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Wie sich die Bilder (nicht) gleichen
29.11.2003









Zwei Führer zweier Staaten. Der eine umringt von ihn bejubelnden Soldaten seines Landes, der andere umringt von ebenfalls ihn bejubelnden Bürgern seines Landes.

Der eine ist der Präsident der Vereinigten Staaten bei seinem Wahlkampf-Werbe-Besuch bei amerikanischen Soldaten im Irak anläßlich des Thanksgiving-Festes, der andere der irakische Präsident Saddam Hussein inmitten von Anhängern auf den Straßen Baghdads, als die US-Armee die Stadt eigenen Angaben zufolge schon erobert hatte.

Beide Fälle können als mehr oder weniger stark inszeniert angesehen werden. Die US-Soldaten fühlten sich durch das persönliche Erscheinen ihres Oberbefehlshabers - die Position nimmt der amtierende US-Präsident in Kriegszeiten automatisch ein - vermutlich "geehrt", andererseits handelte es sich aber auch um Befehlsempfänger, die gerade in einem Kriegsgebiet relativ leicht daran gehindert werden können, eine kritische Meinung öffentlich zu äußern.

Auch die Videoaufnahmen Saddam Husseins haben nicht allzuviel tatsächliche Beweiskraft. Erstens dürfte es, zumindest zum damaligen Zeitpunkt, noch genügend Iraker gegeben haben, die an einen schließlichen Sieg Husseins glaubten, zweitens wäre der Sicherheitsapparat des damaligen irakischen Regimes vermutlich noch stark genug gewesen, genügend Iraker vom Jubeln zu "überzeugen".

Hier beginnen aber auch schon die grundlegenden Unterschiede der beiden Fälle.

Während George W. Bush unter höchster Geheimhaltung in den Irak gereist ist und sich dort offensichtlich nur auf einer US-Militärbasis aufgehalten hat, weil befürchtet wurde, daß er Ziel eines Angriffs werden würde, zeigte sich der "verhaßte Diktator" Hussein öffentlich auf der Straße, offensichtlich, ohne einen Angriff oder einen Hinweis an die amerikanischen Besatzer zu befürchten.

Bush war bereit, den Plan noch kurz vor der Landung seines Flugzeugs "Air Force One" abzubrechen, wenn er vorzeitig bekannt geworden wäre und zeigte sich in den 2 Stunden seines Aufenthalts ausschließlich seinen Soldaten - was das irakische Volk ebenso wie den von den USA eingesetzten "irakischen Regierungsrat" verärgert hat. Hussein andererseits bewegte sich offen unter den Menschen.

Diese Gegenüberstellung zeigt nicht nur deutlich das unterschiedliche Vertrauen beider Männer in das irakische Volk, sondern auch, daß diese Einschätzungen vermutlich richtig sind. Während die USA von der überwiegenden Mehrheit der Iraker anscheinend als Besatzer wahrgenommen werden und es beim Besuch des stellvertretenden amerikanischen Verteidigungsministers Paul Wolfowitz zu einem schweren Raketenangriff auf das von ihm zu dem Zeitpunkt bewohnte, gut geschützte Hotel gekommen ist, scheint es kaum möglich, daß Saddam Hussein bisher unentdeckt bleiben konnte, hätte er nicht die Unterstützung einer größeren Anzahl von Irakern.

Der Irakkrieg war von Beginn an auch ein Krieg um die Medien. "Eingebettete Reporter", die der Militärzensur unterlagen auf der einen Seite standen einer zentralen irakischen Informationspolitik um den Informationsminister Mohammed Saed al-Sahhaf gegenüber, der das Eindringen von US-Soldaten in die Hauptstadt Baghdad noch leugnete, als Journalisten dort schon selbst US-Panzer gesehen hatten.

Die USA scheinen dabei auf die Schaffung von "Bildern" bedacht. Sei es die perfekte Inszenierung der Ansprache des US-Präsidenten vom 1. Mai diesen Jahres auf dem US-Flugzeugträger Abraham Lincoln oder jetzt die ihm zujubelnden US-Soldaten, immer scheint es, als würde versucht werden, vor allem die Meinung der Öffentlichkeit positiv zu beeinflussen.

Die Aufnahmen Husseins andererseits dürften eher ein Zeichen an die USA gewesen sein, daß er durchaus Unterstützung in der irakischen Bevölkerung hat und sich noch nicht geschlagen gibt.





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