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Offener Brief eines Medal of Honor-Empfängers ans US-Militär

Charlie Liteky

http://www.vaiw.org/vet/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=88&mode=thread&order=0&thold=0





Um mich vorzustellen, mein Name ist Charlie Liteky, ich bin ein US-Bürger, Vietnam-Veteran und Empfänger der Medal of Honor des Kongresses. Ich lehnte die Medal of Honor allerdings am 29. Juli 1986 ab um gegen die US-Außenpolitik in Mittelamerika zu protestieren. Was die US in El Salvador und Nicaragua unterstützten, um nur die Barbarei und die Unterdrückung der Armen zu nennen, erinnerten mich an das, wovon ich vor 15 Jahren in Vietnam ein Teil war.

Ich legte die Medaille auf die Spitze des Vietnam Memorial Wall, in die die Namen von 58.000 jungen amerikanischen Männern eingraviert sind. Eingehende Untersuchungen des Vietnamkrieges enthüllten politische und militärische Lügner, denen menschliches Leben, einschließlich des ihrer Landsleute, gleichgültig ist. Der größte Lügner war der oberste Befehlshaber der US-Streitkräfte, Präsident Lyndon B. Johnson, der den Kongreß hinsichtlich des Vorfalls im Golf von Tonkin anlog. Es war diese Lüge, die den Kongreß bewog, das Geld für den Krieg freizugeben. Als ein Veteran dieses unglücklichen Krieges möchte ich in den schwindenden Jahren meines Lebens eine Gedanken über den Angriff meines Landes auf den Irak teilen.

Wieder einmal finde ich mich in einem Protest gegenüber einer US-Militäraktion wieder, die kein Gericht auf der Welt als legal erklären würde. Der US-Angriff auf das souveräne Land Irak hat keines der nötigen Merkmale eines gerechten Krieges. Irak auf der anderen Seite, erfüllte die grundlegendste Bedingung um militärische Gewalt gegen einen Gegner einzusetzen, nämlich die Verteidigung des Heimatlandes gegen einen ungerechten Angreifer. Aufgrund der unglaublichen Überlegenheit des US-Militärs gab es aber eine Möglichkeit einer erfolgreichen Verteidigung.

Durch den Angriff auf den Irak verletzten die USA die UN Charta, internationales Recht und allgemeingültige Moralstandards. Dies wird von der weltweiten Verurteilung des US-Angriffs durch die großen religiösen Konfessionen und geistliche Führer getragen.

Die Behauptung, die Befreiung des irakischen Volkes wäre ein gerechter Grund für einen Krieg, der tausende Unschuldiger tötet, ist schlimmste Heuchelei. Wenn die Befreiung eines unterdrückten Volkes das wahre Motiv hinter der Invasion im Irak wäre - warum haben die USA dann 25 Jahre gewartet, bis sie handelten? Warum haben die USA Saddam Husseins Einsatz von Chemiewaffen im Krieg mit Iran in den 80ern nicht verurteilt? Warum haben die USA nicht verhindert, daß für die Herstellung biologischer Waffen nötige Chemikalien den Irak erreichten? Wie kommt es, daß wir heute verurteilen, was wir gestern förderten?

Viele irakische Menschen feierten, als sie ihre amerikanischen/britischen Befreier sahen, aber viele taten es auch nicht, weil sie keine Beine hatten, um zu den Orten der Feiern zu gehen, keine Arme, um ihnen zuzujubeln oder kein Leben, um überhaupt zu feiern. Die saubere militärische Bezeichnung für solche Leute ist "Kollateralschaden".

Ich kam das erste Mal im November 2002 angesichts der kriegslüsternen Worte des Präsidenten der USA und seines Stabs in den Irak. Ich denke an die Kinder, die verletzbarsten der Unschuldigen. In meiner Vorstellung kann ich sie weinen hören, kann die Panik in ihren Augen und Gesichtern sehen als sie die Flugzeuge über sich hörten, gefolgt von den Bombenexplosionen. Ich wollte bei ihnen sein, um ihnen so gut ich konnte Trost zu spenden.

Dieser Cartoon [eines tückischen amerikanischen Adlers, der seine Krallen tief in irakischen Boden geschlagen hat], der in der Jordan Times am 23. April 2003 veröffentlicht wurde, zeigt, was viele Araber für die Motivation der USA hinter dem Angriff auf den Irak halten, nämlich eine tiefgreifende, langfristige Präsenz. Vor kurzem berichteten Zeitungen, daß es Pläne gibt, vier Militärbasen im Irak einzurichten.

Was der Cartoon nicht zeigt ist das Interesse der USA an den riesigen Ölvorräten des Iraks. Ein zweifacher Empfänger der Medal of Honor, General Smedley Butler, sagte "Krieg ist ein Schwindel" und daß er seine 33 Jahre Militärdienst damit verbracht habe, US-Geschäftsinteressen zu schützen. Ich gebe zu, daß der Schutz von US-Geschäftsinteressen, manchmal "nationales Interesse" genannt, immer noch die Hauptaufgabe des US-Militärs ist. Kriegsprofite gehen an eine kleine ausgesuchte Zahl auf Kosten vieler. Um Gen. Smedley nochmals zu zitieren:

"Krieg ist ein Schwindel. Das war er schon immer. Es ist vielleicht der älteste, wahrscheinlich der einträglichste und ganz sicher der verwerflichste. Es ist der einzige mit einem internationalem Umfang. Es ist der einzige, bei dem die Erträge in Dollars und die Verluste in Menschenleben gezählt werden. Ein Schwindel ist, denke ich, am besten zu beschreiben als etwas, das etwas anderes ist, als es der Mehrheit der Leute erscheint. Nur eine kleine Gruppe 'Insider' weiß, worum es wirklich geht. Er wird zum Nutzen einiger weniger, auf Kosten vieler durchgeführt. Aus dem Krieg ziehen einige wenige Leute große Reichtümer."

Dieser Brief, der einige meiner Gedanken aufführt soll die Schuld für den Angriff auf den Irak nicht den US-Militärangehörigen geben. Ich bin sicher, daß ihr glaubt, daß das, wovon ihr ein Teil seid, richtig und gerecht ist. Ich glaubte früher das gleiche von meiner Teilnahme am Vietnamkrieg. Ich teile meine Gedanken und Schlußfolgerungen als Gaben der Wahrheit, die sich mir durch jahrelange Studien der US-Außenpolitik erschlossen haben.

mit freundlichen Grüßen,

Charlie Liteky,
Vietnamveteran

P.S.: Möge Gott bei euch sein bei eurer Suche nach Wahrheit, eurer Suche nach Gerechtigkeit und euren Bemühungen, einem wundervollen Volk zu helfen.

[Charles Angelo J. Liteky wurde die Medal of Honor des Kongresses für die Rettung verletzter Soldaten unter Beschuß als Kaplan der 199th Light Infantry Brigade in Vietnam verliehen.]






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