichte Indizienbeweise, und um den Angriff auf den Irak zu rechtfertigen werden sie als bombensicherer Fall präsentiert. Das reicht absolut nicht."

Glen Rangwala, der Analyst der Cambridge University, der als Erster auf die Plagiate der Downing Street stieß, sagt, Minister hätten vor dem Krieg gesagt, sie hätten Informationen, die nicht veröffentlicht werden könnten, da dies Agenten im Irak gefährden würde. "Das trifft jetzt nicht mehr zu und trotzdem geben sie die Beweise nicht frei", sagt er. "Ihnen fehlt jegliche Glaubwürdigkeit."

Mr. Rangwala sagte, ein großer Teil der Informationen über Massenvernichtungswaffen sei von Ahmed Chalabis Iraqi National Congress (INC) gekommen, der vom Pentagon Geld für das Sammeln von Informationen erhalten habe. "Der INC sah den Bedarf und lieferte, was gebraucht wurde.", sagte er. "Die Schlußfolgerung ist, daß sie die ganzen US-Geheimdienstinformationen verfälschten."

Mitglieder der britischen und der amerikanischen Regierungen, die sich Forderungen nach Beweisen für ihre Beschuldigungen gegenüber sehen, verweisen darauf, daß die sogenannten Massenvernichtungswaffen nach der Abreise der UN-Waffeninspektoren zu Beginn des Krieges vernichtet worden sein könnten - eine Möglichkeit, die von Präsident George Bush am Donnerstag zum ersten Mal angeführt wurde.

Dies scheint selbst ein Beispiel für das zu sein, was Chefwaffeninspektor Hans Blix als "wackelige Geheimdienstinformationen" bezeichnet hatte. Ein irakischer Wissenschaftler, unter einem Pseudonym schreibend, sagte in einer Nachricht, die einem Fahrer eines US-Konvois zugesteckt wurde, daß er Beweise dafür hätte, daß den Inspektoren Informationen vorenthalten worden waren und daß irakische Beamte Chemiewaffen kurz vor Kriegsbeginn zerstört hätten.

Andere Erklärungen für die Unauffindbarkeit der Massenvernichtungswaffen sind die Möglichkeit, daß sie nach Syrien geschmuggelt worden sind, oder so gut versteckt sind, daß es Monate, vielleicht Jahre dauern könnte, sie zu finden. Letzte Woche aber kam heraus, daß zwei der vier amerikanischen Teams im Irak nicht mehr nach Massenvernichtungswaffen suchen, sondern mit anderen Aufgaben betraut wurden, obwohl drei neue Teams weniger spezialisierter Einheiten für die Suche nach "unkonventionellen Waffen" - der jetzt bevorzugten Formulierung - abgestellt wurden.

Mr. Powell und Mr. Bush wiederholten beide letzte Woche, daß der Irak Massenvernichtungswaffen hatte. Aber ein Beamter sagte inoffiziell, daß "die Geschichte und das amerikanische Volk die USA nicht danach beurteilen würde, ob Kanister mit Giftgas oder einige Fläschchen einer biologischen Waffe gefunden wurden, sondern daran, ob dieser Krieg den Anfang des Endes für die Terroristen, die Amerika hassen, bedeutete."








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