www.Freace.de


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Das Rechtsverständnis der Familie Bush
22.11.2003









Ein weiteres Mitglied der Bush-Familie hat neben dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush einen hohen Posten in der US-Politik inne. Sein Bruder Jeb Bush ist der Gouverneur von Florida und auch Jeb scheint der Ansicht zu sein, daß er am Besten weiß, was passieren muß. Gesetze scheinen dabei eher hinderlich zu sein.

Theresa "Terri" Schiavo liegt seit 1990 im Koma - obwohl auch dieser Punkt strittig ist. Ihr Ehemann ist dieser Ansicht und führt Prozesse, um die lebenserhaltenden Maßnahmen - die künstliche Ernährung - zu beenden, weil sie "es so gewollt hätte". Die Familie seiner Frau andererseits bestreitet, daß es sich bei ihr um einen hoffnungslosen Fall handelt und will sie am Leben erhalten.

Auch existieren Berichte, die die offizielle Version, die ihren Zustand mit einem Aussetzen der Herztätigkeit, verursacht durch einen Kaliummangel, anzweifeln. Stattdessen ist der Gerichtsmediziner Dr. Michael Baden, basierend auf Röntgenaufnahmen, die Verletzungen zeigen, der Ansicht, daß ihr Zustand vermutlich durch äußere Gewalteinwirkung hervorgerufen worden ist.

Ein anderer Bericht, der sich auf Aussagen von Krankenschwestern beruft, besagt, daß Frau Schiavo durchaus in der Lage ist, auf äußere Reize zu reagieren und einzelne Worte zu sprechen. Ihr Ehemann andererseits soll jegliche Maßnahmen, die zu einer Verbesserung ihres Zustandes hätten führen können, unterbunden haben. Eine Krankenschwester erinnert sich, daß er sie gefragt hat "Wann stirbt die Schlampe?"

Moralisch spricht also sehr viel dafür, sie zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht sterben zu lassen und den Fall näher zu untersuchen.

Rechtlich sieht es allerdings anders aus. Ein Richter in Florida hatte Michael Schiavos Klage stattgegeben und angeordnet, daß die künstliche Ernährung beendet wird, was zu ihrem Tod führen würde.

Ein Bundesrichter hat die Klage der Eltern, diese Entscheidung aufzuheben, zurückgewiesen.

Daraufhin hat das Parlament Floridas auf Betreiben von Jeb Bush ein Gesetz erlassen, daß es ihm in Fällen wie diesem gestattet, die Weiterführung der künstlichen Ernährung anzuordnen. Hiermit wurde also bereits eine Entscheidung von Gerichten ignoriert, weil Jeb Bush der Ansicht war, es einfach besser zu wissen.

Am Samstag nun berichtete AP, daß Jeb Bush ein Berufungsgericht aufgefordert hat, den Richter W. Douglas Baird von dem Schiavo-Verfahren zu entbinden, da er "voreingenommen" sei, nachdem Bush Baird erfolglos aufgefordert hatte, sein Mandat selbst niederzulegen, wie er es ebenfalls bei einem anderen Richter in einem weiteren Schiavo-Verfahren getan hat.

Bush greift hier also massiv in die Gerichtsbarkeit ein, weil er mit der Entwicklung der Verfahren offenbar nicht einverstanden ist. Daß er bei seinem Amtsantritt auf die Verfassung der Vereinigten Staaten schwören mußte, scheint ihn dabei in seinem Bewußtsein, "das richtige zu tun", nicht zu irritieren.

Der Fall Schiavo birgt sicherlich einige Merkwürdigkeiten, eine weitere ist, warum ihre Familie nicht schon vor Jahren versucht hat, die Kontrolle über ihre Behandlung zu erlangen, wenn ihr Mann diese doch derart konsequent behindert haben soll.

Wenn ein führender Politiker allerdings glaubt, seine persönlichen Ansichten würden wesentlich schwerer wiegen als die Entscheidungen von Gerichten und dies aufgrund seiner Macht auch durchsetzt, so kann dies nur als ein weiterer Schritt weg von einer Demokratie hin zu einer Diktatur bezeichnet werden.




Zurück zur Startseite





Impressum

contact: EMail