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Gefesselt und beleidigt in Fort Benning
28.11.2003


Kathy Kelly

http://www.antiwar.com/orig/kelly6.html







Am Sonntag, dem 23. November nahm ich an einer gewaltfreien Aktion des passiven zivilen Ungehorsams in Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia teil, um gegen die "School of the Americas" (SOA, die jetzt "Western Hemisphere Institute for Security Cooperation" - WHISC - genannt wird) der US-Army zu protestieren.

Kurz, nachdem über zwei Dutzend von uns Fort Benning betreten hatten und verhaftet worden waren, brachte uns die US-Militärpolizei für die "Bearbeitung" zu einem Warenhaus auf der Basis. Ich wurde für eine erste Durchsuchung an eine Stelle geführt, wo eine Soldatin mich anschrie, ich solle geradeaus schauen und die Beine spreizen. Ich drehte mich zu ihr um, um sie zu fragen, warum sie mich anschrie und mir wurde befohlen, den Mund zu halten, geradeaus zu schauen und die Beine weiter zu spreizen. Dann begann sie mit einer harten Durchsuchung. Als ich den Befehl erhielt, ein Bein ein zweites Mal anzuheben, verlor ich kurz das Gleichgewicht während ich weiter hart durchsucht wurde und, meiner Ansicht nach, unnötig grob behandelt wurde. Ich entschied mich, daß ich diese entmenschlichende Behandlung nicht länger hinnehmen sollte. Als ich meine Arme senkte und leise sagte "Es tut mir leid, aber ich kann hiermit nicht länger kooperieren" wurde ich sofort zu Boden gedrückt. Fünf Soldaten hockten sich um mich herum, einer von ihnen bezeichnete mich mit einem Kraftausdruck (das Arschloch) und begannen, meine Handgelenke und meine Fußgelenke mit Handschellen zu fesseln und dann beide zusammenzubinden. Dann lehnte sich ein Soldat auf mich, mit seinem oder ihrem knie in meinem Rücken. Unfähig, richtig zu atmen, japste und stöhnte ich "Ich kann nicht atmen." Ich wiederholte dies viele Male und begann dann, um Hilfe zu betteln. Als ich sagte "Bitte, ich hatte schon vier Lungenkollapse" nahm der Druck auf meinem Rücken ab. Vier Soldaten trugen mich dann gefesselt zur nächsten Bearbeitungsstelle, um dort verhört zu werden und stützten mich in einer knienden Position. Der Soldat, der links von mir stand, der eingeteilt worden war, mich zu "begleiten", erklärte mir freundlich, daß die Handschellen, die sehr eng waren, bald abgenommen werden würden. Er teilte mir höflich mit, daß er mein Haar, das mir ins Gesicht hing, zur Seite nehmen müßte, damit ich photographiert werden könnte. Ich sagte ihm, daß ich das begrüßen würde.

Ich wurde dann zur nächsten Stelle getragen. Dort kniete einer der Soldaten, die mich zu Boden gedrückt hatten, vor mir, mit seiner Nase nur wenige Zentimeter von meiner entfernt, und sagte mir, daß er, da ich streitlustig war, Pfefferspray gegen mich einsetzen würde, wenn ich nicht genau täte, was man mir sagte, wenn sie eine Hand befreiten. Ich bat ihn, zu beschreiben, inwiefern ich streitlustig war, aber er antwortete nicht.

Nach der Behandlung wurden mir die Handschellen abgenommen, mir wurden Hand- und Fußketten angelegt und ich wurde in einen Bereich geführt, in dem andere Aktivisten, ebenfalls in Ketten, auf ihren Transport ins Muskogee-Bezirksgefängnis warteten.

Bei unserer Kautionsverhandlung am Montag, den 24. November, sagte ein Militärankläger den Bundesrichter, daß das Militär eine zusätzliche Anklage gegen mich erwäge, weil ich mich der Festnahme widersetzt hätte. Ich erklärte dem Richter meine Seite der Geschichte, dankbar, daß es zumindest mehrere Zeugen gibt, auf die ich mich berufen kann.

Der Bundesrichter stellte fest, daß die meisten von uns "Fluchtrisikos" waren und erhöhte die für die Freilassung nötige Bargeldkaution um 100 Prozent von 500 US-Dollar im letzten Jahr auf 1.000 US-Dollar.

Heute habe ich ein blaues Auge und die Schmerzen, die durch ernste Muskelzerrungen hervorgerufen werden. Vor allem lastet eine ernste Frage auf mir: "Wofür trainieren diese Soldaten?" Die Soldaten, die die Durchsuchung durchführten müssen den Befehl erhalten haben, nicht den geringsten Widerspruch hinzunehmen. Sie wendeten Einschüchterungsstrategien an, die weit über das hinaus gingen, was nötig ist, um eine unverhohlen gewaltlose Gruppe von Demonstranten, die noch nie, in 13 Jahren vorangegangener Demonstrationen, irgendwelche Schwierigkeiten während der Verhaftung gemacht haben, unter Kontrolle zu bringen. Fassungslos gaben die meisten von uns in dem "Tank" im Muskogee-Bezirksgefängnis zu, daß sie sich während der harten Behandlung gefragt hatten "In was für einem Land leben wir?" Wir leben jetzt in einem Land, wo Gelder der "Homeland Security" für Übungen ausgegeben werden, die Militär- und Polizeieinheiten darin ausbilden, Menschenmengen, Gefangene und Verhaftete mittels Drohungen und Gewalt zu kontrollieren und einzuschüchtern.

Die Schmerzen diesen Morgen, zusammen mit der Erinnerung an die Fesselung, geben mir einen Schimmer der Mißhandlungen, gegen die wir protestieren, wenn wir nach Fort Benning kommen. Während wir weiter den Einsatz von Gewaltlosigkeit in unserer gefährlichen Zeit erproben, ist es wichtig, daß wir uns gegen Anstrengungen, unsere Entschlossenheit, zusammenzuhalten, zu zerstreuen, durchsetzen, gegen das, was Martin Luther King einmal "die Gewalt verzweifelter Männer" - und Frauen - nannte.


Kathy Kelly arbeitet an "Voices in the Wilderness", einer Kampagne, die die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak beenden will, mit. Derzeit engagiert sie sich im "Iraq Peace Team".




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