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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Selektive Geheimdienstinformationen

Seymour M. Hersh

http://www.newyorker.com/fact/content/?030512fa_fact





Sie nennen sich selbst-ironisch "the Cabal" [Intrige, Hinterlist, Clique] - eine kleine Gruppe politischer Berater und Analysten, die jetzt im Office of Special Plans des Pentagons arbeiten. Im letzten Jahr hat ihre vom stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz erdachte Operation, früheren und aktuellen Beamten der Bush-Administration zufolge, eine entscheidende Kursänderung in der amerikanischen Geheimdienstgesellschaft bewirkt. Diese Berater und Analysten, die ihre Arbeit in den Tagen nach dem 11. September 2001 aufnahmen, haben eine ganze Reihe von Geheimdienstberichten erstellt, die geholfen haben, die öffentliche Meinung und die amerikanische Politik hinsichtlich des Iraks zu formen. Sie griffen auf Daten anderer Geheimdienste und auch auf Informationen, die vom Iraqi National Congress, oder I.N.C., der Exilgruppe von Ahmaed Chalabi, geliefert wurden, zurück. Bis zum letzten Herbst rang die Operation mit der CIA und der Pentagon-eigenen Defense Intelligence Agency, der D.I.A., um den Platz als Präsident Bushs Hauptquelle für Geheimdienstinformationen über den möglichen irakischen Besitz von Massenvernichtungswaffen und der Verbindung zu Al Quaida. Stand letzter Woche sind keine solche Waffen gefunden worden. Und obwohl viele Leute, innerhalb und außerhalb der Administration Zuversichtzeigen, daß etwas auftauchen wird, wird die Integrität dieser Informationen jetzt angezweifelt.

Der Direktor der Special Plans Operation ist Abram Shulsky, ein gelehrter Experte der Arbeit des politischen Philosophen Leo Strauss. Shulsky hat seit 30 Jahren an geheimdienstlichen und außenpolitischen Fragen gearbeitet; er war in den frühen 80ern im Stab des Geheimdienstkomitees des Senats und diente im Pentagon während der Reagan-Administration unter dem stellvertretenden Verteidigungsminister Richard Perle, wonach er eine Stelle bei der Rand Corporation annahm. Das Office of Special Plans wird vom Verteidigungsstaatssekretär William Luti, einem pensionierten Navy-Captain, beaufsichtigt. Luti war ein früher Fürsprecher eines militärischen Vorgehens gegen den Irak, und als die Regierung sich Richtung Krieg bewegte und die Machtverhätnisse sich zu den Zivilisten im Pentagon verschoben, übernahm er zunehmend wichtige Verantwortlichkeiten.

W. Patrick Lang, der frühere Leiter der Abteilung der Mittleren-Osten-Aufklärung in der DIA, sagte "Das Pentagon hat sich zusammengeschlossen, um die Außenpolitik der Regierung zu dominieren, und sie haben es durchgezogen. Sie haben Chalabi. Die DIA wurde eingeschüchtert und zu Brei geschlagen. Und die CIA hat überhaupt keinen Mumm."

Die Feindschaft ist gegenseitig. Ein Beamter des Pentagon sagte mir "Ich erledigte eine Arbeit, als die Geheimdienstgesellschaft ihre nicht machte. Wir fanden heraus, daß sie die Analyse nicht gemacht hatten. Wir gaben Wolfowitz Informationen, die er vorher noch nicht gesehen hatte. Die Geheimdienstgemeinschaft sucht immer noch nach einer Mission wie sie sie zu Zeiten des Kalten Krieges hatte, als sie die Politiker aufpäppelten."

Ein Berater des Pentagons der mit den Special Plans zusammengearbeitet hatte wies jegliche Kritik an der Operation als bürokratisches Gewinsel zurück. "Shulsky und Luti haben die politische Debatte gewonnen", so der Berater. "Sie haben es ihnen gezeigt - sie haben mit dem Außenministerium und der CIA aufgeräumt. Es ist kein Geheimnis, warum sie gewonnen haben - weil sie ihre Argumente besser vorgetragen haben. Luti ist intelligenter als die Gegenseite. Wolfowitz ist intelligenter. Sie haben sie mit Argumenten geschlagen. Es war ein fairer Kampf. Sie überzeugten den Präsidenten von der Notwendigkeit einer neuen Sicherheitspolitik. Die, die verloren haben sind so gut darin, die, die gewonnen haben zu unterbieten." Er fügte hinzu "Ich wünschte, ich wäre der Historiker, der die Geschichte schreibt, wie diese kleine Gruppe von acht oder neun Leuten sich darangemacht hatten und gewonnen haben."

Dem Pentagon Berater zufolge wurde Special Plans geschaffen, um Beweise für das zu finden, was Wolfowitz und sein Vorgesetzter, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, für wahr hielten - daß Saddam Hussein enge Verbindungen zu Al Quaida hatte und daß der Irak ein riesiges Arsenal an chemischen, biologischen und möglicherweise sogar nuklearen Waffen hatte, die die Region und auch die Vereinigten Staaten bedrohten.

Iraks möglicher Besitz von Massenvernichtungswaffen ist für die internationale Gemeinschaft schon aus der Zeit vor dem ersten Golfkrieg ein Grund zur Besorgnis. Saddam Hussein hatte schon früher chemische Waffen eingesetzt. Es gab eine Zeit, da hatte tausende von Chemiewaffen, zusätzlich biologische Waffen, und versuchte gezielt, ein Atomwaffenprogramm aufzubauen. Unklar ist, wie viel davon, wenn überhaupt etwas, den Krieg 1991 und die folgenden Jahre der Waffeninspektionen, der Flugverbotszonen und Sanktionen überdauerte. Außerdem gab es nach dem 11. September immer wieder Fragen nach Verbindungen des Iraks zu Terroristen. Ein Umfrage im Februar zeigte, daß 72 Prozent der Amerikaner glaubten, daß Saddam Hussein wahrscheinlich selbst in die Anschläge des 11. September verwickelt war, obwohl keinerlei Beweise einer solchen Verbindung gefunden wurden.

Rumsfeld und seine Kollegen glaubten, daß die CIA unfähig war, die wirkliche Situation im Irak zu erkennen. "Die Agency wollte zeigen, daß es keine Verbindung zwischen Irak und dem Terrorismus gibt", erzählte mir der Pentagon-Berater. "Das trieb sie an. Wenn Sie jemals mit Geheimdienstinformationen gearbeitet haben, können Sie die eingefleischten Ansichten der CIA sehen, die die Art, mit der sie Daten betrachtet, einfärben." Das Ziel der Special Plans war, sagte er, "die Daten unter das Mikroskop zu legen, um zu entdecken, was die Geheimdienstgemeinschaft nicht sehen konnte. Shulsky hatte dabei den größten Anteil."

Selbst vor dem 11. September machte Richard Perle, der zu der Zeit der Vorsitzende des Defense Policy Board des Pentagons war, eine ähnliche Bemerkung über die Kenntnisse der Geheimdienstgemeinschaft über die irakischen Waffen. In einer Anhörung eines Unterkomitees für auswärtige Angelegenheiten des Senats im März 2001 sagte er "Hat Saddam jetzt Massenvernichtungswaffen? Natürlich hat er. Wir wissen, daß er Chemiewaffen hat. Wir wissen, daß er Biowaffen hat... Wie weit er bei den Atomwaffen ist, ich denke wir wissen es nicht wirklich. Ich schätze, es ist fortgeschrittener als wir denken. Es ist immer fortgeschrittener als wir denken, denn wir beschränken uns, wenn wir darüber nachdenken, auf die Dinge, die wir beweisen und zeigen können... Und, solange Sie nicht glauben, wir hätten alles entdeckt, müssen Sie annehmen, daß es noch mehr gibt als wir belegen können."

Letzten Oktober berichtete die Times in einem Artikel, daß Rumsfeld eine Geheimdienstoperation angeordnet hatte, "um nach Informationen über die feindlichen Absichten des Iraks oder Verbindungen zu Terroristen zu suchen", die möglicherweise von der CIA übersehen worden waren. Als Rumsfeld zu der Medlung bei einer Pentagon-Pressekonferenz befragt wurde, blieb er vage. "Man hat mir gesagt, daß nach dem 11. September eine kleine Gruppe, ich denke, anfangs zwei, und jetzt vielleicht vier [Leute] ... aufgefordert wurden, sich durch den Berg an Informationen zu wühlen, den wir geheimdienstmäßig bekamen." Er fuhr fort "Man weiß nicht, was man nicht weiß. Und so kommt die tägliche Berichterstatterin" - von der CIA - "und geht den täglichen Bericht durch. Und ich stelle Fragen. 'Hey, was ist das?' oder 'Was ist damit? Hat jemand daran gedacht?'" In der selben Pressekonferenz sagte Rumsfeld, daß er bereits informiert worden war, daß es "stichhaltige Beweise für die Anwesenheit von Al Quiada-Mitgliedern im Irak" gäbe.

Wenn Special Plans nach neuen Geheimdienstinformationen über den Irak suchte, waren Überläufer die offensichtlichste Quelle für Informationen aus erster Hand. Das Office wandte sich also unvermeidlich an Ahmad Chalabis Iraqi National Congress. Der INC, eine Dachgesellschaft für diverse Oppositionsgruppen, suchte ständig nach irakischen Abtrünnigen. Das Special Plans Office entwickelte eine enge Beziehung mit dem I.N.C. und dies stärkte seine Position in Streitigkeiten mit der CIA und gab der für den Krieg eingestellten Führung i Pentagon zusätzlichen Auftrieb in Streitigkeiten mit dem Außenministerium. Special Plans wurde auch zum Kanal für Geheimdienstberichte des INC zu Beamten des Weißen Hauses.

Außerdem gab es eine viele Jahre alte enge persönliche Bindung zwischen Chalabi und Wolfowitz und Perle. Ihre Beziehung vertiefte sich, nachdem die Bush-Regierung das Amt übernahm und Chalabis Verbindungen erweiterten sich auf andere Personen in der Regierung, einschließlich Rumsfeld, Douglas Feith, den politischen Verteidigungsstaatssekretär und I. Lewis Libby, Vizepräsident Cheneys Generalstabschef. Chalabi hatte jahrelang die Unterstützung prominenter Mitglieder des American Enterprise Institute und anderer Konservativer genossen. Chalabi hatte auch einige demokratische Unterstützer, unter anderem James Woolsey, den früheren Leiter der CIA.

Es gab auch noch eine andere Art der Beziehung der Vereinigten Staaten mit Chalabi: in der Mitte der 90er Jahre verschob die CIA heimlich Millionen von US-Dollar zum INC. Diese Zahlungen hörten um 1996 auf, wie mir ein ehemaliger CIA Regionalleiter erzählte, vor allem weil die Agency Zweifel an Chalabis Integrität hatte. (1992 wurde Chalabi in Abwesenheit wegen Bankbetrugs in Jordanien verurteilt. Er bestritt immer jegliche Schuld.) "Man mußte sie mit Vorsicht behandeln" sagte ein anderer Regionalleiter der CIA über Chalabis Männer. "Der INC hat eine lange Geschichte von manipulierten Informationen, weil er eine Agenda hat. Es ist eine politische Organisation, kein Geheimdienst."

Im August 1995 desertierte General Hussein Kamel, der der Leiter des irakischen Waffenprogramms war, zusammen mit seinem Bruder, Colonel Saddam Kamel, nach Jordanien. Sie brachten Kisten voller Dokumente mit detaillierten Informationen über die irakischen Versuche, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln mit - vieles davon war den UN Waffeninspektoren, die seit 1991 mit der Aufgabe betraut waren, unbekannt und sie wurden ausgiebig von den UN Waffeninspektoren befragt. 1996 lockte Saddam Hussein sie mit dem Versprechen der Vergebung zurück und ließ sie dann töten. Die Informationen der beiden Brüder wurden zu einem zentralen Punkt in der Kampagne der Bush-Regierung, die Öffentlichkeit vom Versagen der UN-Waffeninspektionen zu überzeugen.

Letzten Oktober nannte der Präsident die Überläufe der beiden Brüder als den Moment, wo Saddams Regime "gezwungen war zuzugeben, daß sie mehr als 30.000 Liter Milzbrand und andere tötliche biologische Mittel hergestellt hatten... Die ist ein riesiger Vorrat an biologischen Waffen, der nie nachgewisen worden war und der in der Lage ist, Millionen zu töten." Einige Wochen später erklärte Vizepräsident Cheney, daß Hussein Kamels Geschichte " als ein Erinnerung für alle wirken sollte, daß wir häufig mehr von Überläufern als von den Waffeninspektoren erfahren."

Die komplette Mitschrift der Befragung Hussein Kamels durch die Waffensinspektoren offenbart aber, daß er auch gesagt hat, daß der irakische Vorrat an chemischen und biologischen Waffen. die vor dem Golfkrieg 1991 produziert worden waren, zerstört worden ist, vielfach aufgrund der Waffeninspektionen. Die Befragung wurde am 22. August 1995 von Rolf Ekeus, damals der Vorsitzende der Waffeninspektoren und zwei seiner Kollegen, Nikita Smidovich und Maurizio Zifferaro durchgeführt. "Sie haben eine wichtige Rolle im Irak", sagte Kamel der Mitschrift zufolge, die aus Notizen Smidovichs erstellt wurde. "Sie sollten sich nicht unterschätzen. Sie sind im Irak sehr effektiv." Als Smidovich anmerkte, daß die UN-Teams "keinerlei Hinweise auf die Zerstörung" gefunden hatten antwortete Kamel "Ja, das wurde gemacht bevor Sie kamen". Er sagte auch, daß der Irak sein Arsenal an Sprengköpfen zerstört habe. "Wir gaben die Anweisung, keine chemischen Waffen herzustellen", erklärte Kamel später in der Befragung. "Ich kann mich nicht erinnern, daß die Chemiewaffenproduktion vor dem Golfkrieg wieder aufgenommen worden ist. Vielleicht war es nur eine sehr kleine Produktion ... Alle chemische Waffen wurden zerstört. Ich ordnete die Zerstörung aller chemischen Waffen an. Alle Waffen - biologische, chemische, Raketen, atomare - wurden zerstört."

Kamel schürte auch Zweifel an der Aussage von Dr. Khidhir Hamza, einem irakischen Atomwissenschaftler, der 1994 übergelaufen war. Hamza siedelte mit der Hilfe des INC in die Vereinigten Staaten über und wurde zu einem lautstarken Zeugen der angeblichen irakischen Versuche, an Atomwaffen zu gelangen. Kamel sagte den UN-Befragern allerdings, daß Hamza ein "professioneller Lügner" sei. Er fuhr fort "Er arbeitete mit uns zusammen, war aber nutzlos und bemühte sich ständig um Beförderungen. Er beriet sich mit mir, konnte aber nie etwas beitragen. ... Er wurde sogar von einem Team vor seinem Verlassen befragt und man gestattete ihm zu gehen."

Nach seinem Überlauf bekam Hamza einen hohen Posten beim Institute for Science and International Security, einer Washingtoner Abrüstungsvereinigung, deren Präsident, David Albright, ein früherer UN-Waffeninspektor war. 1998 sagte mir Albright, daß er und Hamza Verlegern ein Manuskript mit dem vorläufigen Titel "Fiasko: Irak und die Atombombe", in dem beschrieben wurde, wie Irak bei seiner Forschung nach einer Atombombe versagt hatte.

Niemand hatte Interesse, so Albright, und Hamza begann schließlich, "seine Erfahrungen im Irak zu übertreiben". Die zwei Männer brachen den Kontakt ab. Im Jahr 2000 veröffentlichte Hamza "Saddams Bombenbauer" eine lebendige Erzählung, in der behauptet wurde, daß der Irak 1991, zu Beginn des Golfkriegs, wesentlich näher an der Herstellung einer nuklearen Waffe war, als bis dahin bekannt. Jeff Stein, ein Washingtoner Journalist, der an dem Buch mitgearbeitet hatte, sagte mir, daß Hamzas Erzählung "glaubwürdig war, wenn man in Betracht zieht, daß Memoiren den Autor immer ins Zentrum der Geschichte rücken, was zu einigen Übertreibungen führt." James Woolsey, der frühere Leiter der CIA, sagte über Hamza "Ich schätze in hoch und habe keinen Grund, an seinen Behauptungen zu zweifeln." Hamza war für einen Kommentar nicht zu erreichen. Am 26. April kehrte er als ein Mitglied einer vom Pentagon geschaffenen Gruppe Exiliraker, die bei dem Wiederaufbau der Infrastruktur des Landes helfen soll, in den Irak zurück. Er wird für die Atomenergie verantwortlich sein.

Die Diskussion über Vorteile und Nachteile, sich auf Überläufer zu verlassen, hat zu einem jahrelangen Streit innerhalb der amerikanischen Geheimdienstgemeinschaft geführt - wie Shulsky 1991 in einem Buch, dessen Mitautor er war, selbst anmerkte. Trotz ihrer Wichtigkeit, so schrieb er, "ist es wichtig, sicher zu sein, daß sie echt sind. ... Die widersprüchlichen Informationen, die den Vereinigten Staaten von mehreren großen sowjetischen Überläufern gegeben wurden ... konnten nie ganz geklärt werden; sie verhexten den US-Geheimdienst für ein Vierteljahrhundert."

Überläufer können einzigartige Einblicke in ein unterdrückendes System liefern. Aber solche freiwilligen Quellen, schreibt Shulsky, "können gierig sein; sie könnten auch unausgeglichene Leute sein, die etwas Aufregung in ihr Leben bringen wollen; sie wollen sich vielleicht für etwas, das sie als schlechte Behandlung durch ihre Regierung ansehen, rächen; oder sie werden vielleicht erpreßt." Es gibt einen starken Anreiz, den Befragern zu sagen, was sie hören wollen.

Mit Unterstützung des Pentagons brachte Chalabis Gruppe Überläufer mit spannenden Geschichten in Kontakt mit amerikanischen und europäischen Reportern. Die daraus resultierenden Artikel lieferten dramatische Berichte über Fortschritte bei Massenvernichtungswaffen oder erzählten von Verbindungen zu Terrororganisationen. In manchen Fällen wurden die Geschichten in Analysen der CIA wiedrlegt. Falsche Behauptungen und Widersprüche in Berichten der INC Überläufer wurden auch in der letzten Reihe von UN-Waffeninspektionen aufgedeckt, die ein paar Tage vor dem amerikanischen Angriff endeten. Dr. Glen Rangwala, ein Dozent für Politikwissenschaft an der Cambridge University, stellte die veröffentlichten Informationen zusammen, analysierte sie und zog den Schluß, das die UN-Inspektionen es nicht geschafft hatten, Beweise zu finden, um die Behauptungen der Überläufer zu stützen.

Beispielsweise veröffentlichten viele Zeitungen Exklusivinterviews mit Adnan Ihsan Saeed al-Haideri, einem zivilen Ingenieur, der, mit Hilfe des INC, in 2001 aus dem Irak geflohen ist und immer wieder behauptete, er hätte zwanzig geheime Produktionsstätten besucht, die zur Herstellung chemischer und biologischer Waffen gebaut worden waren. Eine, sagte er, lag unterhalb eines Krankenhauses in Baghdad. Haideri war offensichtlich eine Quelle für Außenminister Colin Powells Behauptung am 5. Februar vor dem UN-Sicherheitsrat, daß die Vereinigten Staaten "Beschreibungen aus erster Hand" von mobilen Fabriken zur Herstellung großer Mengen biologischer Waffen hätten. Die UN-Teams, die letzten Winter in den Irak zurückkehrten konnten keine von al-Haideris Behauptungen bestätigen. In einer Erklärung vor dem UN-Sicherheitsrat sagte Hans Blix, der UN-Chefwaffeninspektor, im März, kurz vor dem Krieg, daß seine Teams das Krankenhaus und andere Orte mit bodendurchdringenden Radargeräten untersucht hatten. "Es wurden bisher keine Einrichtungen zur Herstellung oder Lagerung von chemischen oder biologischen [Waffen] gefunden", so Blix.

Fast augenblicklich nach den Anschlägen des 11. September begann der INC mit der Veröffentlichung der Geschichten von Überläufern, die behaupteten, sie verfügten über Informationen, die den Irak mit den Anschlägen in Verbindung brachten. Am 14. Oktober 2001 sagte Sabah Khodada, ein Hauptmann der irakischen Armee, in einem Interview der Times und "Frontline", einer Fernsehsendung, daß die Anschläge des 11.9. "von Leuten durchgeführt wurden, die von Saddam ausgebildet worden sind" und daß der Irak ein Programm habe, um Terroristen in der Kunst der Flugzeugentführung auszubilden. Ein anderer Überläufer, der nur als ein pensionierter Generaloberst des irakischen Geheimdienstes identifiziert wurde, sagte, er hätte im Jahr 2000 arabische Studenten dabei beobachtet, wie sie an Bord einer Boeing 707, die in einem irakischen Trainingscamp nahe der Stadt Salman Pak, südlich Baghdads, stand, geschult wurden, Flugzeuge zu entführen.

In anderen Interviews mit mir sagten ein früherer Führungsoffizier der CIA und ein früherer Analyst des militärischen Geheimdienstes, daß das Camp bei Salman Pak nicht für die Ausbildung von Terroristen errichtet wurde, sondern für die Antiterrorausbildung. In der Mitte der 80er entführten islamische Terroristen regelmäßig Flugzeuge. 1986 wurde ein irakisches Flugzeug von pro-iranischen Extremisten entführt und stürzte nach der Explosion einer Handgranate ab, wobei mindestens 65 Menschen starben. (Zu der Zeit waren Iran und Irak im Krieg und Amerika bevorzugte den Irak.)

Irak bat dann den Westen um Hilfe und erhielt diese vom britischen MI6. Die CIA bot ebenfalls im Mittleren Osten Antiterrorausbildungen an. "Wir halfen unseren Verbündeten überall, wo wir eine Beziehung hatten", sagte mir der CIA-Offizier. Inspektoren erinnerten sich daran, den Rumpf eines Flugzeugs, der für die Antiterrorausbildung genutzt wurde, als sie 1991, fast 10 Jahre vor dem 11. September, eine Einrichtung für biologische Waffen naha Salman Pak besuchten. Es ist natürliche möglich, so ein Camp von einem Zweck zu einem anderen umzubauen. Der frühere CIA-Beamte erklärte aber, daß Terroristen nicht in Flugzeugen in der Öffentlichkeit trainieren würden. "Das ist Hollywood-Blödsinn" sagte der frühere Agent. "Sie üben in Kellern. Man braucht kein echtes Flugzeug um das Entführen von Flugzeugen zu üben. Die Terroristen des 11.9. übten in Turnhallen. Aber um eins zurückzubringen muß man an echten üben."

Salman Pak wurde von amerikanischen Soldaten am 6. April überrannt. Offensichtlich haben weder das Camp noch die frühere biologische Einrichtung Beweise erbracht, die die vor dem Krieg gemachten Anschuldigungen stützen würden.

Ein früherer Geheimdienstbeamter der Bush-Regierung erinnerte sich an einen Fall, als Chalabis Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Pentagon einen Überläufer präsentierte, der in Übersee von einem Agenten der DIA befragt wurde. Der Agent verließ sich auf einen Übersetzter von Chalabis Leuten.

Letzten Sommer wurde der unter Geheimhaltung stehende Bericht der DIA bekannt. Die London Times berichtete detailliert, wie der Überläufer mit Al-Quaida-Terroristen in den späten 90ern in geheimen Camps im Irak trainiert hatte, wie die Iraker genaue Anweisungen für den Einsatz biologischer und chemischer Waffen erhalten hatten, und wie man dem Überläufer eine neue Identität gegeben und ihn übergesiedelt hatte. Einen Monat später allerdings wurde der Mann von CIA-Agenten erneut befragt, diesmal mit einem Übersetzer der CIA. "Er sagt 'Nein, das ist nicht das, was ich gesagt habe'", sagte mir der frühere Geheimdienstbeamte. "Er sagte 'I arbeitete in einem Camp der Fedayeen; es war nicht Al Quaida' Er hat nie eine Ausbildung für biologische oder chemische Waffen erhalten." Danach, sagte der frühere Beamte, "schickte die CIA ein Papier, daß die Informationen falsch waren. Sie schrieben es nieder." Aber der Gegenbeweis der CIA wurde, genau wie der erste Bericht, der Geheimhaltung unterstellt. "Ich erinnere mich, ob auch dieser Bericht an die Öffentlichkeit gelangen und so den ersten, falschen Bericht korrigieren würde. Natürlich tat er es nicht."

Der frühere Geheimdienstbeamte fuhr fort: "Einer der Gründe für meine Kündigung war mein Gefühl, daß sie die Geheimdienstinformationen der CIA und anderer Geheimdienste nur nutzten, wenn sie zu ihren Zielen paßten. Sie mochten die Informationen nicht, die sie bekamen, und so nahmen sie sich Leute, um den Kram schreiben zu lassen. Sie waren so verrückt und durchgedreht und es war so schwierig mit ihnen vernünftig zu reden - bis zu einem Punkt, das es bizarr wurde. Selbstherrlich, als wären sie im Auftrag Gottes unterwegs." Er fügte hinzu "Falls es nicht in ihre Theorie paßte, wollte sie es nicht akzeptieren."

Shulkys Arbeit ist auch theoretisch gut untermauert. In seinen akademischen und Think-Tank Schriften ist Shulsky, Sohn eines Zeitungsmenschen - sein Vater, Sam, schrieb eine landesweit verbreitete Geschäftskolumne - schon lange ein Kritiker der amerikanischen Geheimdienstgesellschaft. In der Zeit des Kalten Krieges, waren sowjetische Disinformationstechniken sein Spezialgebiet. Wie Wolfowitz war er Student bei Leo Strauss an der University of Chicago. Beide erhielten ihre Doktorwürde unter Strauss im Jahr 1972. Strauss, ein Flüchtling aus den Nazi-Deutschland, der 1937 in den Vereinigten Staaten ankam, war in der Geschichte der politischen Philosophie ausgebildet und wurde einer der mit Abstand konservativsten emigrierten Gelehrten.

Er wurde für seine Ansicht bekannt, daß die Arbeiten der antiken Philosophen absichtlich verschlüsselte esoterische Bedeutungen enthielten, die nur von wenigen verstanden werden könnten und von den Massen falsch verstanden würden. Die Strauss'sche Bewegung hat in und um die Bush-Administration herum viele Anhänger. Außer Wolfowitz zählen auch William Kristol, der Herausgeber des Weekly Standard, und Stephen Cambone, der Verteidigungsstaatssekretär für Geheimdienste, der Rumsfeld besonders nahe steht, dazu. Strauss' Einfluß auf die Entscheidungsfindung in außenpolitischen Fragen (er hat selbst nie ausführlich über das Thema geschrieben) wird meist dadurch beschrieben, daß er die Welt als einen Ort sieht, wo isolierte liberale Demokratien in ständiger Gefährdung durch feindliche Elemente außerhalb leben und sich Bedrohungen gegenüber sehen, denen sie sich energisch und mit einer starken Führung entgegenstellen müssen.

Der Einfluß der Ansichten Strauss' auf die Informationssammlungsvorgänge der Geheimdienste ist weniger offensichtlich. Shulsky hat dies 1999 in einem Essay in Zusammenarbeit mit Gary Schmitt selbst untersucht, das den Titel trug "Leo Strauss und die Welt der Geheimdienstinformationen (Womit wir nicht Nous meinen)" - in der griechischen Philosophie bezeichnet "Nous" die höchste Form der Vernunft. In dem Essay schreiben Shulsky und Schmitt, daß Strauss' "Freundlichkeit, seine Fähigkeit, sich auf Details zu konzentrieren, sein darausfolgender Erfolg, unter die Oberfläche zu sehen und zwischen den Zeilen zu lesen, und sein Nicht-von-dieser-Welt-erscheinen... könnte einen sogar, wenn auch entfernt, an den George Smiley aus John le Carrés Romanen erinnern." Einen von Strauss' Leitgedanken wiedergebend, kritisieren Shulsky und Schmitt Amerikas Geheimdienstgesellschaft für seine Unfähigkeit, die Doppelzüngigkeit der Regime, mit denen sie zu tun hat, zu würdigen, für ihre Anfälligkeit, Beweise sozialwissentschaftlich zu untersuchen, und für ihre Unfähigkeit, mit vorsätzlichem Verschweigen umzugehen.

Die Analysten der Geheimdienste, sagen Shulsky und Schmitt, "waren den ganzen Kalten Krieg hindurch nur widerstrebend bereit zu glauben, daß sie in irgendeiner wichtigen Frage von der Sowjetunion oder anderen kommunistischen Ländern getäuscht worden sein könnten. Die Geschichte hat gezeigt, daß diese Ansicht extrem naiv war." Sie schlugen vor, daß politische Philosophie mit ihrer Betonung auf die Vielfalt der Regime ein "Gegenmittel" für die Fehler der CIA sein könnte und helfen könnte, islamische Führer "deren geistige Welt von unserer so verschieden ist" zu verstehen.

Strauss' Vorstellung einer geheimen Bedeutung, fügten Shulky und Schmitt zu, "macht einen auf die Möglichkeit aufmerksam, daß das politische Leben eng mit Täuschungen verknüpft ist. Tatsächlich legt sie nahe, daß die Täuschung der Normalfall im politischen Leben ist, und daß die Hoffnung, um gar nicht von der Erwartung zu reden, auf eine Politik, die ohne sie auskommt, die Ausnahme ist."

Robert Piipin, Vorsitzender des Committee on Social Thought in Chicago und ein Kritiker von Strauss, sagte mir, "Strauss glaubt, daß gute Staatsmänner Urteilskraft besitzen und sich auf einen inneren Kreis verlassen müssen. Die Person, die ins Ohr des Königs flüstert ist wichtiger als der König. Wenn Sie das Talent besitzen, kann keine ihrer öffentlichen Aussagen in der gleichen Art verantwortlich gemacht werden." Ein anderer Kritiker Strauss', Stephen Holmes, ein Rechtsprofessor an der New York University, formulierte Strauss' Einstellung so: "Sie glauben, daß Ihr Feind Sie täuschen will, und Sie müssen so tun, als wären Sie einverstanden, insgeheim folgen Sie aber Ihren eigenen Ansichten." Holmes fügte hinzu "Die ganze Geschichte ist durch Strauss' - in Wahrheit Platos - Idee, daß Philosophen nicht nur dem Volk vornehme Lügen erzählen müssen, sondern auch den mächtigen Politikern."

Als ich einen von Strauss' heftigsten Verteidigern, Joseph Cropsey, ehemaliger Professor der Politikwissenschaften in Chicago, über den Nutzen von Strauss' Ansichten in der Politik befragte, sagte er mir, daß allein schon der gesunde Menschenverstand einem sagte, daß ein gewisser Grad der Täuschung in der Regierung notwendig sei. "Daß Leute in der Regierung vorsichtig sein müssen, was sie öffentlich sagen ist so offensichtlich - 'Wenn ich Ihnen die Wahrheit sage, kann ich nicht anders als dem Feind zu helfen.'" Aber es gäbe nichts in Strauss' Arbeit, daß "Präventivschläge bevorzugen würde. Was sie bevorzugt ist Besonnenheit und stichhaltige Urteile. Wenn man Hitler in den 30ern hätte loswerden können, wer würde das nicht bevorzugen? Man braucht Strauss nicht, um zu der Schlußfolgerung zu gelangen."

Einige ehemalige Geheimdienstbeamte glauben, daß Shulsky und seine Vorgesetzten Gefangene ihrer eigenen Überzeugung waren und sich vor allem selbst täuschten. Vincent Cannistraro, der frühere Leiter der Antiterroroperationen und -analysen der CIA, arbeitete nach seiner Pensionierung mit Shulsky in einem Washingtoner Think-Tank. Er sagte "Abe ist sehr sanft und nicht leicht aufzuregen, mit einem Sinn für Ironie. Aber seine Politik war typisch für seine Gruppe - der Strauss'sche Blickwinkel." Die Mitglieder der Gruppe, sagte Cannistraro "bestärken sich gegenseitig, da sie die einzigen Freunde sind, die sie haben, und alle arbeiten zusammen. Das läuft so seit den 80ern, aber sie haben es nie geschafft, so zusammenzuwachsen wie jetzt. Der 11. September gab ihnen die Gelegenheit, und jetzt sind sie im Himmel. Sie glauben, daß es die Geheimdienstinformationen gibt. Sie wollen es glauben. Sie müssen da sein."

Der wachsende Einfluß des Office of Special Plans wurde von einem schwindenden Einfluß der CIA und der DIA begleitet. Ein internes Memorandum des Pentagons ging sogar so weit, anzudenken, daß Terrorismusexperten innerhalb und außerhalb der Regierung absichtlich die Verbindung zwischen Al Quaida und dem Irak "heruntergespielt oder versucht zu widerlegen" hätten. "Viele Jahre lang hat es eine Abneigung innerhalb der Geheimdienstgesellschaft" gegenüber Überläufern gegeben, so das Memorandum. Es drängte darauf, daß zwei Analysten, die mit Shulsky arbeiteten, die Erlaubnis erteilt wurde, "Verbindungen zum Irak" zu suchen indem sie Zugriff auf die "Befragungen entscheidender irakischer Überläufer" erhielten.

Ein früherer Einsatzleiter der CIA, der jetzt Berater der Bush-Administration ist, sagte, daß viele Analysten innerhalb der CIA davon überzeugt sind, daß die Berichte von Überläufern der Gruppe Chalabis über Massenvernichtungswaffen und Al Quaida wenig Verwertbares erbracht hätten, sagten aber, daß die Agency "nichts dagegen tut". Er sagte, die DIA hätte die Informationen ebenfalls untersucht. "Selbst die DIA kann nichts wertvolles darin finden." (Das Pentagon, um einen Kommentar gebeten, bestritt, daß es Meinungsverschiedenheiten zwischen der CIA und Special Plans über die Plausibilität von Geheimdienstinformationen gäbe.)

In Interviews beschrieben frühere CIA-Beamte und Analysten die Agency als zunehmend demoralisiert. "George weiß, daß er geschlagen wurde" sagte ein früherer Beamter über George Tenet, den Direktor der CIA. "Und seine Analysten sind erschrocken. George hatte seine Leute immer geschützt, aber er wurde gezwungen, Dinge auf ihre Art zu tun." Da die Analysten der CIA jetzt in der Defensive sind "schreiben sie eher Berichte, die ihre Geheimdienstinformationen bestätigen als zu sagen, was vorgeht. Das Verteidigungsministerium und das Büro des Vizepräsidenten schreiben ihre eigenen Stücke, basierend auf ihrer eigenen Ideologie. Wir sammeln so viel Stoff an, daß man alles, was man will finden kann."

"Sie sehen sich selbst als Außenseiter" sagte ein früherer Experte der CIA, der das letzt Jahrzehnt in irakischen Exil-Angelegenheiten vertieft war, über die Leute von Special Plans. Er fügte hinzu "Es gibt einen hohen Grad an Paranoia. Sie haben sich selbst überzeugt, daß sie auf der Seite der Engel und alle anderen in der Regierung Dummköpfe sind."

Die über ein Jahr andauernde, immer erbitterter geführte Debatte über den Wert und die Vollständigkeit der Geheimdienstinformationen der Special Plans hörte im März auf, als Präsident Bush den Krieg im Irak anordnete. Nach ein paar Wochen der Kämpfe brach Saddam Husseins Regime zusammen und die amerikanischen Streitkräfte erklärten den Sieg vor einem Hintergrund des Aufruhrs und der Ungewißheit über die Zukunft des Landes. Ahmad Chalabi und der INC provozierten weiter Kämpfe innerhalb der Bush-Administration. Das Pentagon flog Chalabi und hunderte seiner schwer bewaffneten Unterstützer unter strengen Sicherheitsvorkehrungen trotz wütender Einwände des Außenministeriums in den Irak. Chalabi richtet sich jetzt selbst in Baghdad ein. Seine Verteidiger im Pentagon betonen, daß er nicht nur ein Shiit, wie die Mehrheit im Irak, sondern auch, wie es ein Gelehrter formulierte, "ein komplett verwestlichter Geschäftsmann" ist (er wanderte mit seinen Eltern 1958 nach England aus als er noch ein Junge war), was ein Grund dafür ist, daß das Außenministerium Zweifel hat, daß er bei den Irakern Unterstützung finden wird.

Chalabi ist allerdings nicht der einzige kontroverse Punkt. Das Unvermögen letzter Woche, Massenvernichtungswaffen an Orten zu finden, von denen Quellen des Pentagons gesagt hatten, dort würden mit Sicherheit welche gefunden, hat der Diskussion über die Qualität der Geheimdienstinformationen des Pentagons neuen Auftrieb gegeben. Ein früherer hochrangiger Geheimdienstoffizier sagte mir, daß Einheiten der American Special Forces Mitte März, vor Beginn des Luft- und Bodenkriegs, in den Irak entsandt worden waren, um Orte zu untersuchen, an denen Depots für Raketen oder chemische und biologische Waffen vermutet wurden. "Sie kamen mit leeren Händen zurück", sagte der Beamte. "Sie fanden nicht eine einzige Scud."

Seit dem hat es eine Reihe falscher Alarme gegeben und den Hinweis, daß Waffen möglicherweise in den letzten Tagen vor dem Krieg zerstört worden sein könnten, aber keine nachhaltigen Beweise. Am 22. April, Stunden bevor er den UN-Sicherheitsrat aufforderte, sein Team zurück in den Irak zu schicken, sagte Hans Blix gegenüber der BBC "Ich denke, es ist eine der beunruhigenden Dinge, daß soviel der Geheimdienstinformationen, auf die die Großen ihre Fälle aufbauen, so unsicher zu sein scheinen."

Es gibt wenig Selbstzweifel im Pentagon wegen des Unvermögens, gleich die Waffen zu finden. Der Pentagon-Berater der Sepecial Plans sagte mir, daß er glaube, daß die Verzögerung "nichts bedeutet. Wir müssen warten, bis wir die Antworten von den irakischen Wissenschaftlern bekommen haben, die uns sagen werden, wo sie sind." Ebenso sagte der Pentagon-Beamte, der für Luti arbeitet, letzte Woche "Ich denke, sie wurden in den Bergen versteckt oder in befreundete Länder gebracht. Saddam hatte genug Zeit, sie zu bewegen." Es gab Andeutungen des Pentagons, Saddam könnte Waffen über die Grenze nach Syrien bringen. "Es ist ködern und umschwenken", sagte mir der frühere hochrangige Geheimdienstbeamte. "Ködert sie in den Irak mit Massenvernichtungswaffen. Und, wenn sie nicht gefunden werden, gibt es den ganzen Blödsinn, daß die Waffen in Syrien sind."

Im Kongreß, so ein leitender Helfer eines Abgeordneten, "fangen einige Mitglieder an Fragen zu stellen und sich zu wundern,aber nur vorsichtig." Momentan "haben die Mitglieder nicht die Zuversicht, zu sagen, daß die Regierung falsch liegt." Er fügte hinzu "für viele macht es kaum einen Unterschied. Wir sind einen bösen Kerl losgeworden und haben das irakische Volk befreit. Einige sind scharfsinnig genug, um zu erkennen, daß die behauptete unmittelbare Bedrohung der USA durch Massenvernichtungswaffen nur ein Vorwand war. Ich muß mich manchmal selbst kneifen, wenn Freunde oder Angehörige mit Ungläubigkeit nach dem Fehlen der Massenvernichtungswaffen fragen, und muß mich daran erinnern, daß die durchschnittlichen Leute glauben, daß es da drüben Berge von dem Zeug gibt, bereit, daß jemand darüber stolpert. Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr Leute wundern sich darüber, aber ich denke nicht, daß es die öffentliche Meinung in den USA groß beeinflußen wird. Jeder ist gern auf der Seite der Sieger."



Waffen werden vielleicht noch gefunden. Irak ist ein großes Land, wie die Regierung in den letzten Wochen wiederholt klargestellt hat. In einer Rede letzte Woche sagte Präsident Bush "Wir haben mit der Suche nach chemischen und biologischen Waffen begonnen und kennen bereits hunderte von Orten, die durchsucht werden sollen." In der Zwischenzeit hat der amerikanische Vorstoß, auch wenn er keine Lager von Massenvernichtungswaffen entdeckt hat, weitere Beweise für die Brutalität des Regimes erbracht. Aber Saddam Husseins Bösartigkeit war lange vor dem 11. September dokumentiert, und war nicht der Hauptgrund, den die Bush-Regierung der Welt als Argument für den Krieg genannt hat.

Der ehemalige Senator Bob Kerrey, ein Demokrat der im Intelligence Committee des Senats gearbeitet hat, war ein starker Verfechter des Entscheidung des Präsidenten, Saddam zu stürzen. "Ich glaube, daß der Aufbau eines demokratischen, sekulären Staates im Irak alles rechtfertigt, was wir getan haben" sagte mir Kerrey, der jetzt Präsident der New School University in New York ist. "Aber sie nahmen die Geheimdienstinformationen über Waffen und haben sie weiter ausgedehnt als zu rechtfertigen war." Von den Falken sprechend, sagte er "Es scheint so, als hätten sie verstanden, daß sie, um das amerikanische Volk auf ihre Seite zu bringen, etwas mehr bieten mußten als zu sagen 'Wir haben den Irak befreit und sind einen Tyrannen losgeworden.' Also mußten sie inige Verbindungen zu Massenvernichtungswaffen finden und waren bereit, die Mehrheit der Amerikaner fälschlicherweise schlußfolgern zu lassen, daß der Irak etwas mit dem WOrld Trade Center zu tun habe. Die Überbetonung der Bedrohung der nationalen Sicherheit machte es schwieriger, den Rest der Welt auf unsere Seite zu bringen. Es war das schwächste und in die falsche Richtung führende Argument, das wir benutzen konnten." Kerrey fügte hinzu "Es scheint, als hätten sie die Geheimdienstinformationen. Das Problem ist, sie mochten die Schlußfolgerungen nicht."






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