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Irakische Polizei auf Seiten des Widerstands
27.11.2003









AP hat am Mittwoch mit über einem Dutzend irakischen Polizisten gesprochen, die sich bis auf eine einzige Ausnahme alle gegen die amerikanischen Besatzer geäußert haben.

Die irakischen Polizisten fühlen sich unterbezahlt - obwohl sie mit Einkommen zwischen 100 und 150 US-Dollar, insbesondere angesichts der extrem hohen Arbeitslosigkeit im Irak, eigentlich zu den Besserverdienenden zählen, sind schlecht bewaffnet und haben praktisch keinerlei Ausrüstung, um sich selbst zu schützen.

Sehen Sie sich die amerikanischen Basen an", sagte Leutnant Miqdad Thamer in Baqubah. "Sie verstecken sich hinter Barrikaden während wir hier draußen in den Straßen sind und nicht einmal Waffen haben, um uns selbst zu schützen."

Andere Polizisten beklagten sich, daß sie weiterhin ihre Sommeruniformen tragen müssen, obwohl die Temperaturen nachts bereits bis auf 4 Grad Celsius absinken.

Außerdem werden sie von einer großen Zahl von Irakern als Kollaborateure mit den amerikanischen Besatzern angesehen.

"Wir werden angegriffen, weil sie glauben, daß wir mit den Amerikanern zusammenarbeiten. Das ist nicht wahr. Wir versuchen, der Stadt Sicherheit zu bringen", so Thamer weiter.

Verkehrspolizist Salman Khaizaran ist sich sicher, daß die Angriffe weitergehen werden, solange das US-Militär nicht abzieht. "Wenn sie wollen, daß die Angriffe aufhören, müssen sie die Städte verlassen und uns die Verantwortung für die Sicherheit übergeben", sagte er.

Der Eindruck der Kollaboration wird sicherlich noch durch das harte Vorgehen der US-Soldaten verstärkt, besonders wenn dies bei gemeinsamen Operationen geschieht. Thamer berichtete von einer gemeinsamen Razzia, bei der ein Mann in Unterwäsche festgenommen wurde. Als ein irakischer Polizist die Hose des Mannes nehmen wollte, befahl ihm ein US-Soldat, sich nicht einzumischen und wegzugehen. "Warum zwingt man ihn so auf die Straße zu gehen und erniedrigt ihn dadurch?", fragte Thamer.

"Ich bin wütend. Weil ich den Amerikanern nicht klarmachen kann, daß dies die Unverletzbarkeit der Wohnung ist und ich das amerikanische Vorgehen den Menschen gegenüber nicht rechtfertigen kann. Ich bin in einer sehr schwierigen Position und ich leide sehr stark darunter", so der Leutnant weiter.

All dies führt offenbar dazu, daß sich die Polizisten mehr und mehr auf die Seite der irakischen Widerstandskämpfer stellen.

Ein Hauptmann in der Stadt Fallujah sagte, jeder der am irakischen Widerstand beteiligt ist, "ist ein stolzer Iraker, der für sein Land kämpft."

Eine Gruppe von Polizisten vor der zerbombten Polizeistation von Khan Bani Saad wurde noch deutlicher. Sie sagten, daß sie die Amerikaner nicht informieren würden, wenn sie Kenntnis von einem bevorstehenden Angriff hätten und auch keinen Angreifer identifizieren würden. Diese Ansicht wurde auch von Polizisten in Baqubah und Samarra vertreten.

"Wir würden es verhindern, wenn wir wüßten, daß es innerhalb der Stadt aufgeführt werden soll, denn wir wollen nicht, daß die irakischen Menschen verletzt werden", sagte der Polizist Salman, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte. Angriffe außerhalb der Stadt würden sie aber weder verhindern noch darüber Bericht erstatten, sagte er weiter.

"Wir sind keine Spione", sagte ein Kollege.

"Ich würde nichts verraten", so ein weiterer Polizist.

"Ich würde einen Moslem nicht verraten", sagte Salman.

Da auch den USA diese Stimmung der irakischen Polizisten bekannt sein dürfte, ist es wenig wahrscheinlich, daß die Verantwortung für die irakische Sicherheit tatsächlich wie von den USA angekündigt, weiter an die Polizei abgegeben werden wird.





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