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Das Weiße Haus beherrscht die Sprache der Fanatiker
28.05.2003


http://www.ariannaonline.com/columns/files/052103.html





Vielleicht ist Karl Rove mit seinem Büro in die "Matrix" umgezogen. Vielleicht bewirbt sich Laurence Fishburne um Ari Fleischers Posten. Vielleicht ist alles nur ein böser Traum: "The White House Reloaded".

Ich habe mir das Gehirn zermartert bei dem Versuch, die immer breiter werdende Kluft zwischen dem, wovon das Weiße Haus behauptet, das es wahr ist und dem, was tatsächlich wahr ist, zu überbrücken. Wir wissen schließlich, daß der Präsident und seine Leute nicht blöd sind. Und trotz der riesigen Flutwelle an Falschinformationen, die aus ihren Mündern fließt, glaube ich nicht, daß sie bewußt lügen.

Die beste Erklärung, die mir einfällt, für den wachsenden Spalt zwischen ihrer Rhetorik und der Realität ist, daß wir von einer Gruppe durchgeknallter Fanatiker regiert werden.

Der wesentliche Charakterzug eines Fanatikers, sei es ein Marxist, ein Faschist oder *schluck* ein Wolfowitz, ist der tiefe Wille, sich nichts so lächerliches wie Beweise dem unerschütterlichen Glauben in den Weg stellen zu lassen. Bush und seine Fanatiker-Freunde sind das politische Äquivalent zu diesen Yoga-Meistern, die ihren Atem anhalten und das für Stunden ohne Luft auskommen. So ist auch ihre mentale Kontrolle, sie können ohne Wahrheit für, nun, Jahre, auskommen. Denn in ihrem Bewußtsein haben sie immer Recht. Ganz zufällig.

Das faßt die Haltung des Weißen Hauses zu allem ziemlich gut zusammen, vom Status von Al-Quaida über den Zustand des Nachkriegsiraks bis zu den magischen arbeitsplätzeschaffenden Wundern der letzten Runde der Steuersenkungen.

Wer außer einem Fanatiker hätte wie der Präsident am letzten Freitag, nur vier Tage nach dem tödlichen Wiederauftauchen Al-Quaidas in Riyadh, die empörende Behauptung aufgestellt, daß "das Volk der Vereinigten Staaten sicherer ist, die Welt friedlicher sein wird"? Friedlicher als was? Die West Bank?

In den Wochen vor den Anschlägen in Riyadh hatte der Präsident wiederholt gesagt, daß "wir den Krieg gegen der Terror gewinnen" und daß Al-Quaida "auf der Flucht ist... langsam, aber sicher, dezimiert wird". Und so würde er natürlich nicht einer kleinen Tatsache wie 34 toten Menschen - das Ergebnis drei eng abgestimmter Bombenanschläge - gestatten, seine Einstellung zu ändern.

Und er war ebenso wenig beunruhigt von dem verstörenden neuen Bericht des International Institute for Strategic Studies, einem einflußreichen und überparteilichen britischen Think-Tank, der einen Tag nach den Bombenanschlägen in Riyadh und drei Tage bevor der Präsident erklärte, wir wären "sicherer" veröffentlich wurde, der besagte, daß Al-Quaida "noch genauso gefährlich" und "noch schwerer zu identifizieren und zu neutralisieren" sei als vor dem 11.9.

Und nur vier Stunden, nachdem der Präsident seine treuen Scheuklappen angelegt und seine rosige Version einer friedlicheren Welt abgeliefert hatte, wurde die Stille von fünf gleichzeitigen Bombenanschlägen in Casablanca zerrissen. Naja, zumindest haben wir noch den kommenden Jessica Lynch-Fernsehfilm, damit wir uns weiterhin gutfühlen können, egal ob da ein paar Minuten von der BBC umgeschrieben werden oder nicht.

Der verdammte-Beweise-Fanatismus des Präsidenten ist ebenso offensichtlich wenn es um den Nachkriegsirak geht. "Das Leben normalisiert sich" verkündete er nur zwei Wochen nach dem Fall Baghdads. "Die Dinge im Land haben sich beruhigt."

Wirklich? Wer bereitet seine morgendlichen Informationspapiere vor? Pollyandy Card? [pollyanna=blinder Optimist] Die kleine Condoleezza Sunshine? Hat er daran gedacht, einige Iraker dort wegen des "normalen Lebens" zu fragen? Vermutlich nicht. Einer der Schlüssel, ein erfolgreicher Fanatiker zu sein, ist sich mit Leuten zu umgeben, die die gleiche - und ebenso vernebelte - Einstellung haben.

Und dieser Einstellung zufolge kann die Definition von "sich beruhigen" so ausgedehnt werden, daß sie zügellose Plünderungen, sporadische Wasser- und Stromversorgung, Krankenhäuser in einem katastrophalen Zustand, Ausbrüche von Cholera und Ruhr, Straßen voller Abfälle und Abwässer, ein halbes Dutzend geplünderter Nuklearforschungsgebäude, verschwundene Fässer mit radioaktivem Material, wachsenden Antiamerikanismus und verschiedene sich bewaffnende ethnische und religiöse Gruppen einschließt. Kein Wunder, daß Don Rumsfeld die Medienberichte all dessen "eine Übertreibung" nennt. Es ist einfach ein "normales" Wochenende auf Camp David.

Und versucht gar nicht erst, so blinden Anhängern wie Jay Garner klarzumachen, daß in Baghdad nicht alles so rosig ist. Genau wie der Präsident kümmert sich der degradierte Vizekönig nicht um Fakten - für ihn kann selbst ein geplündertes und durchlöchertes Glas noch halbvoll sein. "Wir sollten uns jeden Tag auf die Brust schlagen", sagte er, die Meinung ablehnend, daß wir uns wegen der irakischen Probleme schlecht fühlen sollten. "Wir sollten in den Spiegel sehen und stolz sein. Wir sollten unsere Brust herausstrecken und unseren Bauch einziehen und sagen 'Verdammt nochmal, wir sind Amerikaner.'" Das wird uns sicher mehr Sympathie auf der Welt einbringen. Hurra, und reich das Kool-Aid [amerikanischer Softdrink] rüber, General Jay!

Und falls jemand denkt, der Präsident würde seinen Fanatismus nur auf internationalem Gebiet anwenden, sollte er nochmal darüber nachdenken. Seine verbissene Hingabe, seine letzte Runde von Steuersenkungen für die Reichen als einen "Arbeitsbeschaffungsplan" zu verkaufen - trotz einer Lawine an Beweisen, daß nichts dergleichen passieren wird - zeigt, daß er an der Heimatfront ebenso inbrünstig sein kann.

"Die Arbeitsplätze warten" sagte Bush, nachdem der Senat seine Version der Steuersenkungen angenommen hatte. "Ich rufe den Kongreß auf, seine Meinungsverschiedenheiten schnell beizulegen damit ich ein Gesetz unterzeichnen kann, das helfen wird, Arbeitsplätze zu schaffen, das Nettohaushaltseinkommen in die Höhe treiben und wirtschaftliches Wachstum auslösen wird." Und für diejenigen, deren wirtschaftliche Beschreibung "...illionär" oder "...illiardär" enthält, wird das sicherlich auch zutreffen.

Es macht für den Präsidenten offensichtlich keinen Unterschied, daß 10 Wirtschaftsnobelpreisträger die Steuersenkungen als "nicht die Antwort" auf die Arbeitslosigkeit verdammt haben, oder daß eine Studie des Congressional Budget Office aussagt, daß das "Arbeitsplätze und Wachstum Paket" nur einen sehr geringen Einfluß auf das langfristige Wachstum haben wird. Nicht interessiert. Nicht zuhörend. Die 1.4 Millionen Arbeitsplätze, von denen das Weiße Haus behauptet, die Steuersenkungen würden sie schaffen, sind mehr eine Frage des Glaubens eines Fanatikers als einer emotionslosen Voraussage.

Tatsache ist, es gibt jetzt 2,1 Millionen mehr arbeitslose Amerikaner als zu dem Zeitpunkt, als Bush sein Amt antrat, die große Mehrheit von ihnen hat ihre Arbeit verloren, nach der ersten 1,3 Billionen US-Dollar Steuersenkung in 2001. Schwierig, solche Beweise zu ignorieren- außer "Ignoriere die Beweise" ist dein 11. Gebot.

Eine populäre Definition von Irrsinn ist, das gleiche immer wieder zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Nun, das scheint die Theorie des Weißen Hauses bei den Steuersenkungen zu sein: es hat letztes Mal nicht funktioniert, laßt es uns nochmal versuchen.

Willkommen in der D.C. Matrix [Washington D.C.].






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