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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Von Haaren und Ohren
21.11.2003









Es ist ja nicht so, daß derzeit in der Welt nichts passiert, die Sommermonate mit der einhergehenden - wenn auch nur gefühlten - Nachrichtenflaute sind schon lange vorüber, wie ein Blick aus dem Fenster bestätigt, und doch kommt es wieder einmal zu einer ebenso hitzigen wie unwichtigen Diskussion in den Medien wie damals, als es um des deutschen Bundeskanzlers Haarpracht ging.

Anfang des Jahres 2002 schien es mehrere Monate lang kaum ein wichtigeres Thema zu geben, als jenes, ob Schröders Haare denn nun wirklich noch so prächtig sind, wie sie scheinen, oder ob hier mit den Wunderwerken der modernen Chemieindustrie farblich nachgeholfen wurde - und wird.

In den letzten Wochen nun findet in den französischen Medien ein ganz ähnliches Schauspiel statt, auch wenn es hier darum geht, ob der französische Präsident Jacques Chirac in einem Ohr ein Hörgerät benutzt oder nicht.

Ebenso wie graue Haare bei einem 55-Jährigen wenig überraschend wären - auch wenn er deutscher Bundeskanzler ist - wären Hörprobleme bei einem 71-Jährigen wenig überraschend - auch wenn es sich um den französischen Präsidenten handelt.

Anders als im Fall Schröder sind in Frankreich zwar bisher keinerlei Anstrengungen unternommen worden, die Gerüchte gerichtlich zu unterbinden, offenbar kann man sich aber auch dort nicht zu einer klaren Aussage durchringen.

Mag man dies noch mit der Angst entschuldigen, eine "Schwäche" des Staatsoberhauptes zugeben zu müssen - Erinnerungen an sowjetische Machthaber, die fast noch nach der Beerdigung als "bester Gesundheit" bezeichnet wurden, sollen hier außer acht gelassen werden - warum allerdings die Medien ebenfalls ein derartiges Interesse an solchen unwichtigen Details entwickeln scheint rätselhaft.

Eine mögliche Erklärung wäre, daß sich um "westliche" Politiker mehr und mehr ein ebensolcher Personenkult entwickelt, wie dies für Schauspieler, Sportler und andere "Prominente" gilt. Eine Folge hiervon wäre allerdings, daß Politiker mehr und mehr aufgrund ihrer Person und nicht mehr wegen ihrer politischen Ansichten gewählt würden, wie dies schon in den USA zu beobachten ist.

Tatsächlich wird gerade dem deutschen Bundeskanzler bereits häufiger vorgeworfen, daß er mehr auf seine mediale Wirkung als auf politische Lösungen achtet.




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