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Er denkt also, es wäre alles vorbei...

Robert Fisk

http://news.independent.co.uk/world/fisk/story.jsp?story=402897





George Bush hat das Ende des Krieges verkündet. Aber versuchen Sie mal, das den Shiiten und der Badr Brigade klarzumachen.

Das ist jetzt also das Ende des Krieges, ja? Wenn irgendjemand glaubt, George Bush Jr. könnte das an Bord des Flugzeugträgers Abraham Lincoln einfach so erklären - "die großen Kämpfe sind beendet" war die Formulierung, die er Donnerstag Nacht benutzte - dann sollte man sich Verteidigungsminister Rumsfelds gemütliche, finstere kleine Rede, die er am Tag davor vor US-Soldaten in Baghdad gehalten hat einmal genauer ansehen.

Es war voll der üblichen Legendenbildung: die "vielen" Iraker, die gekommen waren, um die Amerikaner bei der "Befreiung" Baghdads zu begrüßen, "der schnellste Einmarsch in eine Hauptstadt in der modernen Kriegsgeschichte" (was die Israelis 1982 in drei Tagen schafften). Aber die Schlüsselworte kamen am Ende. Die Amerikaner, sagte er, müßten immer noch "die Terrornetzwerke, die im Land operieren, ausrotten". Was? Welche Terrornetzwerke? Und wer, könnte man fragen, steckt hinter diesen mysteriösen Terrornetzwerken, die im Irak "operieren"? Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung. Vielleicht existieren sie noch nicht. Aber Donald Rumsfeld weiß (und ihm wurde vom US-Geheimdienst gesagt), daß sich eine wachsende Widerstandsbewegung gegen die amerikanische Besatzung im Irak bildet. Die Gemeinde der Shiiten, jetzt unterstützt durch im Iran trainierte Iraker der Badr Brigade, glaubt, daß die USA des irakischen Öls wegen im Irak ist. Und sie ist wütend wegen der Art, wie die Amerikaner die irakischen Bürger behandeln; innerhalb von drei Tagen wurden letzt Woche mindestens 17 sunnitische Demonstranten getötet, zwei von ihnen unter 11 Jahre alt.

Und sie ist von den Versuchen Washingtons, "für die Übergangszeit" eine pro-amerikanische Regierung zusammenzuflicken, nicht beeindruckt. Selbst während des Krieges konnte man die gleichen Meinungen hören. Ja, sagten uns die Shiiten, die Amerikaner können Saddam loswerden. Niemand zweifelte seine Bösartigkeit an. Aber diesem Gefühl folgte immer das Verlangen, die Amerikaner von hinten zu sehen. Die meisten der zivilen Opfer der amerikanischen und britischen Bomben waren Shiiten, ganz besonders um Nasiriyah und Hillah. Dies ist ein weiterer Grund, warum die Amerikaner bei ihrer Ankunft in Baghdad - wo ein gepanzertes US-Fahrzeug die berühmte Statue Saddams niederriß - nicht mit Blumen und Musik begrüßt wurden. Wenn irakische Zivilisten in das Gesicht amerikanischer Soldaten sehen, sagte Präsident Bush der Welt am Donnerstag, dann "sehen sie Stärke und Freundlichkeit und Güte". Falsch, Mr. Bush. Sie sehen Besatzung.

Es ist bereits möglich, einige der Entwicklungsschritte einer Besatzung zu identifizieren: eine Reihe brutaler Vorfälle, für die niemals, nie ein Amerikaner beschuldigt werden könnte. Genau wie bei der israelischen Besatzung der West Bank und Gazas, ist das Töten von Zivilisten niemals die Schuld der Besatzer. Der Fahrer und der alte Mann, die von US-Streitkräften nahe eines Kontrollpunkts in Baghdad erschossen wurden und das kleine Mädchen und die junge Frau, die schwer verwundet wurden, deren Tragödie Channel 4 mitangesehen hat, erhielten nie eine Entschuldigung der Vereinigten Staaten. Eine Familie wird in ihrem Auto im Südirak erschossen; Kameramänner werden im Palestine Hotel getötet; 15 Iraker, darunter mindestens ein Kind, werden in Fallujah niedergemäht. Für die Amerikaner ist es immer "Selbstverteidigung". Obwohl seltsamerweise wenige, falls überhaupt, Amerikaner bei den Vorfällen ernsthaft verletzt worden sind. Natürlich, es muß Schützen geben, die auf die Amerikaner schießen. Aber die Beweise legen nahe, daß es nicht viele sind. Sie legen auch nahe, daß es sehr bald sehr viel mehr von ihnen geben wird. Man muß sich nur ansehen, wie sehr die irakischen Shiiten die libanesische Hizbollah bewundert, um zu verstehen, wie gut sie die Kunst des Guerillawiderstands begreifen. Vom Iran unterstützt - oder in Saddams Folterkammern geschult - werden sie keine Befehle von Ex-General Jay Garner annehmen, dessen komplett kostenlose Reise nach Israel, um dort seine Bewunderung für die "Zurückhaltung" der israelischen Armee in den besetzten Gebieten auszudrücken im Irak wohlbekannt ist. Und ihnen ist sehr wohl bewußt, daß sich die großen amerikanischen Firmen darauf vorbereiten, Millionen an ihrem zerstörten Land zu verdienen.

Ohne auf eine "Übergangs"regierung zu warten um solche Entscheidungen zu treffen, hat die US Agency for International Development amerikanische Unternehmen eingeladen, Angebote für alles mögliche, von Straßeninstandsetzung bis zu neuen Lesebüchern, abzugeben. Ein US-Unternehmen, Stevedoring Services of America, hat bereits einen 4,8 Millionen US-Dollar-Vertrag für die Verwaltung des Hafens von Um Qasr an Land gezogen. US-Ölbosse, viele von ihnen enge Freunde von George Bush und seiner Administration, werden innerhalb einer Woche erwartet, um das irakische Ölministerium (eins von nur zweien, die auf wundersame Weise von den Amerikanern vor den Plünderern geschützt worden waren) zu besichtigen.

Nein, Irak erinnert nicht an eine kommende Demokratie sondern eher an die Tragödie, die die Briten empfing als die deutsche Besatzung in Griechenland 1944 endete. Hitler hatte, genau wie Saddam, dafür gesorgt, daß große Mengen verlassener Waffen herumlagen, um so einen Guerillawiderstand gegen die neuen Herrscher zu anzuheizen. Churchill unterstützte die nationalistische Regierung von George Papandreou - dem Ahmed Chalabi Griechenlands - aber die kommunistischen Elas Guerillas wollten Macht. Sie hatten seit Deutschlands Invasion 1941 gegen die Nazis gekämpft und fürchteten, wie viele Shiiten heute, daß sie von einem neuen, pro-alliierten Regime von der Macht ausgeschlossen werden würden.

Und so entwickelte sich die "Befreiung" Athens schnell zu einer Schlacht zwischen britischen Soldaten (lies: Amerikaner im Irak) und den Kommunisten, die jahrelang von der Sowjetunion unterstützt worden waren. Für damals Rußland, lies Iran heute. Behauptend, für die Freiheit einzustehen, merkte Churchill an, daß "Demokratie keine Hure ist, die von einem Mann mit einer Maschinenpistole auf der Straße abgeschleppt wird". Aber als die Briten das Kriegsrecht verhängten (etwas, das die Amerikaner vielleicht auch bald in Betracht ziehen müssen), teilte Churchill dem britischen Kommandeur in einer geheimen Nachricht weniger mildtätig mit, daß "nicht zögern soll, zu handeln, als wäre er in einer eroberten Stadt". In vielen Kämpfen gab es versuche, einen Vermittler zu finden - nicht unähnlich den verzweifelten Treffen zwischen Irakern und Amerikanern in Fallujah letzte Woche. Damals konnte Churchill die Ordnung nur wiederherstellen, weil er insgeheim Stalins Zustimmung bekommen hatte, daß Griechenland im westlichen TeilEuropa verbleiben konnte. Bulgarien, Ungarn, Polen und andere östliche Länder Europas zahlten den Preis. Die Parallelen sind natürlich nicht exakt, und ein kritischer Unterschied heute ist, daß das Land, das Washington helfen könnte, wie die Sowjets London geholfen haben, der Iran ist. Und Iran, sicherlich kein einfacher Verbündeter, ist Teil von Präsident Bushs "Achse des Bösen" und fürchtet, daß es der nächste auf Amerikas Liste sein könnte. Hier also eine kleine Voraussage.

Mr. Bush sagt, daß der Krieg vorüber ist, oder zumindest Worte, die dies aussagen. Dann beginnt shiitischer Widerstand an den Amerikanern im Irak zu zehren. Natürlich wird Mr. Rumsfeld davor gewarnt haben: er wird als die berühmten "Terrornetzwerke" bezeichnet werden, die im Irak noch bekämpft werden müssen. Und Iran - und zweifelsohne Syrien - werden beschuldigt werden, diese "Terroristen" zu unterstützen. Die Franzosen machten es in ihrem Krieg 1954 bis 1962 gegen die FLN in Algerien sehr ähnlich. Tunesien war schuld. Ägypten war schuld. Also bleiben sie dran für den zweiten Teil des Irakkriegs, transformiert in die nächste Phase des "Kriegs gegen den Terrorismus".






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