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Über den Wahrheitsgehalt des US-Berichtes
09.11.2003









Am Samstag hat AP in einer Meldung enthüllt, daß ein Eckpfeiler des Berichts der amerikanischen "Iraq Survey Group" (ISG) unter Leitung von David Kay offenbar komplett erlogen ist.

In dem Anfang Oktober veröffentlichten Bericht der ISG, die sich hauptsächlich aus Angehörigen des US-Militärs und CIA-Mitarbeitern sowie Waffenexperten zusammensetzt und für die Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak aufgestellt worden war, war behauptet worden, daß der irakische Wissenschaftler Khalid Ibrahim Sa'id an der Erforschung von Atomwaffen beteiligt gewesen war. Außerdem sei er getötet worden, als er versuchte, "eine Straßensperre zu durchbrechen".

Beiden Behauptungen haben eine ganze Zahl von durch AP befragten Zeugen widersprochen.

Der von Kay vorgelegte Bericht sagt, daß Sa'id im Jahr 2000 "mehrere kleine und technisch ziemlich anspruchslose Forschungsprojekte begann, die der Entwicklung von Atomwaffen dienen können." Allerdings wurden keinerlei Informationen über die Art der Forschungsprojekte gegeben, sondern gesagt, daß "Diese Projekte nicht allein eine Wiederaufnahme eines Atomwaffenprogramms darstellten." Außerdem sei er "bedauerlicherweise" getötet worden, "als das Auto, in dem er unterwegs war, versuchte, eine Straßensperre der Koalition zu durchbrechen."

Eine Reihe von irakischen Physikern, darunter auch Personen, von denen bekannt ist, daß sie die Regierung von Saddam Hussein oder die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen nicht unterstützt haben, bestreiten, daß Sa'id an entsprechenden Projekten gearbeitet habe. Vielmehr soll er an der Entwicklung eines fortgeschrittenen Geschützes gearbeitet haben. Physiker, die seine Forschung überwachten oder mit ihm zusammenarbeiteten sagten, daß er an der Entwicklung eines elektromagnetischen oder Teilchen-Geschützes gearbeitet hat.

"Sa'id ist ein leichtes Opfer für David Kay weil er tot ist. Er kann sich nicht selbst verteidigen", sagte der Atomwissenschaftler Sabah Abdul Noor, der 30 Jahre lang mit Sa'id befreundet war.

Der Molekularphysiker und Wissenschaftsdekan der Universität von Baghdad, Abdel Mehdi Talib, lachte, als er von den Vorwürfen in dem Bericht hörte, die sich fast ausschließlich auf Sa'id bezogen. "Was war Khalid, ein Ein-Mann-Orchester? Das Schlagzeug spielend und die Mundharmonika?", fragte er.

Die in dem Bericht außerdem gemachte Anschuldigung, daß Sa'id "eine Wiederaufnahme des Zentrifugenprogramms in Betracht gezogen hatte" ist anscheinend falsch. Nach Aussage seiner Kollegen hatte Sa'id nie an der Anreicherung von Uran gearbeitet. Dem wurde von einem Mitarbeiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien zugestimmt. Sa'id habe nie an dem irakischen Zentrifugenprogramm in der 80er Jahren mitgearbeitet, also "wäre es sehr unlogisch, als würde man das Rad neu erfinden", einen Neustart des Programms ohne Spezialisten aus der damaligen Zeit zu unternehmen, so der IAEA-Mitarbeiter.

Auch die Behauptung, daß sein Fahrzeug versucht habe, eine Straßensperre zu durchbrechen, entspricht den Aussagen mehrerer Augenzeugen gegenüber AP zufolge nicht der Wahrheit.

Am Morgen seines Todes war der Nissan Partol Geländewagen mit Sa'id, seinem Fahrer und einem dritten Mann auf die Hauptstraße des Baghdader Stadtteils Khadra eingebogen, offenbar ohne zu wissen, daß vorrückende US-Panzer den Stadtteil bereits erreicht hatten und daß ein Panzer am Ende der Straße stand.

"Alles, was sich bewegte, wurde von ihnen beschossen", sagte Mohammed Hassan, ein Anwohner der Straße, der Sa'ids Auto hatte kommen sehen. "Leute rannten voller Panik mit Kindern von hier nach da. Leute, die zu Fuß unterwegs waren, wurden erschossen", berichtete Jamal Abbas, ein weiterer Augenzeuge.

Leute gaben Sa'ids und einem weiteren Auto Zeichen, anzuhalten, zu dem Zeitpunkt war es aber schon zu spät. Aus über 100 Meter Entfernung feuerte der Panzer seine Kanone auf beide Autos ab. Die beiden anderen Fahrzeuginsassen starben sofort, Sa'id vier Stunden später in einem Krankenhaus.

Auch auf mehrfache Nachfrage seitens AP wollte die ISG keinerlei Kommentare zu den Behauptungen abgeben.




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