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"Das ist nicht unser Job"

Jonathan Duffy

http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/middle_east/3003393.stm





General Tommy Franks droht ein Kriegsverbrecherprozeß vor einem belgischen Gericht weil US-Soldaten vorgeworfen wird, Plünderungen im Irak nicht verhindert zu haben. BBC News Online enthüllt Beweise, die nahelegen, daß seine Soldaten manche Plünderer sogar noch aufgestachelt haben.

Die Studien an Nasiriyas Technischer Universität sind ausgesetzt. In einer Stadt, die nach dem Krieg wieder versucht auf die Füße zu kommen, ist eine Universität das letzte, an das sie denken.

Vielleicht ist das auch egal. Als Saddam Husseins Armee aus der südirakischen Stadt floh und die amerikanischen Streitkräfte einmarschierten wurde die Universität geplündert. Heute ist es nur noch eine leere Hülle; Laboratorien und Hörsäle sind nur noch verkohlte Schatten ihrer früheren Selbsts.

Anders als andere Fälle von Nachkriegsplünderungen wäre dieser Fall laut des Dekans des Instituts, Dr. Khalid Majeed, leicht zu verhindern gewesen.

Als die Universität patrouillierende US-Streitkräfte um Hilfe bat, wurde dies nicht nur abgelehnt, einige Augenzeugen beschuldigen die US-Soldaten auch, die Plünder sogar ermuntert zu haben, das Universitätsgelände zu stürmen.

Die USA leugnen nicht, daß der Vorfall geschehen ist, sondern sagen, daß der Schutz von Universitäten nicht zu ihren Zuständigkeiten gehört.

Dr. Majeed, ein Dozent an der Universität, war an dem Tag dort, als hunderte Plünderer sich draußen versammelten.

Nasiriya befand sich zu der Zeit im Umbruch. Die Wasser- und die Stromversorgung war zusammengebrochen, die Polizei war zerstreut und Diebe hatten viele Besitztümer geleert.

Es war der 8. April, obwohl Dr. Majeed es nur als den Tag vor Baghdads Fall erinnert.

"[Die Menge] hatte ihre Gesichter bedeckt und hatte Messer und Kalaschnikows. Sie riefen, sagten "Wir brauchen alles aus dieser Universität", sagt Dr. Majeed, an dem Ort stehend, an dem sich die Menschenmenge gesammelt hatte.

Die Universität hatte eigene Wachen, ungefähr sieben Menschen, die sich hinter der niedrigen Mauer auf der Südseite des Campus befanden. Drei von ihnen waren laut Dr. Majeed bewaffnet.

Ihm wurde klar, daß diese Wachen der Menge nicht standhalten könnten.

"Ich ging zu einem amerikanischen Kontrollposten bei der Wissenschaftsuniversität und sagte, daß wir Hilfe bräuchten, weil Leute unser Institut bestehlen wollten. Sie sagte, sie könnten nicht helfen, weil es nur ihr Job wäre, am Kontrollpunkt zu dienen.

Also ging ich zur Brücke und bat die Amerikaner dort um Hilfe. Aber sie konnten nicht helfen."

In der Zwischenzeit, so Dr. Majeed, hatte ein Kollege einige Amerikaner von der nahegelegenen Feuerwache zusammengetrommelt.

Sie kamen in fünf Fahrzeugen, weigerten sich aber, die Plünderer abzuwehren. Stattdessen, schossen die Soldaten einige Dutzend Male auf die Südmauer der Universität, sagt Dr. Majeed.

"Das war ein grünes Licht für die Plünderer. Es sagte ihnen 'Wir werden euch nicht aufhalten.'"

Die Amerikaner waren innerhalb von fünf Minuten verschwunden und die Plünderer kamen rein.

Ein Ingenieursdozent der Universität, Najah Rustin, war auf der anderen Straßenseite als der Ärger begann. Er eilte zum Ort des Geschehens, wo er seinen Vater fand, wie er mit den Soldaten diskutierte.

"Jemand hatte den Amerikanern gesagt, daß die Wachen Baath-Parteimitglieder sein könnten. Mein Vater spricht englisch und sagte 'Nein, sie sind keine Parteimitglieder, sie sind Dozenten'", sagt Mr. Rustin.

Mr. Rustins Vater deckt die Aussage seines Sohnes. "Ich sagte ihnen, das Institut müsse vor den Dieben beschützt werden, aber sie antworteten 'Wir sind Soldaten. Das ist nicht unsere Arbeit. Unsere Arbeit ist das Kämpfen.'"

Ali Thowani (27), ein Apotheker und früherer Student der Universität, versuchte auch, mit den Soldaten auf englisch zu diskutieren.

"Ich sprach mit den Amerikanern und sie lehnten es ab, das Institut zu schützen. 'Wir sind keine Polizisten und das ist nicht unser Job', sagten sie."

Noch beunruhigender sind die Aussagen zweier Augenzeugen, die behaupten, sie hätten gesehen, wie Amerikaner die Plünderer ermuntert hätten.

Rasool Abdul-Husayn, ein arbeitsloser Lehrer, sagt, er hätte einen Amerikaner gesehen, der der Menge wiederholt mit dem Arm Zeichen gab, hineinzugehen. Ein anderer Augenzeuge, Kareem Khattar, der in einer Bäckerei auf der anderen Straßenseite arbeitet, sah das gleiche.

"Ich sah mit meinen eigenen Augen, wie die Amerikaner den Leuten Zeichen gaben, hineinzugehen und die Plünderer begannen zu klatschen" sagt Mr. Khattar.

"Die Amerikaner winkten Auf Wiedersehen und die Plünderer klatschten. Sie begannen schnell mit dem Plündern und als ein Mann mit einer Klimaanlage herauskam sagte ein Amerikaner zu ihm 'Gut, sehr gut'."

Vor dem Krieg gab es hier 2.500 Studenten und es wurden Sozialmedizin, mechanisches und elektrisches Ingenieurswesen, Informatik und andere Dinge gelehrt.

Jedes bißchen Arbeit, das in den Aufbau der Universität, die Anfang der 80er eröffnet worden war, geflossen war, wurde zerstört. Rund 100 Klimaanlagen und 100 Computer wurden gestohlen. Räume wurden in Brand gesteckt; die Laboratorien verwüstet; der große Hörsaal sieht aus, als wäre ein Hurrikan hindurchgezogen.

Im Verwaltungstrakt liegen Akten auf dem Boden, gleich neben Scherbenhaufen, umgestürzten Aktenschränken und zerbrochenen Pflanzentöpfen. Alles, selbst die Lichtschalter, wurde mitgenommen oder zerstört und so ist es in jedem einzelnen der Gebäude auf dem Campus.

In einer Stellungnahme gegenüber BBC News Online lehnte CentCom, das United States Central Command in Doha, Qatar, die Verantwortung für den Vorfall ab.

"Die Tatsache, daß das Plündern in Nasiriya stattfindet, ist traurig. Die Koalitionsstreitkräfte sind allerdings keine Polizei. Die Koalitionsstreitkräfte haben keine Befehle, Universitäten zu schützen. Sie haben den Befehl, wichtige Orte wie Krankenhäuser, Museen und Banken zu schützen.

Iraker müssen ihre Städte selbst schützen; die Koalitionsstreitkräfte werden das irakische Volk dabei unterstützen, sich selbst zu bewachen. Beispielsweise in Al Kut - wo die Leute mit den Koalitionsstreitkräften zusammenarbeiten - haben sie eine städtische Polizei aufgestellt. Die Koalition hat sogar Waffen für die örtliche Polizei zur Verfügung gestellt. Iraker werden den Irak leiten und sie werden sich selbst regieren."






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