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"Sonst kommt der böse Onkel Osama und holt Euch!"
29.11.2003









Al-Qaida und Osama bin Laden werden offenbar mehr und mehr zu einem Synonym für das Böse überhaupt. Ein begangener oder verhinderter Terroranschlag ist bestenfalls halb so viel wert, wenn es keine dahingehende Verbindung gibt. Dies scheint auf die Medien ebenso zuzutreffen wie auf die Staatsorgane.

Wie die Nachrichtenagenturen seit Freitag meldeten, sind mehrere Personen in Deutschland und in Italien verhaftet worden. Nach Aussage der italienischen Polizei handelte es sich dabei um eine zu Al-Qaida gehörende Terrorzelle.

Der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu sagte am Freitag: "Wir haben es geschafft, ein Anwerbezentrum für Mujaheddin zu zerschlagen."

Menschen wurden seinen Angaben zufolge in Italien angeworben und dann in den Irak gesandt, wo sie zu Selbstmordattentätern ausgebildet wurden, um schließlich amerikanische Soldaten anzugreifen. Die vorgebliche Verbindung zu Al-Qaida ist, daß diese Ausbildungslager von Ansar al-Islam betrieben würden, einer Gruppe, von der wiederum behauptet wird, daß sie eine Verbindung zu Al-Qaida besitzt.

Nicht nur, daß das Anwerben von Mujaheddin für den Kampf gegen Besatzer auch in Europa in den 80er Jahren vermutlich nicht nur geduldet sondern sogar gern gesehen wurde - allerdings ging es damals auch um den Kampf gegen die russische beziehungsweise kommunistische Besetzung Afghanistans. Die Indizienkette, aufgrund derer nun wieder einmal von einer "Al-Qaida-Terrorzelle" gesprochen wird, ist auch so dünn, daß sie schon ausreichend durchsichtig ist, um den wahren Grund für die Behauptung, nämlich Al-Qaida als absolute und alle anderen überragende Manifestation des Bösen darzustellen, zu erkennen ist.

Eine Reuters-Meldung vom Samstag zielte ebenfalls in diese Richtung, als gesagt wurde, daß "die Vereinigten Staaten Ansar al-Islam als ihren hauptsächlichen ‚terroristischen Gegner' im Nachkriegsirak bezeichneten", suggeriert dies doch, daß die Hauptzahl der Angriffe auf US-Soldaten von eben dieser Gruppe ausgeführt wird. Selbst nach US-Darstellung sind hierfür aber vorrangig "unverbesserliche" Anhänger Saddam Husseins verantwortlich.

Auch die Vorwürfe gegen den in Hamburg verhafteten Abderrazak Mahdjoub sind kaum stichhaltiger und auch hier suggeriert die Darstellung in den Medien anderes. So schreibt zum Beispiel der Spiegel unter der Überschrift "Schlag gegen Hamburger Atta-Connection" (Links auf Spiegel-Artikel werden hier nur noch in Ausnahmefällen gesetzt, da diese innerhalb kürzester Zeit in ein kostenpflichtiges Archiv verschoben werden), daß dieser den "deutschen Behörden kein Unbekannter" war.

Dies fußt auf mehreren Tatsachen.

Erstens wurde er Ende März diesen Jahres in Syrien verhaftet, weil er in den Irak reisen wollte. Nach einigen Wochen Untersuchungshaft wurde er aber wieder freigelassen. Offenbar konnte ihm nicht vorgeworfen werden.

Zweitens wurde er im Juli erneut in Untersuchungshaft gesteckt, weil vermutet wurde, daß er einen Anschlag in Spanien plante. Auch hier wurde er nach einigen Wochen wieder freigelassen werden, weil keine Beweise gegen ihn gefunden wurden.

Drittens - und dies ist die "Grundlage" für den Titel "Atta-Connection" soll sich Mahdjoub "im Umfeld der al-Quds-Moschee bewegt haben, aus dem auch die Terrorpiloten des 11. September stammten." Da es sich um Moslems handelt, ist zu vermuten, daß der Spiegel bereits recherchiert, ob der von den Geschworenen kürzlich zum Tode verurteilte Scharfschütze von Washington, John Allen Muhammad, möglicherweise die gleiche Kirche besuchte wie der US-Präsident George W. Bush.

Die vom Spiegel beschriebene "Verbindung" ist aber noch bemerkenswerter. Ein weiteres Mitglied der in Mailand zerschlagenen "radikal-islamischen Gruppe" soll der ebenfalls festgenommene Mohamed Daki gewesen sein. Dieser Name findet sich aber offenbar nicht in den Haftbefehlen, die Reuters in Kopien vorliegen. In Italien wurden demnach Bouyahia Maher Ben Abdelaziz, Toumi Ali Ben Sassi, Bentiwaa Farida Ben Bechir und Housni Jamal verhaftet, Muhamad Majid ist noch flüchtig.

Daki wiederum "war im April schon einmal festgenommen worden", offenbar mußte aber auch er wieder freigelassen werden, da keine Beweise gegen ihn gefunden wurden. Darüber hinaus "kannte Daki Mohammed Atta, den Kopf der Hamburger Todespiloten" vom 11. September und "hatte auch Kontakte zu Ramzi bin al-Shibh", mit dem er "sogar" ein Jahr lang zusammengewohnt haben woll. Abgesehen davon, daß die Täterschaft Attas nach wie vor nicht als bewiesen bezeichnet werden kann, soll hier also die Bekanntschaft mit zwei Personen, denen Terrorismus vorgeworfen wird, ausreichen, um Daki ebenfalls Terrorismus vorzuwerfen. Hierbei sei daran erinnert, daß der derzeitige Innenminister der Bundesrepublik Deutschland, Otto Schily, in den 70er Jahren "sogar" Terroristen der RAF vor Gericht verteidigt hat.

Selbstverständlich ist es möglich, daß die Verhafteten sowohl finanzielle Unterstützung als auch direkte Befehle von Osama bin Laden erhalten haben und mit der Planung diverser Anschläge beschäftigt waren und bisher nur geschickt genug waren, den Ermittlungsbehörden immer wieder zu entwischen.

Die bisher bekannt gewordenen Indizien lassen es aber mindestens ebenso wahrscheinlich erscheinen, daß die Verhafteten unschuldig sind.

In jedem Fall sollte aber der Grundsatz Beachtung finden, daß sie erst dann als schuldig anzusehen sind, wenn ihre Schuld gerichtlich erwiesen ist.

Die behauptete Al-Qaida-Verbindung ist dabei so wage, daß sie wohl eher zum Erschrecken der Bevölkerung gedacht ist, damit diese die "akute Terrorgefahr" nicht vergißt als daß sie bewiesen werden könnte.

Es scheint eher eine Aussage "Und wenn ihr nicht schön brav seid und den diversen Einschränkungen der Bürgerrechte ohne Murren zustimmt, die schließlich nur Eurem Schutz dienen, kommt der böse Onkel Osama und holt Euch!" zu sein.





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